FDP-Politiker und Geschäftsführer von Pro Natura Aargau Johannes Jenny setzt sich für den Naturschutz im Kanton Aargau ein. Für ihn stellt die hohe Anzahl verwilderter Katzen im Kanton Aargau ein Problem dar. Zum einen hat er Mitleid mit den Tieren, die an Krankheiten leiden, und zum anderen will er die Anzahl Vögel und anderer Tiere verringern, die diesen Räubern zum Opfer fallen. 

Das Gesetz erlaubt den Abschuss von streunenden Katzen. Jenny forderte nun, dass laut Gesetz verwilderte Katzen von Jägern abgeschossen werden müssen. «Wenn das ein guter Jäger ist, dann gibt das einen guten Schuss, und dann ist das ‹Büsi› gestorben», verkündet er im «Regionaljournal Aargau-Solothurn» von SRF.

Ein weiterer Vorschlag, den Jenny macht, betrifft gewöhnliche Hauskatzen. Diese sollen sich nach Forderung des Pro Natura-Politikers nicht weiter als 100 Meter von der Bauzone entfernen dürfen. «Ich habe jetzt einfach 100 Meter ab Bauzone genommen - vielleicht gibt es eine andere Formulierung, die der Situation gerecht wird», sagt er.

Verwilderte Hauskatzen im Kanton Solothurn

Im Kanton Solothurn gab es im Jahr 2014 acht Abschüsse verwilderter Hauskatzen. Mark Struch vom Amt für Jagd im Kanton Solothurn findet nicht, dass man aufgrund dieser kleinen Zahl «Druck ausüben» müsse, wie er gegenüber der Solothurner Zeitung sagt. «Katzen werden in gesundem Masse von den Jägern abgeschossen, damit es kein Theater mit Besitzern von Hauskatzen gibt. Für eine Familie ist das unschön, wenn das ‹Büsseli› abgeschossen wird», meint Struch.

Grundsätzlich gibt es aber trotzdem Probleme wegen den verwilderten Tieren - nicht nur wegen der Vögel oder Eidechsen, die die Katzen reissen. Verwilderte Katzen können sich nämlich mit der extrem seltenen Wildkatze mischen, die unter Schutz steht. «Aufgrund einer solchen Mischung kann wichtige Variabilität verloren gehen», erläutert Struch. Diese extrem seltene Art ist auch der Grund dafür, weshalb Jäger eher nicht auf rot getigerte Katzen schiessen, die der Wildkatze ähnlich sehen. So bleiben Tiere, die nicht eindeutig als verwilderte Hauskatzen zu identifizieren sind verschont, damit sicher keine geschützte Art abgeschossen wird.

Gleich wie im Kanton Aargau gilt im Kanton Solothurn: «Man hat die Möglichkeit, auf die Tiere zu schiessen», wie Struch sagt. Er findet aber nicht, dass man den Jägern vorschreiben sollte: «Ihr müsst!».

Auch wenn es um den Vorschlag geht, Hauskatzen nicht weiter als 100 Meter von der Bauzone entfernt streunen zu lassen, teilt der Solothurner Fachmann nicht die gleiche Ansicht wie der Aargauer Pro-Natura-Chef. «100 Meter - das klingt nach wenig. Eine Hauskatze braucht schon mehr Auslauf», gibt Struch zu Bedenken und meint, man sollte in der ganzen Sache «den gesunden Menschenverstand» benutzen.