Es passiert eher selten, dass ein Chefbeamter mit seinem privaten Engagement für Schlagzeilen sorgt. Doch Marcel Gehrig, Chef des kantonalen Steueramts, hat genau das geschafft: Vor zwei Jahren stand er im Kreuzfeuer der Solothurner Politik – weil er beim Grand-Casino Kursaal in Bern und bei zwei Tochterunternehmen als Verwaltungsrat amtete.

Jetzt zieht sich Gehrig zurück: Im Oktober ist er aus den Verwaltungsräten der Grand-Casino Kursaal Bern AG, der Kongress & Kursaal Bern AG und der Casino Neuchâtel SA ausgeschieden. Das geht aus den Handelsregistern der Kantone Bern und Neuenburg hervor.

Warum sitzt der Steueramtschef nicht mehr in den Gremien? «Ich habe mich nicht mehr zur Verfügung gestellt», sagt Gehrig auf Anfrage. Die Kritik an den Mandaten habe für ihn aber «überhaupt keine Rolle» gespielt. Schliesslich seien diese ja von seinem Arbeitgeber genehmigt worden. Das Finanzdepartement jedenfalls bestätigt: Es nahm keinen Einfluss auf den Entscheid des Steueramtschefs. Von Gehrigs Rücktritten habe sie bisher noch gar nichts gewusst, sagt Departementssekretärin Heidi Pauli gegenüber dieser Zeitung.

Wechsel im Management

Die Kursaal-Gruppe hat ereignisreiche Monate hinter sich. Auf einen abrupten Austausch des Managements folgte ein Wechsel im Aktionariat. Eine Berner Unternehmergruppe hat ihren Anteil ausgebaut – was auch zu Neubesetzungen im Verwaltungsrat führte. Die Frage, ob sein Rücktritt in diesem Zusammenhang steht, lässt Gehrig offen.

Am Anfang der Kritik am Nebenjob von Marcel Gehrig stand ein Vorstoss der FDP im November 2014. Die freisinnige Kantonsratsfraktion fragte: Vertragen sich Mandate bei Unternehmen, die ihr Geld mit Glücksspielen verdienen, mit dem Job als Steueramtschef? Ja, fand der Regierungsrat.

Das sei kein Problem. Die Einsitznahme in den Verwaltungsräten sei Marcel Gehrig bereits 2011 bewilligt worden, sie liege «im Rahmen der zulässigen zeitlichen Belastung» und führe zu keinen Interessenkonflikten. Tatsächlich stand einem Nebenamt damit laut Gesetz nichts im Weg.