Kochhefte, Kochbücher, Kochsendungen, Kochshows, Kochkurse – das Angebot ist dermassen gross geworden, dass man glauben könnte, der Bedarf dafür sei mehr als gedeckt. Den Sternekoch Andy Zaugg aus Solothurn hält das nicht davon ab, nun ebenfalls Kurse anzubieten, auf Niveau des Sternekochs natürlich. Schön wärs ja, so einen Kurs zu besuchen. Doch könnte ich da mithalten mit meinen Kochkenntnissen auf Alltagsniveau? Und vor allem: Müsste ich nicht zuerst meinen Gaumen schulen, damit ich die Finessen der Sternekochkünste überhaupt erahnen kann? «Wenn Sie Freude am Kochen mitbringen, offen sind für Neues und etwas Feines zubereiten wollen, dann reicht das», antwortet Andy Zaugg. «Denn riechen und schmecken, aber auch fühlen, sehen und hören sind Kernthemen in meinen Kochkursen. Daran arbeite ich selber mit einer Ausbildung zum Sensoriker, speziell abgestimmt auf Aromen und Nahrungsmittel wie Olivenöl, Kaffee, Schokolade und Brot.»

Diese Ausbildung macht Zaugg, nachdem er im Alter von 51 Jahren die Führung seines Restaurants Zum Alten Stephan in Solothurn an seinen langjährigen Küchenchef Stefan Bader abgegeben hat und sich jetzt auf das Catering, das Gastrocoaching und eben die Kochkurse konzentriert. «Die Sensorik ist enorm faszinierend, sie eröffnet Welten», sagt Zaugg, «und ich glaube, wenn man sich damit befasst, so hat das nicht nur einen grossen Einfluss darauf, wie man mit Nahrungsmitteln umgeht, sondern auch auf das Denken und Verhalten ganz allgemein.»

Daheim im Kühlschrank schauen

Das Sensorische in seinen Kochkursen weiterzugeben, darin sieht Zaugg eine gute Chance, sich von den zahlreichen Mitbewerbern abzuheben. «Wir gehen dabei Schritt für Schritt vor, widmen uns zuerst den einzelnen Aromen und dann, wie und warum ein Zusammenspiel mehrerer Aromen funktioniert.» Sich dafür genug Zeit zu nehmen, sei wichtig, darum würden auch die einzelnen Events, wie Zaugg die Lektionen nennt, nicht überladen.

Nun vermutet man, dass bei einem Event mit einem Sternekoch auch entsprechende, erlesene Produkte verarbeitet werden? «Nicht nur», entgegnet er, «wir machen auch den Kühlschrank von zu Hause zum Thema. Darin finden sich zum Beispiel schlampig gewordener Lauch, ein Joghurt mit überschrittenem Ablaufdatum oder nicht mehr ganz so frische Himbeeren. Dann schauen wir, was sich daraus noch machen lässt. Möglichst nichts wegwerfen, Foodwaste ist zu vermeiden.» Und was ist mit den teuren, exotischen Gewürzen, die schwer aufzutreiben sind und, nachdem zweimal eine Messerspitze davon gebraucht wurde, im Küchenschrank für immer verschwinden? «Ist nicht gefragt», sagt Zaugg, «neben den gängigen Gewürzen kommen zur Hauptsache Salz, Pfeffer und Kräuter zum Einsatz. Wobei: Salz und Pfeffer alleine abendfüllende Themen wären.»

Und natürlich werde er sich noch intensiv mit der veganen Küche auseinandersetzen. «Die ist gar nicht so einfach, wie sich das viele denken.» Egal, um welche Art von Küche es geht, je länger, je mehr gewinne für ihn ein Zitat des Malers Vincent van Gogh an Bedeutung: «Comme il est difficile d’être simple.» Das heisse für ihn, dass es bei jedem noch so einfachen Gericht auf jede Kleinigkeit ankommt. «Nur so kann jede Speise ihre volle Wirkung entfalten.»

Sind die Kochkurse gefragt?

Wird Andy Zaugg es nicht vermissen, selber am Kochherd zu stehen? «Ich bin ja nicht einfach weg vom Herd», sagt er, «für meine Caterings oder wenn ich als Gastkoch tätig bin, stehe ich nach wie vor und sehr gerne hinter dem Herd. Bei den Kochkursen dagegen soll es so sein, dass ich eher neben dem Herd stehe und in erster Linie unterstützend wirke. Die Teilnehmenden sollen so viel wie möglich selber machen dürfen.»

Wie gross ist die Nachfrage nach seinen Sternekochkursen? «Das sieht gut aus. Es zeichnet sich eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmer ab. Wenn sie zustande kommt, so werde ich für längere Zeit bereits ausgebucht sein.» Da wäre noch die Frage nach dem Preis für einen Kurs beim Sternekoch. «Pro Event und Person beginnt es bei 150 Franken. Es hängt ganz davon ab, mit welchen Zutaten gekocht werden soll», erklärt Zaugg. «Aber ich gehe schon davon aus, dass jemand, der bei mir einen Kurs besucht, auch etwas mehr erwartet von mir als Sternekoch.»