In den letzten Jahren hat sich auch im Kanton Solothurn das Angebot für die familienergänzende Betreuung von Kindern im Vorschulalter sukzessive erhöht. Wie Analysen zeigen, ist aber der Bedarf, gerade auch nach genügend subventionierten Plätzen, noch längst nicht gedeckt. Derzeit stehen im Kanton Solothurn rund 700 Kita-Plätze in insgesamt 45 Krippen für Kinder zwischen drei Monaten und fünf Jahren zur Verfügung. Gut die Hälfte davon ist durch die betreffenden Gemeinden subventioniert, wobei die Sozialtarife für Eltern sehr unterschiedlich gut ausgebaut sind.

Ein neues, vorübergehend vom Bund unterstütztes Finanzierungsmodell für Krippen soll jetzt neuen Schwung in die Schweizer Krippenlandschaft bringen. Dabei werden nicht mehr bestimmte Kindertagesstätten von der öffentlichen Hand (im Kanton Solothurn sind dies die Gemeinden) mitfinanziert, sondern vielmehr die Eltern selber. Diese erhalten Betreuungsgutscheine, mit denen sie Betreuungsleistungen bei einer Kinderkrippe ihrer Wahl einkaufen können.

Gleichbehandlung aller Krippen

Es ist dabei den Gemeinden überlassen, den Kreis der Anspruchsberechtigten und auch den Geldwert der Gutscheine festzusetzen. Die Architekten der Betreuungsgutscheine bezwecken eine Ankurbelung des Wettbewerbs unter den Anbietern und in der Folge ein stärker auf den Mark ausgerichtetes Angebot. Mit dem Systemwechsel verbunden ist zudem die Hoffnung, dass die Gemeinden bereit sind, die familienexterne Kinderbetreuung mit mehr öffentlichen Geldern zu unterstützen. Eine Rechnung, die in der Stadt Luzern ganz offenbar aufgegangen ist (siehe Text rechts).

Im Kanton Solothurn prüft derzeit die Fachstelle Netz, welche sich für die Anliegen familienergänzender Kinderbetreuung starkmacht, die Möglichkeit der Einführung von Betreuungsgutscheinen. Zu diesem Zweck hat die Fachstelle eine Untersuchung an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben.

Neue Perspektiven für subventionsberechtige Eltern

«Realistische Umsetzungsmöglichkeiten bestehen vor allem in den drei Städten Solothurn, Olten und Grenchen», resümiert Fachstellenleiterin Ildiko Moreh die Ergebnisse. «Der gewünschte Wettbewerb zwischen den Kindertagesstätten kann dort wirklich spielen, wo bereits mehrere Krippen existieren.»

Vorteile sieht die Fachstellenleiterin dabei vor allem für die heute nicht von der Öffentlichkeit (mit)finanzierten Institutionen. «Die Betreuungsgutscheine bedeuten Rechtsgleichheit für alle Einrichtungen.» Das wiederum gibt subventionsberechtigten Eltern neue Perspektiven. Sie haben nämlich die Wahl unter einer grösseren Anzahl von Krippen. Die Krux bleibt freilich die finanzielle Ausgestaltung der Betreuungsgutscheine: Je besser diese dotiert sind, desto grösser ist die Nachfrage und damit steigt dann auch das Platzangebot.

Gemeinde übergreifender Wert

Sämtliche in der Studie befragten Gemeinden wünschen sich für die Finanzierung der familienergänzenden Kinderbetreuung ein höheres Engagement von Kanton und Bund. Mit diesem Wunsch beissen die Gemeinden, zumindest beim Kanton, auf Granit. Marcel Chatelain, Chef im Amt für soziale Sicherheit (ASO), unterstreicht die im kantonalen Sozialgesetz verankerte Zuständigkeit der Gemeinden für den Bereich der familienergänzenden Kinderbetreuung.

Entsprechende Investitionen lohnen sich aber für eine Gemeinde, hält Chatelain fest: «Kindertagesstätten sind im interkommunalen Wettbewerb ein Standortvorteil.» Ganz besonders dann, wenn die Gemeinden attraktive Sozialtarife anbieten, die auch die untere Mittelschicht wirksam unterstützen. Und: Wichtiger als die Wahl eines bestimmten Finanzierungsmodells ist für den ASO-Chef «die Stärkung des Bewusstseins für die gesellschaftliche Bedeutung von Kitas».

Betreuungsgutscheine würden in den Städten Sinn machen

Wie für die Leiterin der Fachstelle Netz würden Betreuungsgutscheine auch für Marcel Chatelain vor allem in den drei Städten des Kantons Sinn machen – oder bei der Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander. «Denkbar wäre, dass die Gemeinden einer bestimmten Region anspruchsberechtigten Eltern Betreuungsgutscheine ausstellen, die diese dann in irgendeiner Kita der Region einlösen können.» Im heutigen System, in dem die Gemeinden bestimmte Krippen (mit)finanzieren, haben in der Regel nur Eltern, die in der betreffenden Gemeinde wohnen, Zugang zu subventionierten Plätzen. Es sei denn, Gemeinden ohne eigenes Krippenangebot beteiligen sich an der Kita einer anderen Gemeinde.

Eine ganz normale Dienstleistung

Der Gemeinde übergreifende Charakter von Betreuungsgutscheinen spricht auch gemäss Kurt Boner, Leiter Soziale Dienste Oberleberberg, für das neue Finanzierungsmodell. Eine positive Wirkung auf das Preis-Leistungs-Verhältnis von Kitas entfalten Betreuungsgutscheine vor allem dann, so Boner, wenn in einer bestimmten Region ein grösseres Krippen-Angebot besteht.

Ähnlich wie für ASO-Chef Marcel Chatelain ist für Kurt Boner – unabhängig vom Finanzierungssystem – vor allem entscheidend, dass mehr öffentliche Gelder in die familienergänzende Kinderbetreuung fliessen. Auch in der Stadt Grenchen, die ein eigenes Krippenangebot unterhält. «Aufgrund der immer noch zu wenig gut ausgestalteten Sozialtarife bleiben allzu viele Kinder sich selbst überlassen.»

Bessere Durchmischung von Kindern aller sozialen Schichten

In Olten analysiert derzeit eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Stadt die Situation der familienergänzenden Kinderbetreuung. Als Fachexperte wirkt Peter Hruza, Inhaber eines spezialisierten Beratungsbüros mit Sitz im Horw (LU). Ohne Empfehlungen für Olten abgeben zu wollen, ist er vom System Betreuungsgutscheine überzeugt, das er selbst in Horw eingeführt hat. «Betreuungsgutscheine tragen zu einer Entmystifizierung von Kitas bei», sagt Hruza. Und: «Krippen erlangen so den Status einer gewöhnlichen Dienstleistung.»

In der Stadt Solothurn soll in rund einem Jahr die heutige Organisation der familienergänzenden Kinderbetreuung überprüft werden, wie Urs Bentz, der soeben pensionierte Leiter der Sozialen Dienste, erläutert. Dabei werde dann auch der Nutzen von Betreuungsgutscheinen genauer analysiert. Deren Vorteil sieht Bentz etwa in der Gleichbehandlung sämtlicher Kindertagesstätten. «Damit dürfte es in den Krippen auch zu einer besseren Durchmischung von Kindern aller sozialen Schichten kommen.»