Sparpaket

Stundenabbau trifft auch die Kantonsschulen

Je eine Lektion verlieren das Ergänzungsfach und das Unterrichtsmodul «Lernen am Projekt». (Symbolbild)

Je eine Lektion verlieren das Ergänzungsfach und das Unterrichtsmodul «Lernen am Projekt». (Symbolbild)

Auch die Kantonsschulen kommen nicht ohne Stundenabbau davon: Die Regierung hat definitiv beschlossen, welche Lektionen gestrichen werden. Es trifft Fächer, die auf das Studieren an der Uni vorbereiten.

Die Solothurner Gymnasiasten müssen sich mit weniger Unterricht zufriedengeben. Der Regierungsrat hat ihnen am Dienstag zwei Lektionen gekürzt und damit eine – bereits lange bekannte – Sparmassnahme definitiv umgesetzt.

Der Beschluss der Regierung trifft zwei Fächer: Je eine Lektion verlieren das Ergänzungsfach und das Unterrichtsmodul «Lernen am Projekt». Die Kürzungen treten auf das Schuljahr 2015/16 in Kraft. Die Regierung erhofft sich laut Massnahmenpaket so jährlich 280 000 Franken Einsparungen.

Warum trifft es diese beiden Fächer, in denen Fachthemen vertieft und das wissenschaftliche Arbeiten gelehrt wird? «Wir haben das Gefühl, dass wir trotz der Kürzung dieser beiden Lektionen fast genauso gut zum Ziel kommen», sagt Liliane Buchmeier, Abteilungsleiterin Mittelschulen beim kantonalen Bildungsdepartement. Basal wichtige Fächer wie Deutsch oder Mathematik würden nicht angetastet. Und da die beiden betroffenen Fächer interdisziplinär angelegt sind, sei der Lektionenverlust auf diverse Fachschaften verteilt.

«Gravierender Abbau»

Gar nicht glücklich über den Lektionenabbau sind die Kantonsschullehrer. Sie sprechen von einem «massiven» und «gravierenden» Abbau. «Dieser Eingriff macht das Gymnasium insgesamt weniger attraktiv», sagt Sabine Trautweiler, Präsidentin des Solothurnischen Kantonschullehrerverbandes. Ärgerlich ist für die Kantonsschullehrer insbesondere, dass die Mittelschulen seit Jahren nicht teurer geworden sind, jetzt aber trotzdem mitsparen müssen. «Die Kantonsschulen haben ihren Leistungsauftrag in den letzten 15 Jahren immer günstiger erfüllt», sagt André Müller, Präsident der Solothurner Sektion der Kantonsschullehrer. «Man sollte doch die Kostentreiber der letzten Jahre eruieren und dort sparen», sagt Müller.

Die Lehrer bedauern, dass es mit dem Ergänzungsfach (bisher 4, neu 3 Lektionen, angeboten nur im letzten Jahr vor der Matur) – und dem Lernen am Projekt (insgesamt 3 Lektionen über vier Jahre) gerade die Fächer trifft, die das selbstständige und wissenschaftliche Arbeiten, wie es an der Uni verlangt werde, fördern. «Die Sparmassnahmen treffen die Maturitätsschule so in zwei Kernelementen», sagt André Müller.

Gerade bei den Ergänzungsfächern habe dies Auswirkungen: Denn dort ist die Stundenzahl eben erst reduziert worden: Während bis vor zwei Jahren noch jeder Schüler zwei Ergänzungsfächer (insgesamt 6 Lektionen) belegen musste, besucht heute jeder Schüler nur noch ein Ergänzungsfach mit vier, bald aber drei Lektionen. Der Verlust des zweiten Ergänzungsfaches hat laut Müller bereits Folgen, zumal die Note im Fach für das Maturzeugnis zählt: Anspruchsvolle Fächer wie Philosophie oder Musik würden deshalb seltener oder gar nicht mehr gewählt und könnten dann wegen zu wenig Schülern auch nicht durchgeführt werden. So werde Philosophie, ein Fach, das eigentlich zum klassischen humanistischen Gymnasium gehört, derzeit am Gymnasium Solothurn gar nicht gelehrt, erklärt Müller.

Hauswirtschaft stark betroffen

Die beiden Lektionen sind nicht die einzigen, die auf dem Weg zur Matur wegfallen: Im Massnahmenpaket der Regierung findet sich weiter der Verzicht auf hauswirtschaftliche Wochenkurse am Gymnasium (3. Klasse). Diese Massnahme soll 300 000 Franken Einsparungen jährlich bringen.

Bereits im Mai hat die Regierung die Sparmassnahmen auf Stufe Sek P definitiv beschlossen. Dort hat sie die Biologie-Lektionen in der ersten Klasse von zwei auf eine Lektion reduziert und den Physikunterricht in der zweiten Klasse gleich ganz gestrichen, aber mit einer Lektion Mathematik kompensiert. Das Fach Hauswirtschaft wird in der Sek P von drei auf zwei Lektionen reduziert.

In der dritten Primarschulklasse wird die Anzahl Lektionen um eine Schulstunde pro Woche abgebaut. Weitere Reduktionen gibt es auf Stufe Sek E und B, etwa bei der Hauswirtschaft, den Wahlfächern oder beim Fach Berufsorientierung in der 3. Sek.

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