Stromversorgung

Strompreise bleiben 2019 im Kanton Solothurn stabil — in über 60 Gemeinden werden sie sogar billiger

Wer macht sich beim Staubsagen schon grosse Gedanken über den Strompreis? Mit rund 1000 Franken im Jahr muss man aber schnell mal rechnen.

Wer macht sich beim Staubsagen schon grosse Gedanken über den Strompreis? Mit rund 1000 Franken im Jahr muss man aber schnell mal rechnen.

Bei den Strompreisen im Kanton Solothurn gibt es dieses Jahr weniger Bewegung als auch schon. Im Durchschnitt sind sie stabil, in über 60 Gemeinden kommt man 2019 aber sogar günstiger weg als dieses Jahr.

Gesamtschweizerisch gibt es rund 650 Netzbetreiber, die das Land mit Strom versorgen. Sie alle müssen jeweils bis September der Regulierungsbehörde ElCom (eidgenössische Elektrizitätskommission) die Tarife für das nächste Jahr melden. Die Auswertung diesen Herbst ergibt: Der Strom wird gesamtschweizerisch auch 2019 wieder etwas teurer, aber nur um knapp ein halbes Prozent, letztes Jahr waren es noch zwei Prozent.

Im Kanton Solothurn kann man von konstanten Strompreisen sprechen. Über alle Anbieter resultiert im Durchschnitt ein Aufschlag um knapp 0,1 Prozent, vor einem Jahr waren es rund drei Prozent. Dabei steigt der Strompreis 2019 aber nur in 41 Gemeinden, in 66 Gemeinden werden Beleuchtung, Kochen, Staubsaugen, Waschen etc. sogar etwas billiger. Gar keine Veränderung gibt es in Fulenbach, ein besonderer Fall ist Lüsslingen-Nennigkofen, wo noch nicht feststeht, wer den Strom nächstes Jahr liefern wird.

Bei allen Zahlen in der Tabelle (siehe unten) handelt es sich allerdings nicht um verbindliche Preisangaben, sondern Modellrechnungen der ElCom. Der effektive Preis pro Kilowattstunde hängt bei vielen Anbietern auch von der Gesamtmenge und dem Zeitpunkt des Stromkonsums ab. Die hier verglichenen Preise basieren auf den Berechnungen für einen durchschnittlichen Haushalt mit Elektroherd und Tumbler, aber ohne Elektroboiler und mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden im Jahr.

Enorme Bandbreite

Daraus ergeben sich für einen solchen Haushalt im Kanton Solothurn bei einem Durchschnittspreis von 21,58 Rappen pro Kilowattstunde Stromkosten von 971 Franken pro Jahr, was rund fünf Prozent über dem landesweiten Durchschnitt liegt. 971 Franken im Jahr, 81 Franken im Monat: Das ist nicht die Welt, vergleicht man es zum Beispiel mit der Rechnung für die Krankenkassenprämien. Aber für manches Haushaltbudget dürfte es schon eine Rolle spielen, ob die Kilowattstunde 13,97 Rappen oder 24,65 Rappen kostet.

Diese enorme Spannweite von über 70 Prozent hat die Differenz im Kanton Solothurn zwischen dem tiefsten Strompreis in Neuendorf und dem höchsten in Biezwil und Lüterswil-Gächliwil: Im Bucheggberg kann der Stromverbrauch einen Durchschnittshaushalt mit über 1100 Franken im Jahr belasten, während man im Gäu mit unter 630 Franken davonkommt.
Beeinflussen liesse sich das nur durch einen Umzug, denn an den Stromanbieter am Wohnort sind Privatkunden gebunden.

Was in der Regel möglich ist: Einen billigeren Strommix mit einem höheren Anteil an fossiler und/oder Kernenergie zu wählen oder einen umweltfeundlicheren mit hauptsächlich erneuerbarer und Solarenergie, der dann auch etwas mehr kostet. Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf das jeweilige Standardprodukt, das meist bereits einen ökologischen Mehrwert liefert.

Weiter zu beachten: Wenn man gemeinhin vom Strompreis spricht, dann macht der Strom selbst, die elektrische Energie, nur einen Teil davon aus. Die anderen Komponenten sind die Netzkosten, Abgaben der Netzbetreiber an das Gemeinwesen und die Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien. Daher ist es auch möglich, dass sich die Tarife des gleichen Anbieters von der einen Gemeinde zur anderen unterscheiden können.

Strom selber wird wieder teurer

Wenn nun der Strompreis im Kanton Solothurn über alle Gemeinden gesehen minim steigt, in einer Mehrzahl der Gemeinden aber sinkt, dann dürfte das unter anderem auch darauf hindeuten, dass sich die Prognosen des grössten Anbieters im oberen Kantonsteil, der 27 Gemeinden versorgt, zu erfüllen beginnen: Die AEK hatte vor einem Jahr ihre deutlich überdurchschnittlichen Preiserhöhungen damit gerechtfertigt, dass man bereits mit dem Standardprodukt nur noch hundertprozentig erneuerbare Energie aus dem eigenen Kraftwerkpark des Mutterkonzerns BKW liefere. Dafür dürften sich die Konsumenten auf stabile Verhältnisse verlassen und seien weniger Preisschwankungen auf dem internationalen Markt ausgesetzt.

Aktuell verhält es sich so, dass die Beschaffungspreise für die Energie tatsächlich wieder steigen, während die anderen Preiskomponenten stabil oder leicht rückläufig sind. Und siehe da: Die Preise der AEK liegen 2019 zwar immer noch deutlich über dem kantonalen Durchschnitt, aber sinken. Auch bei der Elektra Birseck, die sämtliche Gemeinden im Schwarzbubenland versorgt, wird es minim billiger. Die Aare Versorgungs AG als dritte Grosse im Bunde, die 15 Gemeinden im unteren Kantonsteil beliefert, erhöht dagegen die Tarife. Mehr zahlen muss man auch in Solothurn und Olten, während in Grenchen die Preise der städtischen Werke für den Durchschnittverbraucher leicht nach unten zeigen.

Bei den kleinen Netzbetreibern zeigt sich kein einheitliches Bild. Bei den Gemeinden, die von der dorfeigenen oder einer kleinen regionalen Elektra versorgt werden, sind aber die in der Mehrheit, wo es nächstes Jahr teurer wird.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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