Energie
Strom für 70'000 Haushalte: Das Wasserkraftwerk Gösgen soll weitere 70 Jahre laufen

Strom für 70'000 Haushalte produziert das Wasserkraftwerk Gösgen. Nun soll das Recht zur Wassernutzung um 70 Jahre verlängert werden. Anfangs noch zu reduziertem Preis.

Lucien Fluri
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Energie-«Mekka» Gösgen: Alleine das Wasserkraftwerk liefert Strom, der für 70 000 Haushalte reichen würde.

Energie-«Mekka» Gösgen: Alleine das Wasserkraftwerk liefert Strom, der für 70 000 Haushalte reichen würde.

Bruno Kissling

Die Geschichte soll weitergehen: Seit mehr als 100 Jahren wird im Wasserkraftwerk Gösgen bereits Strom produziert. Und so dürfte es auch in den kommenden 70 Jahren bleiben. Der Regierungsrat will die dazu notwendige Konzession an die Alpiq Hydro Aare AG für diesen Zeitraum erneuern.

Kürzlich hat die Regierung deshalb das entsprechende Geschäft zuhanden des Kantonsrates verabschiedet. Strom, der für rund 70'000 Haushalte reichen würde, wird im Kraftwerk hergestellt. Genutzt wird die Wasserkraft auf der Strecke von der Strassenbrücke in Aarburg bis 250 Meter oberhalb der Strassenbrücke in Schönenwerd.

Um auch künftig eine Konzession zu erhalten, soll die Anlage jedoch an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden und muss neuen Anforderungen an die Ökologie sowie die Hochwasser- und Erdbebensicherheit gerecht werden. Sichtbar wird dies vor allem beim Wehr Winznau werden, wo der Wehroberbau ersatzlos abgebrochen wird und die Pfeiler verstärkt werden, um für den Fall eines Erdbebens besser gerüstet zu sein. Beim Wehr wird auch die minimale Wassermenge für die Restwasserstrecke, der alten Aare, deutlich erhöht, um ökologischen Forderungen gerecht zu werden. Am Oberwasserkanal werden teilweise die Dämme verstärkt.

Für den Naturschutz sind weiter auch Massnahmen an einzelnen Uferabschnitten vorgesehen. Im Obergösger Schachen sollen zusätzliche Weiher für Amphibien und Libellen geschaffen werden. Und nicht zuletzt wird beim Maschinenhaus des Wasserkraftwerks Gösgen für die flussaufwärts schwimmenden Fische ein naturnaher Bach vom Unterwasserkanal in die alte Aare erstellt. Der Gleisanschluss ans SBB-Netz und damit verbunden die Aarebrücke mit dem Fussgängerweg muss noch bis 2027, wenn die frühere Konzession ablaufen würde, in Betrieb gehalten werden.

Millionen für den Kanton

Die Konzessionsgebühr beträgt einmalig 1 Millionen Franken, wie es im Vertragsentwurf zwischen dem Kanton und der Alpiq heisst. Ab 2028 ist der volle Wasserzins, derzeit 110 Franken pro Kilowatt Bruttoleistung, zu entrichten, was jährlich 4,3 Millionen Franken ausmachen würde. Bis dahin soll ein reduzierter Wasserzins gelten, den die Regierung 2004 mit der Alpiq (damals noch Atel) festgelegt hat.

Demnach muss die Summe aus Wasserzins und Rückkaufsverzichtsentschädigung über 30 Jahre (1998–2027) betrachtet im Durchschnitt jährlich 3,1 Millionen Franken betragen. Dazu wurde für den Wasserzins ein reduzierter Ansatz festgesetzt, der bei 60 Franken pro kW für das Kanalkraftwerk und bei 80 Franken pro kW für die Dotierwasserturbine liegt. Damit liegen die Wasserzinsen heute viel tiefer, als sie später sein sollen.

Der Kanton verzichtet weiter auf das Heimfallrecht. Dafür soll die Alpiq jährlich einen «konstanten Sockelbeitrag» bezahlen und den Kanton zur Hälfte am Ertragsüberschuss des Kraftwerks partizipieren lassen. «Gegenüber früheren Heimfallverzichtsentschädigungen wird die Nutzung des Finanzpotenzials der Wasserkraft zugunsten der Kantone erhöht», heisst es. Weil das Kraftwerk auch den Kanton Aargau tangiert, erhält dieser jeweils 7 Prozent der Summen, Solothurn 93.

Die bisherige Konzession der Alpiq würde eigentlich bis 2027 dauern, sie wird auf Wunsch der Alpiq vorzeitig erneuert. Vier Einsprachen sind gegen das Projekt eingegangen, darunter vom WWF, der IG Velo Region Olten sowie der Einwohner- und der Bürgergemeinde Obergösgen. Diese sollen zu grössten Teilen erst im Nutzungsplanungsverfahren behandelt werden. Demnächst kommt die Vorlage noch in den Kantonsrat, der definitiv über die Konzessionserneuerung beschliesst.

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