«Kommen Sie nur und schauen Sie sich um. Das ist meine Kunst. Doch im Vertrauen: Kunst habe ich noch nie verkauft.» Das sagt der diesjährige Kunstpreisträger des Kantons Solothurn, Stefan Sieboth, und öffnet seinen Garten in Derendingen.

Ein dicht bestückter Skulpturengarten ist neben alten Bäumen und gepflegten Rabatten zu sehen, daneben das Wohnhaus der Familie. Die Kunstobjekte stammen aus allen Schaffensjahren des Architekten, Designers und Künstlers.

Hochaufragende, fragile Türme, breite, erdgebundene Kreisel. In der Balance bleibende, spielerische Konstruktionen. Auf den ersten Blick unergründliche, gefaltete oder zerschnittene Wände. Manche wurden in Farben realisiert und haben Patina angesetzt, andere glänzen in unverwüstlichem Chromstahl. Sieboths Entwürfe gehen meist aus mathematischen Fragestellungen hervor und sind an den Konstruktivismus angelehnt.

Die Architektur als Hauptgebiet

Doch die Kunst, das Spielerische, davon konnte Sieboth als junger Berufsmann seine fünfköpfige Familie nicht ernähren. So wurde Architektur zum Hauptarbeitsgebiet des heute 82-Jährigen. Beim Kaffee in seinem «Labor», seinem ganz besonderen Gartenhäuschen sitzend, erzählt er aus seinem Leben. «Mein Vater war Physiker, arbeitete aber als Lehrer. Zuerst in Matzendorf, dann in Derendingen, wo ich aufgewachsen bin. Genau hier in diesem Haus.» Es muss damals in den Dreissigerjahren für Gesprächsstoff gesorgt haben, dieses moderne Haus, mit einer Architektur, angelehnt an das Neue Bauen. Prägend war es jedenfalls für den jungen Stefan.

Alles ist Gestalt

Nach Lehrjahren bei Architekt Oskar Sattler in Biel – einem Vertreter der Solothurner Schule – und Wanderjahren in Ulm, Wien, Paris, bei damals bedeutenden Designern und Architekten, wurde Stefan Sieboth nach Derendingen zurückgerufen. «Du baust unsere neue Haushaltungsschule», habe ihm der damalige Gemeindepräsident gesagt. Und so führte Sieboth ab 1959 sein eigenes Büro. In diesem Jahr gründete er auch zusammen mit Hans Zaugg, dem Nachbarssohn aus einer Schreinerfamilie, das Zentrum für Gestaltung zfg.

Ab 1960 erstellte Sieboth die ersten Einfamilienhäuser, danach weitere Schulhäuser und Industriegebäude in der Region. Die «Solothurner Schule» wurde mit Sieboths Entwürfen in die Zukunft geführt. «Ich selbst sehe mich nicht als eigentlichen Vertreter dieser Architektur», sagt er, «denn ich bin eine Generation jünger.»

Vielfältiges Schaffen als Designer

Doch Sieboth blieb nicht alleine bei der Architektur. Zusammen mit anderen Schweizer Designern konzipierte er Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs wie einen Leimspender oder eine Notbehausung. Von Sieboth gibt es Leuchten, Stühle, Tische, Vasen und sogar Schmuck. Hauptarbeitsgebiet war aber die Architektur und Sieboth prägte oft mit wegweisenden Bauten seine Umwelt. Vor allem auch in seiner Heimatgemeinde. Kunst und Technik sollen, ästhetisch verbunden, die Umwelt harmonisch gestalten.

Einige Jahre amtete Sieboth auch als Präsident des Fachausschusses Bildende Kunst des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung des Kantons Solothurn; jenes Gremium also, welches ihn nun dem Regierungsrat als Kunstpreisträger vorschlug. Hier hat er den Begriff KiöR – Kunst im öffentlichen Raum – geprägt. Vernetzung und Freundschaften mit Kollegen, Bekannten und Mitbewerbern sind weitere «Markenzeichen» des Stefan Sieboth.

Gedanken an die Vergangenheit

«Ja, ich habe heute einen schönen Alltag», sagt Sieboth und lehnt sich zurück. Obwohl – untätig ist er auch jetzt nicht. Einerseits ist er immer mal wieder als Ratgeber in architektonischen Fragen bei seiner Tochter gefragt, andererseits trägt er alte Dokumente und Fotos aus dem Familienarchiv zusammen und gestaltet damit schöne Alben. Diese will er seinen Nachkommen hinterlassen. So erzählt er Anekdoten von früher und meint, erst jetzt habe er die Zeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Früher, war es stets die Zukunft, die ihn beschäftigte: Zum Beispiel 1976, als er ein autarkes Haus konzipierte oder 1988, als er ein solarbetriebenes Kleinfahrzeug plante.


Öffentliche Preisverleihung Kunst- und Kulturpreise 2018: Montag, 19. November 18.30 Uhr, Parktheater Grenchen.