Banken
Steuerstreit: Gerät die Region ins Visier der US-Justiz?

Der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz um Schwarzgelder zieht immer weitere Kreise. Selbst mehrere Kantonalbanken sind in den Strudel geraten. Schwappt nun der Streit auch auf unsere Region über?

Franz Schaible
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Die BEKB und die Valiant verzichten weitgehend auf US-Kunden. bar/tg

Die BEKB und die Valiant verzichten weitgehend auf US-Kunden. bar/tg

Die Regiobank Solothurn unterhält Geschäftsbeziehungen mit US-Kunden. «Es handelt sich um Personen, die in den USA steuerpflichtig sind», präzisiert Regiobank-Chef Markus Boss. Darunter fielen Doppelbürger, Auslandschweizer und auch einzelne US-Bürger.

Alle US-Kunden hätten eine Beziehung zur Schweiz, ob persönlich oder geschäftlich. Der Anteil mache ungefähr 2,5 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens der Bank von 1,25 Milliarden Franken aus.

Nur wenige US-Kunden

«Wir sind an Beziehungen zu Kunden mit US-Domizil grundsätzlich nicht interessiert», erklärt seinerseits Hanspeter Merz, Sprecher der Berner Kantonalbank (BEKB). Man agiere nach dem BEKB-eigenen «Swiss-Person-Konzeptes». Das heisst, dass die Dienstleistungen allen Kunden «mit direktem Bezug zu unserem Wirtschaftsraum offen stehen und die in der Schweiz regelmässig persönliche Kontakte zu uns pflegen». Darunter befänden sich auch Kunden mit US-Bezug wie Auslandschweizer, Doppelbürger oder einzelne US-Bürger. Den Anteil des Vermögens der in den USA steuerpflichtigen Personen im Verhältnis zum gesamten verwalteten Vermögen (rund 20 Milliarden Franken) liege im «tiefen einstelligen Promillebereich».

Von «einer Handvoll Kunden, die in den USA steuerpflichtig sind», spricht Marco Sauser, Mediensprecher der Baloise Bank SoBa. Den Anteil dieser verwalteten US-Vermögen beziffert er auf 0,4 Prozent am Gesamtbestand von 7,5 Milliarden Franken. Bei der Clientis-Bankengruppe sei «das Passivgeschäft mit ausländischen Kunden nur von «marginaler Bedeutung», sagt Bankensprecher Stefan Kaspar. Insgesamt gebe es bei den 20 Clientis-Banken lediglich eine Handvoll Kunden mit US Bezug. Ähnliches meldet Valérie Bodenmüller für die Berner Valiant Bank AG: «Die Bank betreut nur einige wenige US Persons. Deren Vermögen liegen im Verhältnis zu den total verwalteten Vermögen im Promillebereich.»

Keine UBS-Kunden übernommen

Unterschiedlich verhalten sich die Banken in Bezug auf neue Kundenbeziehungen. Die Bank SoBa, sie gehört zum Versicherungskonzern Baloise, habe bereits im Sommer 2009 ihre Weissgeldstrategie definiert. «Wir haben bei den Kunden mit Steuerpflicht in den USA eine ‹Bereinigungsaktion› durchgeführt und seither auch keine neuen entsprechenden Kundenbeziehungen aufgebaut», erklärt Sauser. Auch seien keine US-Kunden der UBS übernommen worden. Clientis meldet, dass keine ausländischen Ex-UBS-Kunden angeworben worden seien.

Explizit nein sagt die Berner Kantonalbank zu Kunden der UBS. «Wir haben unsere Kundenberater bereits im September 2008 angewiesen, keine US-Kunden der UBS zu übernehmen», sagt Merz. Unabhängig davon seien aber mit in den USA steuerpflichtigen Personen vereinzelt neue Kundenbeziehungen eingegangen worden. Diese hätten aber mehrere Voraussetzungen zu erfüllen. So müssten sie schriftlich bestätigen, dass sie ihren Steuerverpflichtungen in den USA nachkommen, das Formular W9 der US-Steuerbehörde unterschreiben und auf US-Wertschriften verzichten.

«Wir haben nicht bewusst und aktiv amerikanische UBS-Kunden gesucht», sagt Boss von der Regiobank. Aber man sei vereinzelt neue Kundenbeziehungen mit in den USA steuerpflichtigen Personen eingegangen. Dies sei ja gesetzlich weiterhin erlaubt. Dabei handle es sich um Auswanderer oder Doppelbürger. Voraussetzung sei, dass diese das Formular W9 der US-Steuerbehörde unterzeichnen. Damit würden diese bestätigen, dass sie die US-amerikanischen Steuervorschriften erfüllten.

K aum ein Risiko

Die Gefahr, dass die hiesigen Banken ins Visier der US-Steuerjustiz geraten könnten, wird kleingeredet. «Wir gehen nicht davon aus, dass die wir vom Steuerstreit erfasst werden», versichern unisono Berner Kantonalbank wie Regiobank. «Unsere noch bestehenden Beziehungen mit in den USA steuerpflichtigen Personen sind alle begründet. Und vom Volumen her sind diese Positionen unproblematisch», zeigt sich auch SoBa-Sprecher Sauser zuversichtlich. Gelassen blickt Clientis der weiteren Entwicklung entgegen, «weil wir alle Regulatorien einhalten», sagt Stefan Kaspar.