Matura-Streiche laufen nicht immer so, wie sich die Schulleitung das vorstellt. Manche enden als wilde Feier, andere beschäftigen den Schulabwart noch Tage später oder führen sogar zu Sachbeschädigungen. Trotzdem sind sie kaum wegzudenken: Maturanden spielen den Lehrern und jüngeren Schülern in den Morgenstunden ihres letzten Schultags traditionsgemäss einen Streich. Und nicht selten lassen sie sich dabei etwas Ausgefallenes einfallen – naturgemäss ohne Vorankündigung.

So sorgten Maturanden an der Kantonsschule Solothurn vor drei Jahren für Lacher, als sie die Eingangshalle mit Zeitungspapier verklebten. Selbst eine Konrektorin sprach danach von «positiven Reaktionen».

Doch mittlerweile ist die Schulleitung nicht mehr gut auf Matura-Streiche zu sprechen. Schon vor Wochen kam es zum Eklat: Rektor Stefan Zumbrunn liess den Maturanden schriftlich mitteilen, dass am letzten Schultag «keine Überraschungsaktionen mehr geduldet werden». Der Sinn dieser langen Tradition gerate nämlich zusehends in Vergessenheit. Zumbrunn versteht darunter eine «durchaus lustige und humorvolle, aber stets würdige und respektvolle Verabschiedung».

Der Reiz des Verbotenen

Was im vergangenen Jahr passierte, will die Schulleitung künftig verhindern. Wände und Kleider wurden mit Farbe beschmiert, Eltern zeigten sich wie Schülerinnen und Schüler erbost. «Das können wir in diesem Mass nicht mehr akzeptieren», sagt Zumbrunn auf Anfrage. Anders klingt es bei ehemaligen Schülern, die am vergangenen Matura-Streich beteiligt waren. Sie relativieren die Darstellung der Schulleitung. Geplant gewesen sei damals lediglich eine «heitere Farbparty».

Die Maturanden bewarfen Schüler, Lehrer und Angestellte mit gefärbtem Wasser. «Wir wählten bewusst eine gut auswaschbare Farbe», erinnert sich eine der Beteiligten. Tatsächlich hätten einige dabei ein wenig übertrieben, «aber alles im Rahmen des Üblichen». Denn nicht zuletzt aus Erzählungen wisse man, dass Matura-Streiche früher noch derber gewesen seien.

Der Reiz des Verbotenen, die Ablehnung von Autoritäten und Matura-Streiche sind nichts Neues – das zeigt bereits ein Blick in das Zeitungsarchiv. Schon in den 1960er-Jahren sorgten die Streiche für Zoff zwischen Schülern und Schulleitung. Genauso alt ist die Diskussion über den drohenden Sittenzerfall. Dessen ist sich auch Rektor Zumbrunn bewusst. 

Kantonsschule Olten: «Wir sagen, was möglich ist»

Auch an der Kantonsschule Olten feiern die Maturanden an ihrem letzten Schultag. Die Tradition habe sich hier jedoch anders entwickelt als in Solothurn, sagt Rektorin Sibylle Wyss. Die Schüler organisieren am Vormittag beispielsweise Spiele oder kleinere Aufführungen. Auch dabei kommt es laut Wyss von Zeit zu Zeit zu «Neckereien gegenüber jüngeren Schülern und Lehrern».

Die Maturanden wählen ein Organisationskomitee, das für die Schulleitung als Ansprechpartner dient. Wyss: «Wir sagen, was möglich ist und wo die Grenzen liegen.» So werde während der Aufführungen etwa der Zugang zu den Klassenzimmern eingeschränkt. Nennenswerte Vorfälle wurden in den vergangenen Jahren keine bekannt. (sva)

Von einem totalen Verbot oder einer Kollektivstrafe will er deshalb nichts wissen. Eine Verabschiedungszeremonie, wie es die Schulleitung nennt, soll auch in diesem Jahr möglich sein: «Wir suchen gemeinsam mit den Beteiligten nach einer Form, die den ursprünglichen Sinn – nämlich dem ‹sich verabschieden› – wieder nahe kommt.» Die Maturanden können dafür Vorschläge bei der Schulleitung einreichen.

Überraschungen ausgeschlossen

Allerdings: Der letzte Schultag bleibt künftig tabu. Die Maturanden sollen an dem Tag nur noch für die Abschlussfeier in die Schule kommen. Und die Aktionen der Schüler müssen vorab von der Schulleitung genehmigt werden. «Mit einem Matura-Streich hat das nicht mehr viel zu tun», sagt der Schüler einer Abschlussklasse. Der Überraschungseffekt werde so hinfällig.

Liegt es nicht in der Natur eines Streiches, dass er im Vorfeld nicht angekündigt wird? Selbst nach der Genehmigung würde einzig die Schulleitung darüber Bescheid wissen, hält Stefan Zumbrunn dagegen. «Es geht um sechs Personen, und diese werden die Pläne der Maturanden nicht ausplaudern.» Wie die Maturanden auf die Regeln der Schulleitung reagieren, wird sich im Juni zeigen. Schon in der Vergangenheit liessen sich diese jedoch kaum komplett durchsetzen. Zu gross war am Ende wohl der Reiz für die Maturanden, sich mit einem Streich von der Schule zu verabschieden.

Wie feierten Sie ihren Abschluss? An welche Maturanden-Streiche mögen Sie sich erinnern? Schreiben Sie es uns ins Kommentarfenster!