Wer im Kanton Solothurn wohnt, verunfallt eher in der Freizeit als bei der Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Solothurner im Heimatkanton einen Unfall hat, ist viel grösser als dass er sich anderswo im Mittelland verletzt. Dabei kommt es häufiger zu einer Verstauchung beim Fussball als zu einem Kreuzbandriss beim Skifahren. Das ist der Unfallstatistik der SUVA zu entnehmen. 

 Wir nehmen hier die Zahlen genauer unter die Lupe. Die herausgepickten Prozentzahlen der Statistik wurden proportional zur Bevölkerungsgrösse berechnet. Dabei konzentrieren wir uns auf Freizeitunfälle, da diese – übrigens in der ganzen Schweiz – viel häufiger sind als Berufsunfälle. So hatten 2016 6'700 Solothurner einen Berufsunfall, 13 000 verunfallten in der Freizeit. Wir betrachten zudem ausschliesslich die Bereiche der Statistik, in welchen der Kanton Solothurn weit vorne oder hinten liegt, und versuchen zu erklären, warum.

Risiko für Ballsportverletzung im Solothurnischen am höchsten

Was das Risiko für einen Unfall bei einer Ballsportart angeht, sind Solothurner die Spitzenreiter: 45 Prozent der Sportunfälle von Solothurnern ereignen sich beim Ausüben von Ballsport. So hoch ist das Risiko in keinem anderen Kanton. Fast zwei Drittel der Ballsportunfälle ereignen sich beim Fussballspielen. Bedeutet das, Solothurner sind die grössten Fussbalfans der Schweiz?

Gründe für die Unterschiede in den kantonalen Unfallstatistiken lassen sich nicht aus den Zahlen herauslesen. Dies betont auch Suva-Mediensprecherin Gabriele Hübscher. Man könne nur mutmassen. «Fussball scheint aber im Kanton Solothurn sehr populär zu sein», so Hübscher. Einerseits verunfallen Solothurner beim Fussball öfters als andere Schweizer, andererseits ist das Risiko für eine Fussballverletzung im Kanton auch höher als anderswo.

Weniger Unfälle auf den Skiern und auf dem Snowboard

Dass im Kanton das Risiko, beim Ballsport zu verunfallen, höher ist als in anderen Regionen, liegt teilweise auch daran, dass risikoreiche Wintersportarten im Solothurnischen kaum ausgeführt werden. Während die Bündner die Spitzenreiter sind, was Wintersportunfälle angeht, verunfallen Solothurner deutlich weniger häufig auf den Skiern oder auf dem Brett.

Im Kanton Solothurn einen Wintersportunfall zu haben, ist nicht sehr wahrscheinlich – schliesslich gibt es im Solothurnischen auch kein riesiges Skigebiet. Gleichzeitig haben Solothurner aber auch «auswärts» weniger Skiunfälle, was darauf schliessen lässt, dass sie weniger oft auf die Piste gehen als Bewohner anderer Kantone.

«Versicherte aus Flachlandkantonen haben tendenziell weniger Wintersportunfälle als Bewohner von Bergkantonen», sagt Hübscher. Dies liege auch bei den Solothurnern vermutlich daran, dass sie einen eher weiten Anfahrtsweg bis ins nächste grössere Skigebiet in Kauf nehmen müssten und deshalb etwas weniger Schneesport betreiben.

Sind Solothurner keine Wasserratten?

Zwar gibt es im Solothurnischen keinen grossen See, auf dem regelmässig Wettschwimmen stattfinden. Dafür aber die Aare, in der geschwommen und gerudert wird. Das Risiko, im Kanton Solothurn beim Wassersport zu verunfallen, ist dennoch geringer als in anderen Kantonen.

Das heisst, es passieren im Vergleich weniger Unfälle in Solothurner Gewässern als in anderen Seen oder Flüssen. Allerdings verunfallen Solothurner im Vergleich zu Aargauern oder Baslern etwa gleich häufig beim Wassersport.

Das könne bedeuten, dass Solothurner einfach öfter in anderen Kantonen Wassersport betreiben als im eigenen, sagt Suva-Sprecherin Hübscher. Die Solothurner scheinen ansonsten ihre Freizeit am häufigsten innerhalb der Kantonsgrenzen zu verbringen.

67 Prozent der Solothurner verunfallen im eigenen Kanton. Nur neun Prozent sind es im Rest des Mittellandes. Etwa ein Fünftel verletzt sich bei Freizeitaktivitäten in der restlichen Schweiz. Im Ausland haben Solothurner am wenigsten häufig einen Unfall: 2015 waren es nur rund fünf Prozent.