Singbefehl

SVP-Kantonsrat will in Schulen die Landeshymne zum Obligatorium machen

«Swissness» ist in Mode. Die Solothurner Regierung möchte die Schulen aber trotzdem nicht verpflichten, regelmässig die Nationalhymne zu singen.Severin Bigler

«Swissness» ist in Mode. Die Solothurner Regierung möchte die Schulen aber trotzdem nicht verpflichten, regelmässig die Nationalhymne zu singen.Severin Bigler

SVP-Kantonsrat Roberto Conti will, dass an Solothurner Schulen künftig der Schweizerpsalm gesungen werden muss. Die Regierung ist skeptisch.

An Solothurner Schulen soll mindestens einmal pro Jahr die Nationalhymne an einem allgemeinen Schulanlass dargeboten werden. Dies fordert Kantonsrat Roberto Conti (SVP, Bettlach) in einem Parlamentsvorstoss. Damit soll «dem bereits fortgeschrittenen Identifikationsverlust in unserem Land» entgegengewirkt werden, schreibt Conti. Und weiter: «Man ist offenbar vermehrt bereit, die Geschichte, Kultur, Traditionen und Werte der Schweiz zurückzudrängen und fremde Kulturen bevorzugt zu zelebrieren. Die ‹Einheitsbrei-Gleichmacherei-Mentalität› hat offenbar auch in der Schule Einzug gehalten.»

Der Regierungsrat hält Contis Engagement in Bezug zum Schweizerpsalm – zumindest im Grundsatz – für nachvollziehbar: «Wir haben ein offenes Ohr für dieses Anliegen, zumal der ‹Schweizerpsalm› nicht nur an patriotischen Feiern und Volksfesten gesungen wird, sondern auch national und international im Sport eine wichtige Rolle spielt. Die Nationalhymne ist und bleibt ein Ritual, das unseren Zusammenhalt und unsere Zugehörigkeit zur nationalen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt», schreibt die Regierung in ihrer Stellungnahme zum Vorstoss.

Nationalhymne Schweiz mit deutschem Text

Nationalhymne Schweiz mit deutschem Text

Die Schulen sollen entscheiden

Im Lehrplan 21, der ab kommendem Schuljahr stufenweise umgesetzt und im Jahr 2021 ganz eingeführt sein wird, ist der Schweizerpsalm, der von Alberich Zwyssig und Leonhard Widmer komponiert wurde, lediglich als Beispiel für ein «kulturell wichtiges Lied» in Klammern erwähnt. Ob die seit 1981 offizielle Landeshymne in den Unterricht einbezogen wird oder nicht, liegt aktuell bei den Schulen.

Insgesamt empfiehlt der Regierungsrat dem Kantonsparlament, den Auftrag abzulehnen – dies, um Überregulierungen zu verhindern. Der Regierungsrat resümiert als abschliessendes Fazit: «Die Eigenart und Zusammengehörigkeit lassen sich besingen und damit festigen, herbeisingen lassen sie sich aber kaum.

Der Auftrag verlangt mit der Aufnahme der Nationalhymne als obligatorisch anzueignendes Liedgut einen inhaltlichen Eingriff in den Lehrplan 21 und in den Lehrplan Gymnasium des Kantons Solothurn, der weder angezeigt noch sinnvoll ist.» Wie der Kantonsrat dem Vorstoss gegenübersteht, ist noch offen.

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