Die neue Präsidentin, Susanne Schaffner, selbst musste an ihrem Festabend auf ihren Gatten Martin Schaffner verzichten, der zurzeit in den USA weilt. Als «Mann an ihrer Seite» hatte sie sich darum den ehemaligen Baselbieter FDP-Ständerat René Rhinow auserwählt: An der Uni Basel war sie einst Assistentin von Professor Rhinow gewesen.

Die erste Rede gebührte dem abtretenden höchsten Solothurner Christian Imark aus Fehren. Er erinnerte sich an einen langen Abend mitten in seinem Präsidialjahr, am 1. Juli, als ihn der Gigathlon nach Olten und zu Susanne Schaffner führte. In Gedichtform beschwor Imark die Stimmung «am Strassenfest in eurem kleinen Sozinest» herauf, «im Oltner Che-Guevara-Quartier das Strassenfest mit soviel Bier ...» Eine «Solothurner Bierbox», abgekürzt SBB, mit vielen Biersorten aus dem Kanton Solothurn, war Imarks Erinnerungsgeschenk.

Susanne Schaffner eine Wanderin

Landammann Peter Gomm, der früher mit Susanne Schaffner in ihrer Oltner Anwaltskanzlei gearbeitet hatte, hob hervor, dass sie sich für sozialen Ausgleich und den staatlichen Haushalt einsetze. Der Staatsrechtler Rhinow habe sie in einer gesellschaftsliberalen Haltung bestärkt - Verbote seien ihr zuwider. Gomm verriet als Erster, was schon viele beeindruckt hat: Susanne Schaffner sei eine Wanderin, der kein Berg zu hoch sei und die keinen rasch genug erwandern könne - eine echte Gipfelstürmerin. Gelegentlich blieben ihrer Mitwanderer auf der Strecke ...

Aus den Reden der fünf Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten im Kantonsrat vernahmen die Anwesenden Bekanntes und Unbekanntes über die neue höchste Solothurnerin. Fränzi Burkhalter (SP) lobte ihre Willenskraft und Beharrlichkeit, sie sei eine äusserst kritische Leserin von Vorlagen und Gesetzestexten. Herbert Wüthrich von der SVP, ein Vorgänger auf dem Präsidentenstuhl, gab Susanne Schaffner nicht nur eine «Alphorn Vuvuzela» (siehe Bild) mit ins Präsidialjahr, sondern auch ein SVP-Parteiprogramm.

«Sie kann ein totales ‹Viech› sein», war Barbara Wyss (Grüne) vor Jahren vorgewarnt worden; als Zimmergenossin an Skiweekends stellte sie dann fest, dass Susanne Schaffner schon um 7 Uhr morgens Protokolle las. Und auch ihre Kritikfreudigkeit blieb ihr nicht verborgen: «Wenn alle mit ihr einverstanden wären, würde sie selbst den Widerspruch dazu formulieren, sonst wäre es ihr ‹gschmuech›.» Fazit: «D Schaffner isch e Schaffere.»

Fraktionssitzungen ginge länger

FDP-Fraktionschef Yves Derendinger konnte sich sogar vorstellen, Schaffner in seiner Fraktion zu haben: «Dann hätten wir jemanden, der die Geschäfte gut vorbereitet - allerdings gingen dann auch die Fraktionssitzungen länger.» Sie sei aber auch eine leidenschaftliche Jasserin - vor allem mit Jasskarten mit weiblichen Figuren.

Seit Jahren sind die Reden von CVP-Fraktionschef Roland Heim der Geheimtipp der Solothurner Kantonsratspräsidentenfeier - dieses Jahr vielleicht zum letzten Mal. In seinen unnachahmlichen Versen porträtierte er Susanne Schaffner prägnant als «Mutter Courage» der Finanzkommission, ihre Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit: «Wenns ihrer Klientel a Chrage goht, denn gseht d Susann Schaffner rot.» Aber auch: «Wenn si vor Fiko das nit wott, denn sig das fasch chli wie vo Gott.» Der Kantonsrat ist gewarnt!

Die Gefeierte selbst dankte für so viel Wertschätzung und Vertrauen - und zwar auch ihrer Familie, die ihr ab und zu vor Augen führe, dass es auch andere Prioritäten gebe als die Politik. Als Solothurner Kantonsratspräsidentin des kommenden Jahres wolle sie vermitteln, «dass man halt in unserem politischen System des Ausgleichs nicht immer auf dem geraden Weg zum Ziel kommt, sondern dass manchmal eine Kurve mehr genommen werden muss, um dann doch eine befriedigende Lösung zu finden.»