SoBa

Star-Ökonom Thomas Straubhaar am Anlage-Apéro der SoBa

Im Solothurner Landhaus führte die Baloise Bank SoBa ihren traditionellen Anlage-Apéro durch. Es referierte der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar.

«Viele alte Grundannahmen der Ökonomie erweisen sich heute als trügerisch: Finanzmärkte entkoppeln sich von der Realwirtschaft, trotz Liquiditätsschwemme der Nationalbanken entsteht keine Inflation, viele Staatsanleihen sind alles andere als sicher und von Zinsen lässt sich längst nicht mehr leben».

Thomas Straubhaar, in Hamburg lebender und lehrender Ökonom mit Berner Oberländer Wurzeln, machte das zahlreiche Publikum im Solothurner Landhaus auf einige teilweise unangenehme Fakten aufmerksam. «Sie sind heute nun mal empirisch beobachtbar, obwohl die Ökonomen jahrzehntelang das Gegenteil behauptet haben.

Eurokrise nicht bewältigt

Die Konsequenzen für Anleger sind vielfältig. Straubhaar zeigte auf, dass diese neuen Rahmenbedingungen zwar die Unsicherheit erhöhen, eine erfolgreiche Anlagetätigkeit allerdings nach wie vor möglich sei. Für Straubhaar ist allerdings klar, dass «die Musik nicht in Europa spielt», solange die Eurokrise nicht bewältigt ist. Und dies werde noch einige Zeit dauern.

Allerdings glaubt er nicht an ein Ende des Euro. «Dass der Euro erhalten bleibt ist für mich keine Frage. Die Frage ist, wer für seinen Erhalt zahlt.» Aller Augen ruhen dabei auf Deutschland als ökonomisch weitaus stärkstes Land, wo auch die Wirtschaft nach wie vor rund läuft.

Straubhaar unterstrich in diesem Zusammenhang die starke wirtschaftliche Verflechtung der Schweiz mit Deutschland. «Die Zulieferindustrie der Schweiz, insbesondere auch in der Region Solothurn, ist in hohem Mass vom Wohlergehen der deutschen Wirtschaft abhängig.» Dies zu verkennen, sei Selbsttäuschung.

Wo spielt dann die Musik? - «Längerfristige Anlagechancen sehe ich in Märkten mit hohem Bevölkerungswachstum, in den Branchen Handel, Logistik, Infrastruktur, Energieversorgung und Energieeffizienz», erklärte Straubhaar. Auch die USA arbeiteten mit Volldampf an einer autarken Energieversorgung mit Kernkraft und Fracking (einer umstrittenen Form der Gas- und Ölgewinnung). Straubhaar rechnet deshalb mit einem Boom in den USA, der mit einer Re-Industrialisierung verbunden ist. Demgegenüber erwartet er eine Abflachung des Wachstumstempos in China. Das fulminante Wachstum in China sei nicht nachhaltig und zeitige allmählich gesellschaftlich und ökologisch desaströse Folgen.

Die SNB als Spekulantin

Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in der Schweiz sei «besser als die Stimmung». Den Ausstieg aus der Kernenergie bezeichnete Straubhaar in der Fragerunde aber als «hochgradig riskant» für den Produktionsstandort. Auch die Anbindung des Frankens an den Euro sei mit Risiken verbunden. «Die Nationalbank ist inzwischen die grösste Währungsspekulantin der Welt.» Moderator Dani Fohrler von SRF führte durch den Abend und leitete nach dem Vortragsteil eine Fragerunde mit dem Publikum.

Gutes Aktienjahr

Rainer Wyss, Anlagechef der Baloise Bank SoBa, hielt zuvor einen Rück- und Ausblick auf die Jahre 2012/2013. «Wir hatten ein sehr gutes Aktienjahr mit einem Plus des SPI von 18 Prozent», bilanzierte Wyss.

Insbesondere Schweizer Aktien hätten sich erfreulich entwickelt. Indikatoren der «Behavioural Finance», welche die SoBa für ihre Analysen vermehrt berücksichtige, zeigten, dass je pessimistischer Anlageprofis gegenüber Aktien eingestellt seien, desto grösser die Renditechancen seien. Diversifikation bleibe aber auch 2013 das A und O.

SoBa-Chef Jürg Ritz erwähnte in seiner Begrüssung das 150-Jahre-Jubiläum der Basler Versicherung - die SoBa gehört zum Baloise-Konzern.

Meistgesehen

Artboard 1