Es ist kein Geheimnis: Die SVP kämpft landesweit gegen den Lehrplan 21, der auf eine Vereinheitlichung der Kompetenzen von Schülerinnen und Schüler aller deutsch- und mehrsprachigen Kantone abzielt.

Die SVP Kanton Solothurn hat ihre Ablehnung gegen das Harmonisierungsprojekt bereits im Rahmen der innerkantonalen Konsultation, die im letzten Jahr über die Bühne ging, klipp und klar um Ausdruck gebracht. Jetzt doppelt SVP-Kantonsrat Beat Künzli (Laupersdorf) mit einem politischen Auftrag nach - und fällt damit bei der Regierung durch.

Mehrheit befürwortet den Lehrplan

«Dieser Lehrplan taugt nichts», meint Künzli und deshalb sei dessen Einführung zu unterbinden. Wenig schmeichelhaft bezeichnet er das 557-seitige Papier ein «Monstrum», das von «realitätsfernen Bildungsbürokraten» entwickelt worden ist.

Die SVP sei dabei nicht grundsätzlich gegen Harmonisierung, lässt Künzli wissen. Das Ganze sei aber massiv zu redimensionieren und zudem sei dem vom Kantonsrat beschlossenen Reformmoratorium im Bildungsbereich bedingungslos Folge zu leisten.

Dieser Einschätzung hält die Regierung entgegen, dass eine Mehrzahl aller 27 Organisationen, die sich an der innerkantonalen Konsultation beteiligt hätten, den Lehrplan 21 «grundsätzlich» befürworte. Einig seien sich die Vernehmlasser - und zwar in allen 21 Kantonen - aber auch darin, dass das Projekt in etlichen Punkten überarbeitet werden müsse.

Anfang April dieses Jahres hat die Erziehungsdirektorenkonferenz der deutsch- und mehrsprachigen Kantone (D-EDK) denn auch die Revisionsaufträge erteilt. «Alle Forderungen des Kantons werden bei der Überarbeitung berücksichtigt», schreibt der Regierungsrat in seiner Stellungnahme zum Auftrag.

Diese Forderungen nehmen im Übrigen auch etliche Kritikpunkte der SVP auf. So soll der Lehrplan im Umfang um 20 Prozent gekürzt werden. In verschiedenen Bereichen sei das Anforderungsniveau zu hoch und werde deshalb gesenkt.

Weiter sollen Lehrplanaussagen zu Haltungen und Einstellungen stärker darauf ausgerichtet werden, «Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich ein eigenes Urteil zu bilden». Und: Der Begriff «Gender» wird gestrichen.

Bis Ende dieses Jahres werde die Revision abgeschlossen sein und der Lehrplan den Kantonen zur Einführung übergeben, hält die Regierung fest. Über die Einführung werde Solothurn dann im Jahr 2015 entscheiden. Für «realistisch» erachtet der Regierung dabei eine Umsetzung auf das Schuljahr 2017/2018.

Keine hohen Einführungskosten

Der neue Lehrplan werde «enorme Kosten» auslösen, vermutet die SVP. Die Regierung indes erachtet den Aufwand für die Einführung des Lehrplans 21 als «verhältnismässig gering».

Dies vor allem deshalb, weil die Solothurner Reformanstrengungen der letzten Jahre bereits viele Aspekte des neuen Lehrplans vorweg genommen hätten. So baue etwa der Unterricht in der Mathematik und den Sprachen sowie die neu gestaltete Sekundarschule auf den im Lehrplan 21 geforderten Kompetenzen auf. Auch die Beurteilungen der Schülerinnen und Schüler sei auf eine kompetenzorientierte Beurteilung umgestellt worden.

«Die Volksschullehrpersonen sind für den Lehrplan 21 gut gerüstet», folgert die Regierung. Der Aufwand an zusätzlich nötiger Weiterbildung werde daher relativ gering ausfallen. Konkret beziffert die Regierung diesen auf jährlich 300 000 Franken, und zwar während drei Jahren.