Hägendorf
Standortmängel: Die Gemeinde will einen neuen Kindergarten bauen

Der bestehende Kindergarten an der Bachstrasse in Hägendorf hat Mängel. Auch die Sozialregion Untergäu soll umziehen. Die Entscheidung liegt bei der Gemeindeversammlung.

Karola Dirlam
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Auf dem Spielplatz bei der Dünnernstrasse soll der eingeschossige Holzbau für 24 Kinder entstehen.

Auf dem Spielplatz bei der Dünnernstrasse soll der eingeschossige Holzbau für 24 Kinder entstehen.

Bruno Kissling

«Die Fenster sind mangelhaft, es hat Mäuse im Keller, wegen offen liegender Heizungsrohre besteht Verbrennungsgefahr, das Bad ist in schlechtem Zustand», zählt Hägendorfs Bauverwalter Walter Müller die Mängel des Kindergarten-Standorts an der Bachstrasse auf. Da die Gemeinde Hägendorf den Bereich des Gebäudes, in dem der Kindergarten untergebracht ist, lediglich mietet, hat sie aber nur wenig Einfluss darauf, ob die Mängel behoben werden oder nicht. Zudem sei eine umfassende Sanierung während laufendem Kindergartenbetrieb sowieso nicht möglich, und der Standort habe auch noch andere Nachteile: «Zum Beispiel ist er durch die direkt nebenan verlaufende Bahnlinie sehr lärmintensiv», so Müller.

Die Gemeinde sei deshalb der Meinung, dass man vorausschauend planen müsse und nicht zuwarten dürfe, bis man den Kindergarten Bach gar nicht mehr nutzen könne. Das heisst konkret: Man hat andere Optionen geprüft, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, einen alternativen Kindergarten-Standort auf einem gemeindeeigenen Grundstück gesucht. Und gefunden: Wenn die Gemeindeversammlung morgen Dienstag zustimmt, soll an der unteren Dünnernstrasse ein eingeschossiger Holzbau entstehen, in dem bis zu 24 Kinder untergebracht werden können.

Dies entspricht der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstzahl für eine Kindergartengruppe und würde im Vergleich zum jetzigen Kindergarten an der Bachstrasse keine Kapazitätssteigerung bedeuten. «Die höchsten Schülerzahlen sind für das Jahr 2019 vorausberechnet. Danach sollen sie wieder fallen», gibt Gemeindepräsident Andreas Heller Einblick in die Überlegungen der Gemeinde. «Sollten wir zu einem späteren Zeitpunkt doch noch einmal mehr Platz brauchen, könnten wir problemlos aufstocken.» Der Kostenunterschied zwischen dieser Variante und einem von Beginn an doppelstöckig realisierten Gebäude ist gemäss Bauverwaltung marginal.

Kurze Bauzeit

Noch dieses Frühjahr soll das Projekt ausgeschrieben, im März 2019 mit dem Bau begonnen werden. «Wir rechnen mit einer Bauzeit von drei bis vier Monaten», erläutert Walter Müller. «Zum Schuljahr 2019/20 könnte der neue Kindergarten in Betrieb genommen werden.» Auf einer Fläche von etwa 250 Quadratmetern stünden den Kindergärtnern ein Hauptraum, ein Gruppenraum, ein Werkraum, eine Garderobe, ein WC und ein Technikraum zur Verfügung. Unterkellert werde der neue Kindergarten nicht. Auf dem benachbarten Grundstück, das ebenfalls der Gemeinde gehört, sei genügend Platz zum Spielen vorhanden, so Müller.

Die Sozialregion Untergäu soll ins Ex-Motorola-Gebäude an der Fabrikstrasse ziehen.

Die Sozialregion Untergäu soll ins Ex-Motorola-Gebäude an der Fabrikstrasse ziehen.

Bruno Kissling

Kostenpunkt des Projekts: 972'000 Franken inklusive Reserve. Im Vergleich zur aktuellen Miete klingt das nach ziemlich viel Geld. Aber: «Die Zustände im Kindergarten Bach sind nicht mehr lange tragbar», meint Walter Müller. Es müsse gehandelt werden. Deshalb habe man verschiedene Ansätze und Standorte überprüft. So stehe zum Beispiel die Idee eines Schulzentrums am Standort Späri, in dem alle Kindergärtner und Primarschüler des Dorfes den Unterricht besuchen, dem Gedanken von dezentralen Kindergärten gegenüber, bei dem die Kinder nur einen kurzen Weg zurücklegen müssen und weniger von den Eltern chauffiert werden, erläutert Andreas Heller.

Beide Ideen hätten Vor- und Nachteile – etwa in Bezug auf Durchmischung, Schulweg, Verkehr und Kompatibilität mit einstigen Tagesstrukturen. «Der Gemeinderat hat sich, dem pragmatischen Ansatz folgend, dafür ausgesprochen, der Gemeindeversammlung einen dezentralen Standort vorzuschlagen», meint Heller abschliessend.

Auch Sozialregion soll umziehen

Auch die Mitarbeiter der bisher im Gebäude der Hägendörfer Gemeindeverwaltung untergebrachten Sozialregion Untergäu (SRU) sollen ihre Zügelkisten packen und in der Fabrikstrasse ein neues Domizil bekommen. Schon seit einiger Zeit ist von Platzmangel, Sicherheitslücken und fehlender Diskretion für die Klienten in den jetzigen Büroräumlichkeiten die Rede. Die Sozialregion Untergäu habe deshalb verschiedene Optionen geprüft, erklärt Gemeindepräsident Andreas Heller. Eine Verlagerung in die Liegenschaft der alten Post in Wangen bei Olten sei schwierig, da der Standort der SRU gemäss Satzung in Hägendorf verortet ist. Für einen Wegzug müsste der Vertrag geändert werden. Dazu bräuchte es wiederum die Zustimmung aller sieben Mitgliedsgemeinden. Ein kompliziertes Unterfangen.

Ein Aus- und Umbau des zweiten Geschosses des Verwaltungsgebäudes an der Bachstrasse wäre hingegen «ein Flickwerk», so Heller. «Es gäbe kein Potenzial aufwärts. SRU und Gemeinde könnten sich nicht weiter entwickeln und keine wirklich attraktiven Arbeitsplätze bieten.» Über die Möglichkeit, sich in das ehemalige Motorola-Gebäude an der Hägendörfer Fabrikstrasse einzumieten, habe die SRU von Anfang an diskutiert, führt der Gemeindepräsident weiter aus. Ursprünglich aus Kostengründen habe man diese Option zuerst nicht weiterverfolgt. Ausschlaggebend sei dann jedoch gewesen, dass es an der Fabrikstrasse möglich sei, den vor Jahren aus Platzgründen nach Olten ausgelagerten Kindesschutz wieder einzugliedern. Keine der anderen Optionen biete diese Möglichkeit, durch die in Zukunft ungefähr 100'000 Franken pro Jahr eingespart werden können.

Andreas Heller spricht von einer Win-win-Situation: «Wir schaffen bessere Arbeitsbedingungen und höhere Sicherheit für alle – die Mitarbeiter der Sozialregion und die der Gemeindeverwaltung.» Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf insgesamt 337'000 Franken für alle sieben Sozialregion-Gemeinden. Stimmt die Gemeindeversammlung dem Kreditanteil in Höhe von 91'600 Franken zu, könnte der Umzug an die Fabrikstrasse nach Zustimmung der Teilkredite in den anderen sechs Gemeinden im Oktober 2018 über die Bühne gehen.

Gemeindeversammlung Hägendorf:

Dienstag, 13. März, 20 Uhr, Aula Schulhaus Oberdorf