Krankheit, Leid, Tod, Trauer. Begriffe und Themen, die zur menschlichen Existenz gehören. Und doch tut sich unsere Gesellschaft immer noch schwer damit, offen über solche Erfahrungen zu sprechen.

Ganz besonders das Sterben und der Umgang damit ist vielerorts ein Tabu. Christine Rindlisbacher und Daniel Preisig schwimmen gegen den Strom und nennen die Sache beim Namen: «Wir wollen ein Solothurner Sterbehospiz gründen.»

Jeder wünscht sich einen leichten Tod. Daheim in der gewohnten Umgebung soll es schnell und ohne grosses Leiden gehen. «Alle möchten das, aber nur die wenigsten Menschen dürfen so sterben», erklärt Daniel Preisig, pensionierter Hausarzt aus Subingen.

«Die meisten Menschen sterben langsam, wir wollen für sie einen Zufluchtsort finden. Für den Fall, dass es nicht möglich ist, zu Hause zu bleiben, weil eine zu intensive Betreuung und Pflege nötig wird.»

Die Grundeinstellung ändern

«Er hat den Kampf gegen seine Altersbeschwerden verloren. Das ist so etwa die schlimmste Todesanzeige, die ich je gelesen habe. Sie zeigt, dass wir den Tod als eine Niederlage ansehen. Das ist total falsch.»

Daniel Preisig möchte diese Einstellung ändern. «Das Sterben ist der letzte Abschnitt des Lebens und es stellt für alle eine schwierige und anstrengende Aufgabe dar. Aber das Sterben ist kein Misserfolg.» Er habe viele harmonische Sterbebegleitungen erlebt. «Ich habe mir konkret überlegt, wie mein Sterben aussehen soll und wie ich es nicht haben möchte. Das hat mich motiviert, mich für die Gründung eines Sterbehospizes einzusetzen.»

«Wenn ich eine Sterbebegleitung in einer privaten Umgebung mache, dann kann ich die Angehörigen einbeziehen, selbst wenn sie Angst vor dem Tod haben», erklärt Christine Rindlisbacher ihre Motivation. Die Solothurnerin ist Fachfrau für Sterbe-, Abschied- und Trauerbegleitung. «Die Dankbarkeit bedeutet mir viel. Das Sterben hat nichts Deprimierendes mehr für mich.»

Keine Konkurrenz für das Spital

Heute sterben viele Menschen im Spital, aber dieses ist auf Heilung und den Kampf gegen den Tod eingestellt. «Wir können nichts mehr machen.» Preisig mag diese stereotypen Worte der Ärzte nicht, wie sie den Angehörigen mitteilen, dass das Sterben naht.

«Man kann noch sehr viel machen. Wir möchten eine Alternative anbieten, die Angehörigen in den Prozess einbeziehen und sie viel Zeit beim Sterbenden verbringen lassen. Das ist im Spital nur beschränkt möglich.»

Ein Sterbehospiz solle aber keine Konkurrenz zur Palliativmedizin darstellen und nicht der langfristigen, lebensverlängernden Versorgung von unheilbar kranken Patienten dienen. «Wir sprechen hier von der letzten Phase, wenn der Patient keine weitere medizinische Unterstützung mehr will», erklärt Rindlisbacher.

Preisig ergänzt: «Wir möchten den Menschen in der letzten Lebensphase Zeit geben. Wir wollen die Angehörigen von den Aufgaben wie Kochen und Waschen entlasten, damit sie die seelische und spirituelle Begleitung übernehmen können. Die Erfahrungen im Sterbehospiz in Brugg haben gezeigt, dass die Aufenthaltsdauer im Durchschnitt weniger als drei Wochen beträgt.»

Keine Sterbehilfe-Organisation

Eine Sterbebegleitung sei nicht zu verwechseln mit einer Sterbehilfe. «Wir schlagen keine Abkürzung des Weges vor und ich werde auch ganz sicher keinen assistierten Suizid durchführen», sagt Daniel Preisig. «Aber wenn ein Mensch den Wunsch äussert, eine der bekannten Sterbehilfe-Organisationen beizuziehen, dann schliessen wir das nicht aus.»

Vorbild: Sterbehospiz Arlesheim

Wo das Sterbehospiz nun eingerichtet werden könnte, ist noch offen. «Wir suchen eine Immobilie irgendwo zwischen Grenchen, Solothurn und Balsthal», erklärt Daniel Preisig. Es gebe bereits ein paar konkrete, sehr gute Vorschläge von Immobilienspendern. Aber spruchreif sei noch nichts.

«Wir haben Vorstellungen, wie so ein Haus idealerweise aussehen könnte.» Auch die Finanzierung müsste noch gesichert werden. Als Vorbild dient das Sterbehospiz in Arlesheim, das in die Spitalliste des Kantons Baselland aufgenommen wurde. «Wir möchten vom Kanton Solothurn als Heim anerkannt werden, damit die Finanzierung über die Krankenversicherungen und die Gemeinden möglich wird.»

Regierungsrat Peter Gomm sei mittlerweile positiv eingestellt. «Vor zehn Jahren wollten fast niemand mit uns über das Thema sprechen. Heute ist das ganz anders, die Leute interessieren sich für ein Sterbehospiz», sagt Christine Rindlisbacher. «In unserer Gesellschaft redet man nicht gerne über den Tod.

Man muss die Dinge beim Namen nennen, dann wird der Umgang natürlicher. Irgendwann sollten wir so weit sein, dass jemand offen sagen kann: Ich gehe jetzt sterben.»