Gastronomiebranche
Steht der Heizpilz vor einem Comeback? — Solothurner Reaktionen sind geteilt

Zur Unterstützung der coronabedingt angeschlagenen Gastrobetriebe kommen Terrassenheizungen wieder ins Gespräch.

Daniela Deck
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Sind und bleiben umstritten: Gasbetriebene Wärmestrahler in Gartenrestaurants. (Symbolbild)

Sind und bleiben umstritten: Gasbetriebene Wärmestrahler in Gartenrestaurants. (Symbolbild)

Keystone/dpa/Daniel Karmann

Es wird zunehmend ungemütlich in den Gartenwirtschaften, nass und kalt. Noch weiss allerdings niemand, ob die Besucherinnen und Besucher im gleichen Ausmass den Weg in die Gaststuben finden werden wie in den letzten Jahren. Schmecken ihnen Speis und Trank in geschlossenen Räumen trotz der Gesundheitskrise? Da liegt der Gedanke nahe, die Aussensaison zu verlängern.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Die einfachste mobile Aussenheizung ist der Heizpilz, der mit Gasflasche betrieben wird. Doch seit einer Teilrevision des Energiegesetzes per Juli 2005 ist diese Sorte Heizpilz im Kanton Solothurn verboten. Im Paragraf 12 ist festgehalten, dass Aussenheizungen nur noch mit erneuerbarer Energie oder nicht anderweitig nutzbarer Abwärme betrieben werden dürfen.

In anderen Kantonen weibeln Politiker bereits für eine Ausnahmeregelung, speziell für den kommenden Winter. So ist im Kanton Basel-Landschaft dazu ein Postulat der FDP-Fraktion hängig. Nach den Herbstferien wird sich der baselbieter Landrat mit der Forderung befassen.

Im Kanton Solothurn köchelt die mögliche Auferstehung der Heizpilze bisher nur auf kleiner Flamme. Lediglich der Stadtrat von Olten hat sich Anfang September mit der Frage befasst und einem entsprechenden Begehren mit Hinweis auf das Energiestadt-Label eine Abfuhr erteilt. «Es ist nicht so, dass die Stadt dem Gewerbe nicht helfen will. Aber da gibt es bessere Wege. Wir sind dazu mit dem Verband Gewerbe Olten im Gespräch. Aktuell klären wir die Bedürfnisse unserer Gastronomiebetriebe ab», sagt Stadtschreiber Markus Dietler auf Anfrage.

Gastro Solothurn: «Es geht auch anders»

Der Geschäftsführer von Gastro Solothurn, Benvenuto Savoldelli, begrüsst jede Unterstützung für Restaurants und Bars zur Verlängerung der Freiluftsaison. Das heisst aber nicht, dass er – der gleichzeitig Oltner Stadtrat ist – sich für Heizpilze ins Zeug legen würde. «Es gibt bessere, umweltfreundlichere Methoden, Wärme zu erzeugen, Holzöfen unter den Tischen etwa oder Warmluftgebläse, die mit Holzschnitzeln betrieben werden.» Ausserdem, so sein wichtigstes Argument: Bisher hätten die Wirte beim Verband kaum Wünsche nach Heizpilzen geäussert.

«Umwelttechnisch gesehen machen Heizpilze höchstens in kleinen geschlossenen Zelten Sinn, damit die Wärme nicht einfach verpufft», sagt Adrian Stoll vom Amt für Umwelt. Inzwischen gebe es neben der Gasvariante Heizpilze, die mit Pellets betrieben werden. Auch Stoll zieht Gebläse oder Öfen vor, wenn draussen denn unbedingt geheizt werden müsse.

Dass es anders geht, zeigt die Oltner Café-Bar Gryffe, wo im Winter traditionell ein kleines Holzchalet im Garten aufgestellt wird. Es bietet Gruppen bis 16 Personen Platz für Feste und soll auch dieses Jahr zum Einsatz kommen. Das Chalet werde jeweils nur kurzfristig mit einem Elektroofen vorgeheizt, erklärt Geschäftsführer Michael Thommen. «Ist die Party erst einmal im Gang, wärmen sich die Leute gegenseitig.»

Städteverband führt landesweite Umfrage durch

Wer sich eine Ausnahme zu Gunsten von Heizpilzen vorstellen könnte, ist der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri. Anfragen von Wirten um Unterstützung in der kalten Jahreszeit seien bei der Stadt bereits eingegangen. «Wie vieles andere müssen auch diese Vorschriften in der aktuellen Krise im Hinblick auf eine mögliche Ausnahmeregelung überdacht werden können», findet Fluri und gibt zu bedenken: Bundesrat, Parlament und Kantonsregierungen hätten dieses Jahr viele Regeln relativiert, die zuvor als unumstösslich galten. Anträge müssten allerdings von den zuständigen Gewerbeverbänden und nicht von einzelnen Betreibern gestellt werden.

Im Schweizerischen Städteverband mit 131 Mitgliedern sei derzeit eine Umfrage zu Aussenheizungen im Gang, erklärt Fluri. Er präsidiert den Städteverband. Die Auswertung der Umfrage dürfte in den nächsten Tagen vorliegen.

Befragte Wirte sind sich nicht einig

Bei den Wirten sind die Meinungen zu den Heizpilzen geteilt. Sabrina Knittel, «Solheure»-Geschäftsführerin, ist überzeugt: «Heizpilze wären diesen Winter sehr willkommen. Viele Gastronomen würden diese Ausnahme von der sonst sinnvollen Regel begrüssen.» Ins gleiche Horn stösst Mehmet Polat, Geschäftsführer im Grenchner «Baracoa»: «Jetzt, im Coronawinter, wären Heizpilze sinnvoll.» Dabei geht er davon aus, dass sein Betrieb darauf verzichten kann. «Unsere Stammgäste kommen ohnehin herein, um endlich ihr soziales Leben wieder führen zu können.»

Gerade dieses letzte Argument überzeugt Markus Krell, Geschäftsführer im Gasthof Enge (Solothurn/Biberist) davon, dass er in der Krise auf Heizpilze verzichten kann. «Heizpilze mögen hilfreich sein für Bars. Zum Essen am Tisch bringen sie nicht viel, die Beine werden davon nicht gewärmt.» Aufgrund seiner Erfahrungen seit dem Wetterumschwung setzt Krell auf Glastrennwände zwischen den Tischen drinnen, denn: «Meine Kunden bleiben nicht weg.»