Der Spatenstich zum grössten Hochbauprojekt des Kantons Solothurn ist eigentlich längst erfolgt. Mitte März bereits sind die Bagger an der Südseite des Bettenhauses aufgefahren und haben mit den Aushubarbeiten für den Neubau des Solothurner Bürgerspitals begonnen. «Wir liegen ganz im Zeitplan», sagte am Mittwoch stolz Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli vor zahlreichen Vertretern des Kantons und der Solothurner Spitäler AG (soH). «Für den offiziellen Spatenstich haben wir aber noch die letzte grüne Stelle stehen lassen», witzelte er.

Bevor auch noch diese Grasnabe weichen musste, würdigte eine Reihe von Festrednern die Bedeutung des 340-Millionen-Projekts. Geht alles glatt, steht 2020 der neue Behandlungs- und Bettentrakt. Und bis 2023 werden dann die heutigen Spital-Gebäude aus den Siebzigerjahren abgerissen sowie der zweigeschossige Wirtschaftstrakt erstellt.

Die Visualisierung des neuen Solothurner Bürgerspitals zeigt den Bau von Nordosten aus gesehen. zvg

Die Visualisierung des neuen Solothurner Bürgerspitals zeigt den Bau von Nordosten aus gesehen. zvg

Fürst: ein visionäres Projekt

Wird in den kommenden Monaten in die Tiefe gebaut, soll ab Ende September bereits der Rohbau hochgezogen werden. Die Bauarbeiten werden im ordentlichen Submissionsverfahren vergeben. Einer der grössten Brocken ist die Vergabe der Baumeisterarbeiten im Umfang von rund 25 bis 30 Mio. Franken, wie Gesamtprojektleiter Alfredo Pergola gestern am Rand des feierlichen Aktes sagte. Noch vor den Sommerferien sollen diese Arbeiten vergeben sein. Eine besondere Herausforderung für die Bauverantwortlichen bedeute die Logistik, unterstrich Pergola, sprich: das Heranschaffen des ganzen Baumaterials. Dank einer regelässigen Information der Anwohnerinnen und Anwohner habe man bis jetzt kaum verärgerte Telefonanrufe entgegennehmen müssen. Geglückt sei auch die im Rahmen des Vorprojekts erfolgte Verlegung der Parkplätze.

«Das neue Bürgerspital entspricht einer neuen Generation von Spitälern», würdigte Bernhard Mäusli das Solothurner Grossprojekt, dem das Stimmvolk im Juni 2012 grünes Licht gegeben hat. Ein Projekt, das sich schweizweit und auch im Ausland sehen lassen dürfe. Neben der Erdbebensicherheit hob der Kantonsbaumeister hervor, dass das neue Bürgerspital kaum über tragende Wände, sondern über 1000 tragende Stützen verfügen werde. «Auf diese Weise können Wände jederzeit ein- und wieder ausgebaut werden», was eine flexible Raumgestaltung garantiere. Statt der gerade mal fünf Lifte gebe es künftig 16 Aufzüge – eine notwendige Bedingung für mehr Effizienz in den Spital-Abläufen. Eine markante Qualitätsverbesserung für die Patienten bedeute zudem, dass es im neuen Spital nur noch Zweibettzimmer geben wird.

Baudirektor Roland Fürst sprach von einem «einmaligen Projekt», in das bereits «viel Herzblut» geflossen sei. Seit der Volksabstimmung vor drei Jahren sei das Projekt laufend optimiert worden. Als wesentliche Planungsbedingung nannte Regierungsrat Fürst, dass der Kredit nicht überschritten werden dürfe. «Wir sind auch in diesem Bereich gut unterwegs», versicherte er. Ein externes Projekt-Controlling, in dem auch parlamentarische Kommissionen vertreten sind, habe zudem ein wachsames Auge auf die Kostenentwicklung. Geradezu «visionär» bezeichnete Fürst die Energietechnik, die einen tiefen Energieverbrauch zur Folge haben wird. Zudem sei man daran zu klären, ob die Kühlung des Spitals mit Aarewasser möglich sei.

Gomm: nicht zu gross geplant

Peter Gomm, Vorsteher im Departement des Inneren, stellte den Neubau in den Kontext der Spitalplanung. Nach der Psychiatrischen Klinik und dem Kantonsspital Olten ist das neue Bürgerspital das dritte und gleichzeitig grösste Solothurner Spitalbauprojekt. Die Entwicklung der stationären und ambulanten Patientenzahlen machen dabei deutlich, so Gomm, dass die Planung für das neue Spital keinesfalls übertrieben ausgefallen sei. «Befürchtungen, dass sich Patienten aufgrund der freien Spitalwahl vermehrt ausserkantonal behandeln lassen, haben sich nicht bestätigt.» Das Bürgerspital als «wichtigstes Akutspital» im Kanton Solothurn habe eine tragende Rolle in der Nordwestschweizer Versorgungsplanung.

«Das neue Bürgerspital ist weder ein Luxusbau noch eine Architekturikone betonte Martin Häusermann, CEO der Solothurner Spitäler AG. Es handle sich um einen «modernen, kompakten Bau», der effiziente Prozessabläufe ermögliche. Der Bau werde den Bedürfnissen der Ärzteschaft gerecht, die heute interdisziplinär zusammenarbeite. Kopfzerbrechen habe bereitet, den Neubau so zu gestalten, dass er «strategische Entwicklungsmöglichkeiten» biete. Die neue «Nutzungsflexibilität», so Häusermann, schaffe die Voraussetzung, dass das Spital auch in 50 Jahren noch seine Funktion erfüllen werde.