Sie stand ein Jahr lang mit viel Humor an der Spitze des Kantonsrats. Gestern leitete die höchste Solothurnerin, Susanne Schaffner, ihre letzte Kantonsratssitzung. «Mich dünkts, ich habe viele Reden gehalten», sagte die Oltner Juristin in ihrer Abschlussrede. «Meine 14-jährige Tochter hat mich gefragt, warum ich all diese Reden halte. Es sei verwunderlich, dass Erwachsene glauben, irgendjemand wolle ihre Reden hören.»

Susanne Schaffner, sind Sie geduldig?

Susanne Schaffner: Nicht wirklich, aber ich kann mich anpassen.

Man hatte manchmal das Gefühl, dass es Ihnen im Kantonsrat etwas zu langsam vorwärts geht.

Vor meiner Zeit als Präsidentin ist mir nicht aufgefallen, wie viele Wiederholungen es in der Debatte gibt. Kürzer wäre manchmal etwas prägnanter. Aber grundsätzlich hat mir das Amt gefallen.

Erhält man von dort oben eine neue Perspektive auf den Kantonsrat?

Ich habe viel intensiver zugehört, das gibt einen anderen Eindruck über gewissen Personen.

Ihre Tochter fragte Sie, wozu es Reden braucht. Wozu braucht es das Amt der Kantonsratspräsidentin gegen aussen – Sie halten ja vornehmlich Reden?

Um eine Verbindung zu schaffen zwischen der Politik und den Bürgern im Kanton. Das funktioniert sehr gut. Es ist ein Bedürfnis da, die Personen zu erleben, die man gewählt hat, die in der Regel aber sehr weit weg sind. Die Präsenz wurde sehr geschätzt. Damit Demokratie funktioniert, ist es wichtig, Wertschätzung für das Engagement in Vereinen und Organisationen zu zeigen und weiterzugeben.

Aber sind die Diskussionen im Rat nicht oft weit weg von der Bevölkerung?

Doch. Manchmal kommen die Leute mit ganz anderen Problemen auf einen zu. Es ist mir aufgefallen, dass man auch manches andere Problem hätte aufnehmen können als die, die wir besprochen haben.

Mit Ihnen und Esther Gassler standen zwei Frauen an der Spitze des Kantons. Hat sich das bemerkbar gemacht?

Wir haben uns sehr gut verstanden. Das wäre wohl auch bei einem Mann der Fall gewesen. Aber an vielen offiziellen Anlässen, die man besucht, sind fast nur Männer. Man geht zur Feuerwehr, zum Militär oder zum Zivilschutz. Ein kleines Gegengewicht ist da gut.

Welches war der Höhepunkt?

Rein vom Amt her war es die Verabschiedung der abtretenden Regierungsräte. Es war eine grosse Ehre, sie würdigen zu können. Und es war schön, den Kanton an der Olma zu vertreten.

Es gab ein neues Parlament: Was hat sich verändert?

Vor den Wahlen wurde viel auf die lange Bank geschoben. Mit dem neuen Kantonsrat ist es entspannter.

Wie geht es mit Ihrer politischen Karriere weiter?

Zum ersten Mal habe ich nach dem Kantonsratspräsidium und vier Jahren an der Spitze der Finanzkommission kein Präsidium mehr inne. Ich bin eine ganz normale Kantonsrätin.