Teseq
Stresssituation: Störsignal gefällig? – Ja, bitte!

Die Luterbacher Firma Teseq erhielt den Unternehmerpreis des Swiss Economic Forum. Die Geräte von Teseq kommen in Entwicklungsabteilungen, Testlabors oder Hochschulen zum Einsatz.

Andreas Toggweiler
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Teseq-Chef Johannes Schmid in der Montagehalle in Luterbach.

Teseq-Chef Johannes Schmid in der Montagehalle in Luterbach.

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Wenn der Mixer oder die Modelleisenbahn plötzlich für ein Ameisenrennen auf dem Flatscreen sorgen, ist das zwar ärgerlich, tut aber niemandem weh. «Stellen Sie sich aber vor, das automatische Stabilitätssystem eines Autos löst in voller Fahrt plötzlich eine Vollbremsung aus, weil die Elektronik gestört wurde. Das kann ein Menschenleben gefährden.»

Mit diesem Beispiel illustriert Teseq-Chef Johannes Schmid die zunehmende Bedeutung von Geräten, die das Verhalten von elektronischen Baugruppen in «Stresssituationen» messen beziehungsweise solche Situationen simulieren. Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) heisst das Stichwort.

Die Geräte von Teseq kommen in Entwicklungsabteilungen, Testlabors oder Hochschulen zum Einsatz. Kein Automobilzulieferer kann heute auf ein Zertifikat verzichten, das belegt, dass seine Baugruppen die diversesten EMV-«Stresstests» bestanden haben. Und ist ein Gerät fertig zusammengebaut, ist vom Hersteller zu belegen, dass auch das Ensemble robust ist gegen elektrische und magnetische Impulse. Und es sollte auch selber keine solchen aussenden, die anderen Apparaten gefährlich werden können. Verschiedene Gütesiegel, beispielsweise das CE-Label, verlangen heute solche Nachweise.

Entladungen werden schnell gefährlich

Es muss nicht immer ein Blitzschlag sein. Elektrostatische Entladungen, wie sie bei trockener Luft oder Gewitterlagen für knisternde Spannung sorgen, werden insbesondere integrierten Schaltungen rasch gefährlich. «Und in Autos werden heute dutzende Steuergeräte und Elektromotoren in allen Grössen eingebaut. Sie können potenzielle Störquellen sein», erklärt Schmid.

Weil es immer mehr zu messen und zu simulieren gibt, können die Teseq-Geräte der neusten Generation computergesteuert ganze Testprozeduren automatisch abwickeln. Statt herumzustöpseln, können sich die Entwicklungsingenieure einer neuen Herausforderung widmen.

Firma wurde vor sechs Jahren neu aufgebaut

Eine Herausforderung war es auch, als der ehemalige Schaffner-Manager Johannes Schmid vor sechs Jahren zusammen mit einem Investor und weiteren Kadermitgliedern den arg defizitären Geschäftsbereich der Division Testsystems von Schaffner übernommen hat. Während einer zweijährigen Start-up-Phase wurde die Firma unter neuem Namen von Grund auf neu aufgebaut. Teile der ausgelagerten Produktion wurden zurückgeholt nach Luterbach und ein neues Produktesortiment entwickelt.

Heute arbeiten 45 Personen in einem ehemaligen Schaffner-Gebäude. Sie entwickeln und montieren die Testgeräte nach Spezifikationen der Kunden und organisieren den weltweiten Verkaufssupport. Die Elektronikplatinen ihrerseits werden durch Zulieferer bestückt. Teseq beschäftigt inzwischen weltweit 200 Personen.

«Unsere Stärke ist, dass wir durch 14 Niederlassungen in 9 Ländern sehr nahe bei unseren Kunden sein können», erklärt Schmid. Denn Teseq macht ein spezialisiertes Nischenprodukt, das einen engen Dialog mit den Anwendern erfordert und eine umfassende After-Sales-Betreuung für die Kalibrierung der Geräte. Dies ganz im Gegensatz zur einstigen Mutterfirma Schaffner, welche Bauteile für die Massenproduktion herstellt. «Die beiden Produkte erfordern völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle», erklärt Schmid.

Der grösste Teil wird exportiert

99 Prozent der Geräte gehen in den Export. Nebst Luterbach ist Berlin ein wichtiger Produktionsstandort. Dort werden die Messgeräte für den Hochfrequenzbereich (HF) gebaut. Die steigende Bedeutung dieses Segments (Anwendungsbereich Mobilfunk, WLAN, Telekommunikation, Satelliten etc.) veranlasste Teseq Ende 2011 zum Kauf der Firma Milmega, einer englischen Produzentin von Hochfrequenz-Leistungsverstärkern. Damit sei man global vom fünften auf den zweiten Platz vorgestossen. Für den Sommer sei eine weitere Akquisition in einem ähnlichen Segment in den USA geplant, stellt Schmid in Aussicht.

Der kontinuierliche und erfolgreiche Aufbau der Firma brachte schliesslich die Jury des Swiss Economic Award auf den Plan. Das zwölfköpfige Gremium nahm einen Augenschein in Luterbach. Was sie sahen und hörten, überzeugte sie. Teseq erhielt am Swiss Economic Forum einen Preis für das Start-up des Jahres im Bereich Hightech/Biotech zuerkannt. Die 25000 Franken Preissumme will Schmid in die Produktinnovation stecken, etwas für wohltätige Zwecke spenden, «und ein anständiges Betriebsfest muss natürlich auch noch drinliegen», lacht er.