Fenergie AG
Strom-Tesla statt Verbrenner

Auf ein Kaffee mit... Markus Schedler, der mit einer exzentrischen Idee für Elektroautomobilität wirbt.

Urs Byland
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Markus Schedler setzt weniger auf öffentlichen Verkehr als auf den motorisierten Individualverkehr. «Aber bitte mit Elektromotor.» Hanspeter Bärtschi

Markus Schedler setzt weniger auf öffentlichen Verkehr als auf den motorisierten Individualverkehr. «Aber bitte mit Elektromotor.» Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Eigentlich ist Markus Schedler ein Wiederholungstäter in Sachen erneuerbare Energie. Oben auf der Stallflue, westlich von der Hasenmatt, würden heute Windräder drehen, hätte Schedler vor nicht einmal zehn Jahren Erfolg gehabt. Sein Projekt für eine Anlage mit einem 70-Meter-Rotor fand aber keine Akzeptanz. «Klar, man hätte das Windrad gesehen. Aber wenn man einmal etwas Besseres zur Energiegewinnung hat, ist ein Windrad ganz schnell wieder abgebaut, und man sieht nichts mehr.» Wer eine nachhaltige Energiegewinnung will, der müsse bereit sein, einen Preis dafür zu zahlen, sagt Schedler. Sei es mit dem Portemonnaie oder im Fall des Windrads mit dem gestörten Ausblick. Heute ist die Windenergie kein Thema mehr für ihn. «Ein Frust ohne Ende.»

Übrig blieb bei seinem Einsatz für die Windenergie die Firma Fenergie AG, die er jetzt wieder nutzen kann. Am 21. Juni werden die Leitplanken für die künftige Energieversorgung gesetzt. Markus Schedler hofft auf einen Vollerfolg mit der Annahme der Energiestrategie 2050. Der in Lommiswil lebende Ostschweizer mit Jahrgang 1961 schaut aber nicht einfach zu, was passiert. Er leistet selber einen Beitrag für eine Energiezukunft, wie er sie sich vorstellt – und vermietet einen Tesla, ein luxuriöses Elektromobil, an Neugierige und Interessierte.

Macher mit Sendungsbewusstsein

Mit seiner Idee musste er zuerst seine Frau überzeugen, viel Geld auszugeben. «Das war nicht einfach. Heute ist sie der grösste Fan des Elektroautos.» Markus Schedler reaktivierte seine alte Firma Fenergie AG, auf deren Internetseite man seinen Tesla mieten kann. «Das kostet weniger als in Zürich oder anderswo», vergisst er nicht, den geschäftlichen Aspekt zu erwähnen. Mit dieser Geschäftsidee will er nicht nur ideell punkten, sondern auch real. Denn nun könne er einen Tesla fahren und auf einen «Verbrenner» verzichten. Und sofort kommt er ins Schwärmen, wie Elektromobilität viele Probleme dieser Welt lösen könnte. «Anstatt Brennstoff aus Venezuela oder Saudi-Arabien hierher zu schippern und zu verbrennen, könnten wir hier mit vor Ort produzierter Solarenergie ökologisch und nachhaltig die Fahrzeuge mit Energie versorgen.»

Das Tesla-Mietmodell ist eine perfekte Verbindung von Business und Ökologie für einen Menschen wie Markus Schedler. Er ist ein Macher. 1984 gründete er mit zwei Partnern die Firma Dynasoft (33 Mitarbeiter), die beispielsweise «Kuhn Rikon» oder das «Läckerli Huus» mit Software versorgt. Und Markus Schedler hat ein «kleines» Stück Sendungsbewusstsein, wie er sagt. «Die Menschheit ist nicht so gut unterwegs, wie sie sollte. Wir müssen Schritte machen. Und, was mich am meisten stört, die Leute wissen zu wenig Bescheid über Elektromobilität.»

Zum Sendungsbewusstsein von Markus Schedler passt auch sein Einsatz in der Politik für die Grünliberalen. An Wahlen amtet er bescheiden als Listenfüller und ist dafür besorgt, dass andere auffallen. Etwa Nicole Hirt, gescheiterte Regierungsratskandidatin der Grünliberalen. Sie präsentierte den Tesla von Schedler an ihren Wahlkampfterminen und liess Interessierte zur Probe fahren.

Kein «Truckli»

Markus Schedler ist gerne mobil unterwegs. Auf ein Auto will er nicht verzichten. «Es bleibt einzig die Frage, wie häufig man das Auto verwenden will.» Und es bleibt die Frage, welches Fahrzeug man benutzen will. Schedler setzt auf Elektro. Er fuhr lange einen Twike, dieses verschalte, veloartige Gefährt mit Elektromotor. «Bis die Kinder hinten nicht mehr reinpassten.» Seine Leidenschaft für den Tesla wurde vor einem Jahr geweckt, als er erstmals das zukunftsweisende Auto aus Kalifornien fahren durfte.

Der Tesla sei kein «Truckli», wie bisher, kein Elektroauto, das im Alltag «nicht gebrauchbar» sei. Er weiss, dass die Herstellung eines Elektroautos mehr Ressourcen braucht als ein Verbrenner, wegen der Batterie. «Aber nach ein, zwei Jahren ist dieser Nachteil aufgeholt.» Und er weiss noch viel mehr zu seinem Tesla. Etwa, dass in Amerika welche unterwegs sind mit über einer halben Million gefahrener Kilometer, «und die Batterie ist noch dieselbe und kann immer noch auf 92 Prozent aufgeladen werden. Es gibt sogar die Theorie, dass die Batterie das Auto überlebt».

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