Kriminalstatistik
Straftaten gehen zurück – die Solothurner bewaffnen sich

Im Kanton Solothurn hat die Polizei 2016 im Vergleich zum Vorjahr 11 Prozent weniger Straftaten registriert. Auch die Zahl der Einbrüche ging um 19 Prozent zurück. Es gab jedoch mehr Delikte gegen die sexuelle Integrität sowie gegen Leib und Leben.

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Die Polizei verzeichnete 2016 weniger Einbrüche. (Symbolbild)

Die Polizei verzeichnete 2016 weniger Einbrüche. (Symbolbild)

Thinkstock

Die Solothurner sollten sich sicher fühlen: Im letzten Jahr gab es im Kanton so wenige Einbrüche wie noch nie, seit man 1992 die heutige Zählung begonnen hat. «Die Einbrüche sind um 19 Prozent zurückgegangen. Das ist der tiefste Wert seit 1992», erklärte Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei, als er gestern die Kriminalstatistik 2016 präsentierte. Bereits im Jahr zuvor, 2015, war die Zahl der Einbrüche um 18 Prozent gesunken.

Schwerpunkt Menschenhandel

50 Straftaten hat die Polizei im Bereich Menschenhandel aufgedeckt. Das sind 40 Prozent der 125 schweizweit in diesem Bereich festgestellten Taten. Ist Solothurn besonders von Menschenhandel betroffen? Die hohe Zahl liegt eher daran, dass die Kapo bewusst in diesem Bereich ermittelt hat. Wenn die Polizei nicht von sich aus aktiv werde, gebe es auch keine Fälle, die aufgedeckt werden, so Kripo-Chef Urs Bartenschlager. «Im Bereich Menschenhandel kommt keine Person vorbei und macht eine Anzeige.» Die Ermittlungen seien schwierig. «Es braucht sehr viel Zeit und Ressourcen.»

So sind etwa Dolmetscher nötig, um Dokumente zu übersetzen oder Befragungen, etwa auf Thailändisch, durchzuführen. «Aber das Ziel ist klar: Wir wollen keinen Menschenhandel im Kanton.» Ob der Kampf gegen den Menschenhandel auch künftig ein Schwerpunkt der Solothurner Polizei bleibt, darauf wollte sich Kapo-Kommandant Thomas Zuber nicht festlegen. Die Ressourcen seien begrenzt, es könnten nur einige wenige Schwerpunkte gelegt werden. Je nach Aktualität könne sich ein anderes Thema aufdrängen. Inzwischen hat es auch schon erste Verurteilungen aufgrund der Ermittlungen der Kantonspolizei in den vergangenen Jahren gegeben. (lfh)

«Der Kanton ist sicherer als in den Vorjahren», zog Zuber Bilanz. Denn neben den Einbrüchen sind auch die Delikte im Bereich des Strafgesetzbuches zurückgegangen: Sie sind um 12 Prozent auf noch 14 133 Delikte gesunken (Vorjahr: 16 018): Im interkantonalen Vergleich sei dies die – prozentual gesehen – dritthöchste Abnahme, so Zuber. Und auch bei der Aufklärungsquote kann die Polizei einen «Höchstwert» vermelden: Bei 39,8 Prozent der Delikte wurde der Täter ermittelt.

Viel mehr Waffenbesitzer

Konkret gab es 2016 1205 Einbrüche. Das sind gerade noch halb so viele wie 1993, als man mit 2405 Einbrüchen den Höchststand zählte. Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalabteilung, führt den Rückgang auf die Schwerpunktsetzung im Polizeikorps zurück. «Wir haben viel Kapazität ins Thema gesteckt.» Von Präventionsarbeit in der Bevölkerung über die Verbesserung der Zusammenarbeit mit anderen Korps bis hin zu einer höheren Polizeipräsenz.

Beste Chance, Einbrecher zu erwischen, hat die Polizei, wenn die Bevölkerung verdächtige Vorkommnisse meldet. «Es braucht aber eine hohe Patrouillendichte, um rechtzeitig vor Ort zu sein», so Zuber. Dies wiederum binde viele Ressourcen. Seinen Einsatz leistet das Korps mit einem Polizist pro 595 Einwohner. Schweizweit kommt im Schnitt ein Polizist auf 452 Einwohner.

Doch obwohl die Polizei rekordtiefe Einbruchszahlen vermeldet, fühlen sich die Solothurner offenbar nicht allzu sicher. Das lässt zumindest der Wunsch der Solothurner nach Waffen vermuten. Auch dazu veröffentlichte die Polizei gestern Zahlen: 1349 Waffenerwerbsscheine hat sie 2016 nämlich ausgestellt, 263 mehr als im Jahr zuvor. Markant gestiegen ist auch die Zahl der Waffenbesitzer im Kanton: 7214 Solothurner besitzen mindestens eine Waffe. Das sind 680 mehr als noch 2015. 2012, so Zuber, waren es erst 5097. 2011 gar nur 4538.

«Wir versuchen auf verschiedenen Wegen zu kommunizieren, dass der Kanton sicher ist», sagte Zuber. «Wir hoffen, dass das Gefühl, dass man sich nicht sicher fühlt, mit der Zeit zurückgeht.» Urs Bartenschlager vermutet, dass der Anstieg der Waffen auch auf die europaweite Sicherheitslage zurückzuführen ist. Terroristische Anschläge würden das allgemeine Sicherheitsempfinden beeinflussen.

Ausreisser im Gäu und Thierstein

Erstmals liegt der Kanton mit 53 Straftaten pro 1000 Einwohner (Vorjahr: 60) unter dem nationalen Schnitt. Nicht überall allerdings sind die Straftaten gesunken: Im Gäu und im Thierstein ist die Zahl der Straftaten pro 1000 Einwohner 2016 gestiegen; im Gäu um 6 Prozent, nachdem sie im Jahr zuvor um 17 Prozent zurückgegangen war.

«Jugendpolizei ist ein Erfolgsmodell»

Zehn Jahre alt wird die Jugendpolizei des Kantons dieses Jahr, «und sie ist nicht mehr wegzudenken», sagte gestern Kripo-Chef Urs Bartenschlager bei der Präsentation der Kriminalstatistik. «Sie ist ein Erfolgsmodell.»

Seit 2007 ist die Jugendpolizei im Einsatz, zuerst mit 8, inzwischen mit 9 Mitarbeitenden. Wichtig sei, so Bartenschlager, dass Jugendliche nach einem Vergehen schnell eine Reaktion erhielten und ihr falsches Handeln spüren. «Das wurde erreicht.»

Während die Themen ursprünglich Gewalt und Drogen waren, gehe es heute schwergewichtig um Cybermobbing und Sexting. Als Dauerthema geblieben ist der Alkohol. Gemeinsam mit der Suchthilfe führt die Jugendpolizei jährlich über 350 Präventionsveranstaltungen an Schulen durch.

«Die Polizei ist näher bei den Jugendlichen, was Vertrauen schafft», so Bartenschlager. Einige Erfolge listete der Kripo-Chef gleich auf: Die Anzahl beschuldigter Jugendlicher ist seit 2008 von 504 auf 275 gesunken. Für Lehrer und Schulen sei die Jugendpolizei inzwischen «erste Anlaufstelle» bei Fragen.

In zehn Jahren hat die Jugendpolizei über 2000 Beratungsgespräche geführt, 21 000 Präventionsstunden und 2550 Kontrollen durchgeführt und 750 Jugendliche gesucht, die verschwunden oder abgehauen sind. (lfh)

«Das ist eine normale Schwankung», sagte Bartenschlager. Im Thierstein stieg die Zahl der Straftaten pro 1000 Einwohner um 22 Prozent. Bartenschlager führt dies auf 21 zusätzliche Einbrüche zurück. Weil jeder Einbruch gleich zu drei Einträgen in der Kriminalstatistik führt (als Sachbeschädigung, Diebstahl und Hausfriedensbruch), habe sich dies bei 14 403 Einwohnern im Bezirk in der Statistik sehr deutlich ausgewirkt, so Bartenschlager. In den übrigen Bezirken sanken die Straftaten pro 1000 Einwohner überall.

Schlaglicht auf Aufklärungsquote

Während die Aufklärungsquote gesamthaft fast 40 Prozent beträgt, wurden 2016 nur 14,4 Prozent der Einbrüche aufgeklärt. Damit liegt die Kantonspolizei im Schweizer Schnitt (15 Prozent). Zu reden gegeben hat in den letzten Tagen ein Artikel der «Sonntagszeitung».

Demnach hatte Solothurn zwischen 2009 und 2015 bei Einbrüchen die schweizweit tiefste Aufklärungsquote mit 8,4 Prozent. Es habe in den vergangenen Jahren einige «Hänger» gegeben, sagt Zuber. Dass sich die Aufklärungsrate nun verbessert habe, hänge auch mit den zusätzlichen Ressourcen zusammen, die im Bereich Einbrüche eingesetzt worden seien. Und andererseits liege es auch an der Tatsache, dass die Zahl der Einbrüche insgesamt zurückgegangen sei. Dann steige auch die Aufklärungsquote.

Die Einbruchprävention soll ein Schwerpunkt bleiben. «Diese tiefen Zahlen zu halten, ist jetzt eine grosse Herausforderung», sagte Zuber. Er ist überzeugt: Auch harte Gerichtsurteile halten die Abschreckung hoch. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat im vergangenen Jahr mehrere Urteile erreicht, bei denen gerade Kriminaltouristen härter angefasst wurden und bei Einbrüchen mehr als ein Jahr Gefängnis erhielten.

Besonders ein ging der Kapo-Kommandant noch auf den Fall des 12-jährigen Knaben aus Gunzgen, der entführt, dann aber in Deutschland befreit werden konnte. «Wir sind stolz auf die Leistung in diesem Fall. Es zeigt, dass auch ein mittelgrosses Korps mit Engagement in der Lage ist, einen solchen Fall zu lösen.»

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