Landwirtschaft
Starker Franken schwächt Solothurner Bauern

Die Milchbauern im Kanton Solothurn müssen sich wegen dem starken Franken auf Einbussen von rund 3 Millionen Franken gefasst machen. Auch Erdbeer-Produzenten werden den Preisdruck spüren.

Christoph Neuenschwander
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Seit Anfang Februar erhalten die Bauern vom Milchverband Nordwestschweiz drei Rappen weniger pro Kilogramm Milch. Archiv

Seit Anfang Februar erhalten die Bauern vom Milchverband Nordwestschweiz drei Rappen weniger pro Kilogramm Milch. Archiv

AZ

Früher oder später dürfte er alle Landwirte beschäftigen, aber am schnellsten haben ihn die Milchbauern zu spüren gekriegt: der starke Franken. Das Ende des Euro-Mindestkurses werde besonders jene treffen, die entweder landwirtschaftliche Produkte exportieren oder deren Produkte von Importware konkurrenziert wird, erklärt Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbands. In die zweite Kategorie fallen etwa Gemüsebauern, denen es in der kommenden Saison schwerfallen dürfte, mit den Preisen ausländischer Mitstreiter Schritt zu halten. «Ein grosser Preisdruck besteht auch immer bei den Erdbeeren», so Brügger. Dieser werde heuer sicher noch stärker auf den Schweizer Produzenten lasten.

Für die Milchlieferanten hat der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bereits reale Auswirkungen angenommen. Emmi beschloss als grösster Milchverarbeiter der Schweiz Ende Januar eine Preissenkung. Der Milchverband der Nordwestschweiz (Miba), dem die meisten der rund 500 Milchwirtschaftsbetriebe im Kanton Solothurn angehören, hat seine Tarife auf Anfang Februar entsprechend angepasst – um minus drei Rappen.

Ungewissheit beim Käse-Export

Dass der Eurokurs wieder etwas steigen wird, hofft auch Hans-Jörg Stoll, Käsermeister der Käserei Reckenkien. Würde sich der Kurs bei etwa 1.10 Franken einpendeln, liessen sich die Preisdifferenzen mit kleinen Massnahmen einigermassen auffangen, schätzt er. «Wir produzieren jährlich 80 000 Kilo Gruyère und 25 000 Kilo Regionalsorten», so Stoll. Bei Gruyère landet ungefähr ein Drittel des Käses im Ausland. Während man etwa bei Appenzeller und Emmentaler aufgrund des starken Frankens die Produktion runterfahre, versuche es Gruyère mit einer offensiveren Strategie: Die Preise im Ausland sollen um 10 bis 15 Prozent gesteigert werden.

Denn dass das Gleichgewicht aus den Fugen geraten ist, stehe ausser Frage: «Der Käse, der rein kommt, wird günstiger, derjenige der raus geht, wird teurer.» Bei den lokalen Käsesorten, die nur im Inland verkauft werden, rechnet der Käsermeister mit keinen grossen Problemen. «Wir haben dort ein anderes Zielpublikum. Das sind Leute, die lokale Produkte unterstützen wollen.» Diesen dürfte es auch zu verdanken sein, dass die Käserei Reckenkien nach eigenen Angaben im Moment noch den höchsten Milchpreis im Kanton zu bezahlen vermag. «Während die Miba seit dem 1. Februar noch 53 Rappen bezahlt, zahlen wir unseren Lieferanten 83 Rappen pro Kilo», so Stoll. (cnd)

96 Mio. Kilogramm Milch wurden 2013 im Kanton Solothurn produziert, wie Bauernsekretär Brügger vorrechnet. Sollte die Situation unverändert bleiben, müssten die Solothurner Milchbauern aufs Jahr gerechnet einen Verlust von rund drei Millionen Franken hinnehmen. Ein kleiner Betrieb, der an die 100 000 Kilo liefere, werde mit jährlichen Einbussen von rund 3000 Franken rechnen müssen. Auf grosse Betriebe mit 500 000 Kilo kommt ein Minus von 15 000 Franken zu.

«Das Problem ist, dass sich auf der Kostenseite nichts ändert», beurteilt Peter Brügger die Lage. «Es kann sein, dass bei der Mechanisierung in den Betrieben etwas geht, oder dass Einsparungen beim Kraftfutter möglich sind. Aber das wird die Mindereinnahmen nicht ausreichend kompensieren.»

Beim Export von Milchprodukten macht der Käse einen beträchtlichen Teil aus. Dort könne man den Preis kaum erhöhen, sonst kaufe den Käse am Ende niemand mehr, sagt Brügger. Umgekehrt dürften ausländische Käsesorten und Yoghurts in der Schweiz bald günstiger werden, wenn sie dem Kurs angepasst werden. Da die Herstellung dieser Produkte eine Weile daure, sei aber noch mit einer zeitlichen Verzögerung zu rechnen. Dazu kommt der Einkaufstourismus: Wenn der Eurokurs anhalte, dann dürften Shoppingausflüge über die Grenze zunehmend Druck auf die Preisgestaltung bei inländischen Landwirtschaftsprodukten ausüben.