Mann und Frau
SVP-Kantonsrat: «Diesen Gender-Zauber braucht es nicht»

SVP-Kantonsrat Peter Linz aus Büsserach findet, die Regierung solle Bestrebungen zur Gleichstellung aufgeben. Weshalb erzählt er im Interview.

Lucien Fluri
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«Es sollte Gleichstellungsbüros für Männer geben», sagt Peter M. Linz,, SVP-Kantonsrat aus Büsserach.

«Es sollte Gleichstellungsbüros für Männer geben», sagt Peter M. Linz,, SVP-Kantonsrat aus Büsserach.

zvg/key

Er hat etwas Farbe in den Kantonsrat gebracht, seit er im Mai nachrückte. SVP-Mann Peter M. Linz (Büsserach) ist mit 71 der älteste Vertreter im Rat. Und der frühere Notar ist einer, der nichts von «Mainstream» hält. Linz hat seine eigene Meinung. Klar ist: Mit seiner ersten Interpellation wird er für Diskussionen – und wohl auch rote Köpfe sorgen.

Der Kantonsrat und passionierte Leserbriefschreiber hat sich ans Thema Gleichberechtigung gewagt. Am Telefon ist er sofort auf Zack: Linz kann sich grässlich über moderne Genderpolitik und neuste wissenschaftliche Erkenntnisse aufregen.

Peter M. Linz, Artikel 8 der Bundesverfassung regelt die Gleichstellung von Mann und Frau. Sie bezeichnen den Artikel als Werk von «Aktivistinnen». Was ist falsch am Artikel?

Peter M. Linz: Der Artikel ist richtig. Aber die Frage ist doch, was daraus gemacht wird. Da wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Diesen ganzen Gender-Zauber, den uns Feministinnen von der UNO gebracht haben, braucht es doch nicht.

Wenn man Ihren Vorstoss liest, hat man das Gefühl, dass Sie Frauen zurück an den Herd schicken wollen.

Das ist doch typisch Mainstream-Presse. Ich will nur eine vernünftige Politik, was die Geschlechter anbelangt. Schauen Sie die Genderforschung heute an: Das hat gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Diese Pseudoprofessorinnen wollen die Aufhebung der Geschlechter. Sie sagen, man komme ohne Geschlecht auf die Welt, das werde erst anerzogen. Das stimmt doch nicht. Trotzdem geben wir Millionen für diesen Zauber aus.

Sie nerven sich, wenn man von Studierenden spricht statt von Studenten?

Studierende ist ein Partizip Präsens. Das sind solche, die immer am Studieren sind. Lächerlich. Das sollten auch Deutschlehrer wissen. Aber die sagen das nicht, um politisch korrekt zu sein. Auch Radio und Fernsehen machen mit. Aber dort arbeiten ja alles Leute, die diejenigen Frauen belächeln, die zu Hause bleiben. Dass in einem Amtsblatt immer noch zusätzlich die weibliche Form stehen muss, ist Zeit- und Geldverschwendung, z.B. bei Vertreter und Vertreterinnen.

Sie sind ein Anhänger des traditionellen Rollenbildes?

Nein. Ich bin einfach dagegen, dass der Staat Umerziehung betreiben will. Das macht doch auch Frauen unglücklich. Mit Gleichstellungsbüros will man Frauen zwingen, technische Berufe auszuüben. Und Männer sollen Hebammeriche werden. Das geht doch nicht. Als meine Tochter klein war, habe ich Eisenbahn gespielt und mit ihr Segelflugzeuge gebaut. Das hat nichts genützt. Sie ist als weibliches Wesen geboren. Hören Sie mir auf mit der These, dass das Geschlecht anerzogen wird. Das erzählen nur Professoren, die viel Geld kosten. Man kommt in der Regel als Mann oder Frau auf die Welt.

Aber die Gesellschaft ändert sich doch und damit die Rollenmodelle.

Die Gesellschaft ändert sich, aber die Umpolung des Mannes zur Frau funktioniert nicht. Wenn ich morgens joggen gehe, sehe ich Frauen mit Kindern. In meiner Nachbarschaft arbeiten die Männer Vollzeit. Das alles wird negiert. Jetzt soll der Mann noch gezwungen werden, Kinder zu hüten. Solche Umerziehungsprogramme sind nicht Sache des Staates. Die Privilegierungen der Frauen sieht man nicht: AHV, Krankenkasse, Scheidungen. Es sollte Gleichstellungsbüros für Männer geben. Buben werden in der Schule benachteiligt.

Sie wissen, dass Ihr Vorstoss nicht politisch korrekt ist und für Aufruhr sorgen könnte?

Das ist mir egal.

Können Sie als Mann überhaupt sagen, was für Frauen gut ist?

Können dies die Feministinnen beim Bund, die Rollenmodelle pflegen, die nicht natürlich sind? Nicht einmal in Schweden funktioniert das.

Dann soll die Frau also doch zu Hause bleiben?

Überhaupt nicht. Ich sehe ein, dass es viele Probleme gibt und Frauen in den Arbeitsprozess integriert werden sollen. Aber Frauen sind selbst schlau genug. Sie können sich doch selbst wehren, sie sind ja gleich. Sie müssen nicht geschützt werden. Ich befürworte, dass Frauen – und Männer – , die in den ersten drei Jahren beim Kind zu Hause bleiben, nicht schlechter gestellt sein sollen als diejenigen, die ihre Kinder in die Krippe geben. Das ist doch Unsinn. Da verdient eine Frau Geld und gibt alles wieder für die Krippe aus.

Sie sind der einzige Unterzeichner der Interpellation. Fand sich niemand anderes in der SVP, der das Anliegen auch unterstützt hätte?

Nein, das war nur aus Zeitgründen. Ich bin sicher, dass ein Grossteil meiner Fraktion gleicher Meinung ist. Sonst überzeuge ich sie noch. (Lacht.)

Sie möchten die kantonale Gleichstellungskommission abschaffen. Aber es gibt doch zweifellos Hürden, die verhindern, dass Frauen in Führungspositionen kommen.

Wir müssen bremsen. Beim Staat werden Frauen gefördert. Alleinstehende Frauen erhalten beim Bund bei gleicher Qualifikation den Vorzug vor Familienvätern. Der Bundesrat hat keine anderen Probleme als eine Lohnpolizei, Frauenquoten und Teilzeitarbeit für Männer zu propagieren. Alles realitätsferne Dinge. Die angebliche Diskriminierung von Frauenlöhnen kann erklärt werden, weil viele Frauen entsprechende Berufe wählen oder Teilzeit arbeiten. Überhaupt kommt die Gleichstellung automatisch. Auch in der Politik gibt es immer mehr Frauen. Dabei interessiert das einen Grossteil der Frauen, da bin ich überzeugt, gar nicht. Ich muss sagen: Die Parlamentsarbeit ist manchmal auch langweilig. Viele Frauen hegen andere Präferenzen.

Auch Sie selbst scheinen sich manchmal im Parlament zu nerven?

Sie als Pressevertreter sitzen ja direkt hinter mir und sehen das. Ich bin unruhig. Ich kann nicht stundenlang zuhören. (Lacht.)