«Er ist viel zu umfangreich, zu akademisch und zu ideologisch gesteuert», argumentiert Kantonsrat Roberto Conti. Nach dem Motto «weniger ist mehr» gelte es viel mehr Zeit zum Üben und Verinnerlichen des behandelten Stoffes einzuberechnen. Dies alleine garantiere, dass die Schulabgänger die lebens- und berufstauglichen Grundlagen, wie beispielsweise Lesen, Schreiben und Rechnen (einfache Dreisätze, Berechnung von Volumen, etc.) beherrschen.

Der gesamte Lehrplan sei zu sprachenlastig. «Der vom Lehrplan 21 vorgeschlagene Frühfremdsprachenunterricht bindet Ressourcen, die beispielsweise für solide Deutschkenntnisse und Realienunterricht nötig wären», kritisiert Conti. Verbreitete Defizite bei der Anwendung der Muttersprache Deutsch seien aber endlich ernst zu nehmen.

ICT als fächerübergreifendes Thema werde im Lehrplan 21 stark gewichtet, sagt Conti weiter. Der Staat respektive die Schule bekämen den Auftrag die Schüler zu moralischen Internet- und Mediennutzern zu erziehen. Moderne elektronische Kommunikationsmittel seien heute Realität. Die Schule könne sich ihnen nicht verschliessen. Gerade deshalb seien im IT-Bereich Führung durch den Klassenlehrer wichtig.

Schülern an ausgewähltem Thema Möglichkeiten der Nutzung moderner Medien zu zeigen, könne situationsgerecht wertvoll sein. «Moderne Medien- und Kommunikationsmittel sollen aber als Werkzeug verstanden werden.» Die ICT-Thematik zum Kernstück des Lehrplans 21 zu erklären, sei deshalb falsch. Selbst Lehrer würden eingehend davor warnen, der Schule und damit dem Staat immer mehr gesellschaftliche und soziokulturelle Verantwortung, wie beispielsweise die sehr umfassende und tiefgreifende Verantwortung im Umgang mit ICT und Medien, abzudelegieren. Die Erziehungsverantwortung würden die Eltern tragen.

Unübersichtlicher Lehrplan 21

In den Bereichen Mathematik, Natur, Mensch und Gesellschaft sei der Lehrplan 21 unübersichtlich, weltfremd und abgehoben. «Es sind solide und überprüfbare Grundlagen, aufgeteilt nach Fächern, zu vermitteln, die übersichtlich und praxistauglich dargestellt sind», fordert Conti.

Die Aufteilung in klassische Fächer wie Biologie, Chemie, Physik, Geographie oder Geschichte habe sich als übersichtlich, einfach verständlich und praxistauglich erwiesen. Es sei klar und übersichtlich festzuhalten, welcher Stoff, welches Grundwissen in welchem Schuljahr verbindlich zu vermitteln sei. Diese Fächer seien von akademisch-ambitiösem, oft auch moralisierend formulierten Zielen zu entlasten.

Umerziehungsmassnahmen

Für die SVP sollte sich die Volksschule auf die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten konzentrieren. Der Lehrplan 21 ersetze aber das Wissen durch «moralisierende staatliche Umerziehungsmassnahmen», hält die SVP fest. So sei es offensichtlich, dass es Schwulen- und Lesbenverbänden gelungen sei, ihre Anliegen im Lehrplan 21 zu verankern.

Conti zitiert ein Beispiel aus dem Lehrplan: «Schülerinnen und Schüler können sexuelle Orientierungen (Hetero- und Homosexualität) nicht diskriminierend benennen sowie Partnerschaft und Sexualität mit Liebe, Respekt, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung verbinden.» Aus Sicht der SVP dürfe die Schule aber nicht versuchen, Schüler «ideologisch zu formen, bzw. zu indoktrinieren oder umzuerziehen.»

Gender und Gleichstellung, sowie lebens- und sexualkundliche Themen seien deshalb komplett zu streichen. Dagegen sieht die SVP die freiheitlich-demokratische Gesellschaft und deren christlich-abendländische Grundlagen als vernachlässigt an.

«Vertherapisierung»

Der Lehrplan 21 ist aus Sicht der SVP auf die «Vertherapeutisierung der Schule» ausgerichtet. Der Lehrer werde zum reinen Stoffvermittler degradiert. Die vermittelte Schulbildung müsse viel mehr auf die Bedürfnisse der Berufswelt ausgerichtet werden, sagt Conti. Weiter sei der gesamte Lehrplan zu sprachenlastig. Der vorgeschlagene Frühfremdsprachenunterricht binde zeitliche Ressourcen. (mgt/szr)