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Stellenabbau bei Bosch-Tochter: «Schwerer Schlag» für Wirtschaftsstandort

Die Bosch-Tochter Scintilla baut in Zuchwil bis 2016 330 Stellen ab. Die Fertigung wird nach Ungarn ausgelagert. Vertreter von Wirtschaft und der Gemeinde Zuchwil bedauern den massiven Abbau.

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Der Haupteingang zum Firmensitz in Zuchwil.

Der Haupteingang zum Firmensitz in Zuchwil.

Hanspeter Bärtschi

«Mit grossem Bedauern» reagiert Jonas Motschi auf die Hiobsbotschaft aus Zuchwil. Der Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) spricht von einem «schweren Schlag» für den Wirtschaftsstandort Region Solothurn.

Der Regierungsrat sei von der Bosch-Spitze im Vorfeld über den massiven Abbau informiert worden. Angesichts der Tatsache, dass Bosch 90 Prozent seiner Produkte exportiere, würden der hohe Frankenkurs sowie die hohen Produktionskosten doppelt negativ zu Buche schlagen. Motschi setzt noch «eine gewisse Hoffnung» auf den Konsultationsprozess, aus dem vielleicht das eine oder andere Zugeständnis an den Standort Zuchwil resultieren könnte. Der Kanton werde alles daransetzen, den Betroffenen beizustehen.

Firmenzweig mit grosser Tradition

Sehr betroffen ist Zuchwils Gemeindepräsident Stefan Hug. Er hat am Morgen vom Scintilla/Bosch-Personalchef die Hiobsbotschaft erhalten. «Am meisten bedaure ich, dass handwerklich orientierte Mitarbeiter Arbeitsplätze verlieren.» Gut Ausgebildete hätten bessere Chancen, eine neue Arbeit zu finden. Die Gemeinde bereite sich auf Härtefälle vor. «Da suchen wir den Kontakt mit der Firma und werden generell Unterstützung anbieten im Rahmen unserer Möglichkeiten.»

Traurig stimme ihn, dass mit dem Abgang der Produktion ein Firmenzweig mit grosser Tradition in Zuchwil verschwindet. «Natürlich haben wir von den Schwierigkeiten gewusst. Die Produktion ging ständig zurück. Die Firma hat alles versucht, muss jetzt aber offensichtlich doch auslagern.»

Am Montag Nachmittag befand sich der Gemeinderat in Klausur. Besprochen werden sollten die Legislaturziele. Hug: «Dieser Arbeitsplatzabbau macht uns einen Strich durch die Rechnung.»

«Argument sticht nicht mehr»

Im Gegensatz zu den Behördenvertretern haben die Gewerkschaft Unia und der Verband Angestellte Schweiz kein Verständnis für die Argumentation der Firma Bosch. «Das Argument starker Schweizer Franken sticht nicht mehr», verweist der Angestelltenverband auf hier «wieder verbesserte Margen».

Für die Unia ist die Produktionsauslagerung nach Ungarn «unhaltbar» und ein Schlag ins Gesicht der hiesigen Arbeitnehmer. Gefordert wird eine Rücknahme der Entscheide oder zumindest eine um einen Monat verlängerte Konsultationsfrist, zur seriösen Prüfung alternativer Lösungen.» (ums./uby)