Abtauchen, entspannen, sich etwas Gutes tun. «Wellness» ist beliebt. Doch der Kanton ist ein fast weisser Fleck in Sachen Wellness. Erholungshungrige Solothurner müssen meist in einen etwas ferneren Wellness-Tempel reisen. So besuchen laut Dominique Wolf vom Bad Zurzach jährlich schätzungsweise 20'000 Solothurner ihr Bad. Bis zu 90 Kilometer nehmen sie also unter die Räder.

Auch andere Bäder mit oft riesigem Wellness-Angebot liegen weiter weg. Wenn man bedenkt, dass ein Erwachseneneintritt für ein Grundangebot ungefähr 33 Franken beträgt, fliessen mehrere Millionen aus Solothurn ins: Bernaqua, ins Aquabasilea in Pratteln oder nach Schinznach Bad.

Richtig grosse Anlagen fehlen im Kanton Solothurn.

Wellness Center im Kanton Solothurn und angrenzend

Richtig grosse Anlagen fehlen im Kanton Solothurn.

Will man nicht schon auf dem Weg zu seiner Wellness-Oase Reisestress erdulden, kann man «kleinere» Anlagen in der Nähe aufsuchen. Wie jene Gäste des Sportzentrums Zuchwil an einem trüben Sonntag. Die 50-jährige Iris Kohler aus Solothurn war letztes Mal im Sprudelbad. «Das war super», strahlt sie. «Das gibt einem so richtig Kraft für die ganze Woche.» Der 47-jährige Ernst Alt besucht heute wie so oft den Wellnesspool: «Es hilft mir bei der Rehabilitation nach meiner Schulteroperation.»

Ein Erlebnis zu haben, ist eher ein neuerer Grund für Wellness. Entspannung ist ein älterer. «Die Gäste suchen die Ruhe, die Flucht aus der Hektik», weiss Peter Maurhofer, Saunawart des Sportzentrums Zuchwil, «aber trotzdem in Gesellschaft.» Ferner sei die Körperpflege wichtig. Und natürlich der Gesundheitsgedanke. Letztlich suche der Gast aber auch das Erlebnis.
Kleine mischen mit Körper-, Fitness- und Freizeitkult nahmen im Laufe der Jahre stetig zu. Während Sport im Fitnesscenter 1970 praktisch unbekannt war, zählte man 1980 in der Schweiz bereits 30 Fitnesscenter, 2005 fast 400.

Viele davon bauten ihr Wellnessangebot stetig aus. Manche sind schön gestaltet, wenn auch klein. Wie zum Beispiel das «Lifestyle Fitness» in Grenchen, wo man unter anderem im Dampfbad «Erholung total» tanken und sich in der Sauna «vitalisierend vergnügen» kann. Aber auch reine Wellness-Dienstleistungen ohne Sport sind verbreitet. Etwa das «Plenus» in Balsthal, wo man dampfbaden, saunieren und sich medizinisch massieren lassen kann. In der Hotellerie gibt’s eine Wellness-Ecke in den Hotels Ramada in Solothurn und Amaris in Olten oder im BnB Belvedere Schönenwerd. Grössere Anlagen bestehen allerdings kaum im Kanton. Die grössten sind das Sportzentrum Zuchwil und die beiden von der Migros betriebenen Flowerpower in Solothurn und Olten.

Mehr Männer als Frauen

Urs Jäggi, Direktor des Sportzentrums Zuchwil – das wohl grösste Angebot in der näheren Umgebung, beziffert die jährlichen Eintritte in den Wellness-Pool auf 40'000. Zusätzlich kämen durchschnittlich 30'000 Eintritte in den Saunabereich hinzu. Also 192 Wellnesshungrige pro Tag. Aline Zaugg vom Flowerpower Solothurn sagt: «Wir haben in Solothurn etwa 2200 Mitglieder. Sicher die Hälfte davon benutzen auch den Wellness-Bereich.» Die Auslastung sei aber recht unterschiedlich: «Es gibt absolute Spitzentage, wo wir 500 Eintritte in unser Center haben. Es gibt aber auch Tage mit nur 150 Eintritten.»

Peter Maurhofer, Saunawart in Zuchwil, bestätigt die Witterungsabhängigkeit: «Bei schlechtem Wetter ist das Bedürfnis nach Wärme viel grösser. Doch die Stammgäste kommen selbst an einem schönen Sommertag.» Was die Geschlechterverteilung betrifft, deuten sowohl Maurhofer als auch Zaugg an, dass es vor allem deswegen fast ausgeglichen sei, weil es für Frauen auch die Option gebe, nur unter sich zu bleiben. «In der gemischten Sauna hat es mehr Männer.» Wie alt sind denn die Besucher? Maurhofer: «Es hat durchgehend alles. Da treffen Sie 20- wie auch 80-Jährige.» Allerdings kämen in letzter Zeit vermehrt auch Junge.

Wellness-Reisen sind beliebt

Aline Zaugg im FlowerPower Solothurn stellt fest, dass die Tendenz der Besucher «leicht steigend» sei. Was sie mit den Bemühungen, das Angebot stets zu vergrössern, begründet. «Ab März bieten wir neu regelmässig Aufguss-Zeremonien an.»

Der 58-jährige Markus Abt aus Aeschi benutzt diesmal ebenso bloss den Wellnesspool in Zuchwil. Aber sonst komme er auch hierher in die Sauna. Wann immer es möglich sei, eigentlich einmal pro Woche, im Sommer weniger streng. Er sauniert jeweils in der Finnischen Sauna, also der heissesten Variante, und zwar in drei Saunagängen: «Es ist gut für die Haut und zum Entschlacken. In jener Zeit, in der ich regelmässig die Sauna besuche, bin ich weniger erkältet», spricht er den gesundheitlichen Nutzen an.

Auch Wellness-Reisen seien stets beliebt, sagt die Geschäftsführerin von Schneider-Reisen Gertrud Schneider. «Derzeit sind etwa wieder Reisen nach Abano in Italien im Trend, wo es Fango-Behandlungen gibt.»