Sterbehospiz
In Derendingen ist der Verein Sterbehospiz willkommen, es sind keine Einsprachen gegen das Projekt eingegangen

Der «Verein Sterbehospitz Solothurn» war Gast auf einem Podium in der neuen Aula in Derendingen. Im Frühling 2022 wird das erste regionale Sterbehospiz im alten Pfarrhaus in Derendingen eröffnet. Es gab keine Einsprachen gegen den Umbau.

Susanne Hofer
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Moderator Joël Grolimund befragt Lena Dick und Heidi Zumbrunnen (v.l.).

Moderator Joël Grolimund befragt Lena Dick und Heidi Zumbrunnen (v.l.).

Susanne Hofer

«Ich freue mich auf das Eröffnungfest», sagt Heidi Zumbrunnen, Präsidentin des Vereins Sterbehospiz, und strahlt. Im ehemaligen Pfarrhaus an der Schützenstrasse 5 in Derendingen sollen bald sterbenskranke Menschen einen guten Abschied vom Leben nehmen können. «Es ist ein schönes Haus mit einem Charme, den wir erhalten wollen.» Die Angehörigen hätten jederzeit Zugang zum Hospiz und würden im Prozess des Abschieds unterstützt von qualifiziertem Pflegepersonal. Auch Freiwillige, z.B. für die Pflege des grossen Gartens, sollen einbezogen werden. Das ist die Idee des Vereins Sterbehospiz. Ausserdem sollen öffentliche Anlässe für das Thema des würdigen Sterbens sensibilisieren.

60 Interessierte folgten der Einladung des Vereins Pro Wasseramt unter dem Motto «Im Rampenlicht – Talk im Wasseramt»: Für den Verein Sterbehospiz war nebst Heidi Zumbrunnen, sie ist pensionierte Bildungsfachfrau, auch Lena Dick als Projektleiterin dabei. Befragt von Moderator Joël Grolimund, meinte Lena Dick: «Der Plan ist finanziell ambitiös, aber wir sind auf Kurs. Wir haben bereits eine Million Franken an Spenden zugesprochen bekommen. Es geht jetzt darum, konkret zu planen: Wer macht die Wäsche, wer kocht usw.»

Auf die Frage, warum es das Hospiz überhaupt brauche: Wenn die pflegenden Angehörigen überfordert seien und es keine Möglichkeit gebe, im Spital zu sterben, sei das Hospiz für sterbende Menschen da. Im Spital koste ein Tag 1500 bis 2500 Franken, im Hospiz dagegen ungefähr 800 Franken. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Hospizen betrage 15 Tage, man könne ca. 70 Patienten pro Jahr betreuen. Geplant sind sechs Betten. Demente Menschen könnten im Prinzip auch betreut werden, aber es gebe schon Grenzen, etwa bei psychotischen Patienten.

Keine negativen Reaktionen

Heidi Zumbrunnen informierte darüber, dass man im Vorfeld die Nachbarn des zukünftigen Hospiz’ kontaktiert habe; wegen Corona nur auf schriftlichem Weg, aber es habe weder direkte Reaktionen noch Baugesuch-Einsprachen gegeben. Das habe sie erstaunt. In Lüterkofen, wo man zuerst sondiert hatte für den Standort, so Lena Dick, habe es mehr Widerstand gegeben. Das Haus dort sei in einer 30er-Zone gelegen, und man habe mehr Verkehr befürchtet. Zudem sei das Haus am Schulweg gelegen, und manche hätten geglaubt, das Hospiz könnte die Kinder verstören. Aus dem Publikum kam darauf die Reaktion, das Quartier beschäftige zurzeit mehr die Emmenhof-Überbauung.

Ein weiteres Votum aus dem Publikum: Wie es sei mit Patienten, die das Geld für das Hospiz nicht aufbringen könnten? Lena Dick meinte, das Hospiz solle für alle offen sein, die Unterstützung via Ergänzungsleistungen etc. aufgebracht werden. Auch ein weiteres Statement bezog sich auf die Finanzen: Die Politik müsse aktiv werden, denn ein defizitärer Betrieb habe auf längere Frist keine Chance. Eine weitere Stimme aus dem Publikum gratulierte zum Projekt, die Stimmung scheint allgemein positiv dafür.

Grosszügige Spenderin

Heidi Zumbrunnen erzählte zum Schluss von einer älteren Dame: «Sie wollte für uns spenden, hatte aber unsere Adresse nicht, da sie offenbar kein Internet hatte. Sie hat dann via einens Zeitungsberichtes über uns meinen Namen herausgefunden und mich so kontaktiert. Sie hat 50'000 Franken gespendet! Sie habe keine Angehörigen und finde das eine gute Sache.»

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