Wie glücklich sind eigentlich Herr und Frau Solothurner? Eine kühne Frage, doch die Zurich-Versicherung will eine Antwort gefunden haben. Und diese ist ernüchternd: Solothurn gehört zu den unglücklichsten Kantonen der Schweiz. Wir sind nicht nur unglücklich, sondern auch unglücklich, dass wir unglücklich sind. Zu diesem Schluss kommt der eidgenössische Glücksindex, den die Versicherung in Auftrag gegeben hat.

Um herauszufinden, wie zufrieden sich die Schweizer fühlen, sind 20 Milliarden Google-Suchanfragen ausgewertet worden. Der Fokus ist auf Faktoren wie Geld, Konsum und Gesundheit gesetzt worden. Zudem sind Statistiken zu Arbeit, Demografie und Kriminalität eingeflossen. Das Resultat: «Das Glück wohnt im Kanton Luzern», wie die Forscher sinnigerweise schreiben. Luzern ist der Kanton der Glückseligen, seine Bewohner sind mit sich im Reinen. Offenbar haben sie ein gesundes Verhältnis zwischen überschäumender Lebensfreude und übertriebener Angst gefunden. 19 Kantone sind untersucht worden, Solothurn landet abgeschlagen auf Rang 15. Im Tal der Griesgrämigkeit haben wir uns zwischen den Kantonen der Romandie eingenistet. In der Deutschschweiz sind nur noch die Stadtbasler unglücklicher.

Damit ist immerhin eines geklärt: Die Fasnacht taugt kaum zur Steigerung des Wohlbefindens. Der Fasnachtskanton Luzern liegt im Glücksindex an der Spitze; Solothurn und Basel, die denselben Titel beanspruchen, schmoren auf den hinteren Rängen.

Sozialhilfe und Scheidung

Uns Solothurnern, das zeigen zumindest die Google-Suchanfragen, mangelt es vor allem an Bildung und Sozialleben. Richtige Miesepeter sollen wir sein. Im Netz informieren wir uns gerne über die Vorzüge der Sozialhilfe und die Folgen einer Scheidung. Überhaupt ist die Angst, in Armut abzurutschen, bei uns besonders ausgeprägt.

Auch das noch! Dabei schmerzt die Solothurner Seele doch schon ordentlich. Die erste Horrormeldung erreicht uns im November 2013: Die meisten übergewichtigen Männer sind im Solothurnischen zu finden, heisst es in einer Studie der Uni Zürich. Ein tiefer Sozialstatus befördere den Bauchumfang. Das hätten wir ja noch gut verdauen können – ganz ohne Einnahme von Appetitzüglern. Ohnehin scheinen wir nicht geneigt, ein paar Pfunde zu verlieren: Wir googeln nur selten nach körperlicher Betätigung.

Dann, im Juni 2014, der nächste Schlag: Unsere totale Unterbelichtung wird entlarvt. Das Gehirnportal Memorado veröffentlicht ein Ranking der schlausten Kantone der Deutschschweiz. Laut dem selbst ernannten «Fitnessstudio für den Kopf» haben Solothurner einen durchschnittlichen Gehirn-Quotienten von 311. Auch wenn das Ranking kaum als repräsentativ bezeichnet werden darf: Wir liegen am Schluss der Liste, hinter den Intelligenzbestien aus den Nachbarkantonen.

Unsere Schwäche, unsere Stärke

Unser Leben wird Schritt für Schritt vermessen, und Laster lauern überall. Da dämmert es uns allmählich: Wir sind in einer jämmerlichen Verfassung. Das nagt am Selbstwertgefühl. Mühsam haben wir gelernt, dass alles so weiterlaufen würde wie bisher. «S isch immer eso gsy», wie es im Solothurner Lied heisst. Probleme, sollten diese mal nicht im Jurasüdfuss-Nebel verschwunden sein, lösen wir still und im Konsens. Wir mögen es harmonisch und angepasst. Schön behäbig eben. «Gäng wie gäng», sagen wir und klammern uns gern an die Verwaltung des Bestehenden.

Dabei hätten wir längst verstehen müssen, worauf es heutzutage wirklich ankommt: Wer es zu was bringen will, muss immer perfekter sein. Fitter, glücklicher, leistungsfähiger.

Was jetzt? Sollen wir etwa alle nach Luzern ziehen, weil das Leben dort besser ist? So ein Quatsch. Mit dem Glück ist das so eine Sache. Es macht das Leben behaglicher – ist allerdings so gar nicht geeignet, um in eine Rangliste gepresst zu werden. Wer entscheidet, was uns glücklich macht? Und überhaupt: Es scheint ziemlich absurd, in diesem Zusammenhang von «Wir» zu sprechen. Gerade im Kanton Solothurn, diesem verzettelten Gebilde, wo eine gemeinsame Identität nur schwer heraufbeschwört werden kann. Oder anders gesagt: Wo die Gemeinsamkeit darin besteht, verschieden zu sein.

Vielleicht lässt uns diese Heterogenität träge werden. Vielleicht ist Solothurn für ambitionierte Köpfe ein zähes Pflaster. Freuen wir uns trotzdem – weil wir unser Wohlbefinden aus einer vermeintlichen Schwäche ziehen: Wir lassen uns nicht kollektiv vorschreiben, was uns zufrieden machen soll. Glück ist immer das, was sich jemand gerade darunter vorstellt.

Krankenkassen im Ruin

Immerhin darf ohne Anmassung in der Wir-Form festgehalten werden: Nicht selten scheinen wir unser Wohlbefinden in einer deftigen Mahlzeit zu finden. Womit wir wieder bei den überflüssigen Pfunden wären. (Die These, dass wir gerade darum unglücklich sind, weil wir uns mit Zucker und Fett mästen, sei hier nicht weiterverfolgt. Das könnte uns ja schliesslich noch unglücklich machen.)

Mit dem bisschen Hirnschmalz, das uns noch bleibt, widmen wir uns der gepflegten Schlemmerei. Nur weil die Restschweiz beschlossen hat, sich mit Kohlsuppen und Laufbändern zu quälen, lassen wir uns nicht vom Body-Mass-Index regieren. Auch wenn Krankenkassen deshalb pleitegehen könnten. Tja, ihr Glücksdiktatoren und ausgemergelten Wesen da draussen, wir machen es euch leider nicht so leicht.