Google-Auswertung

Standortdaten von Google zeigen: Solothurner wollen trotz Corona nicht auf ihre Freiheit verzichten

Die Google-Daten zeigen: Die Solothurner befinden sich im schweizweiten Vergleich noch öfter ausser Haus. (Archivbild vom Tag 2 nach der COVID-19 Verordnung)

Die Google-Daten zeigen: Die Solothurner befinden sich im schweizweiten Vergleich noch öfter ausser Haus. (Archivbild vom Tag 2 nach der COVID-19 Verordnung)

Läden, ÖV, Parks: Bewegungsdaten von Google zeigen, wo sich die Solothurnerinnen und Solothurner zur Zeit besonders häufig aufhalten. Aufgrund der Coronakrise ist zwar ein Rückgang zu verzeichnen – im schweizweiten Vergleich wagt man sich in diesem Kanton aber häufiger nach draussen.

«Bleiben Sie wenn möglich zu Hause»: Der Aufruf des Bundesrates zur Eindämmung des Coronavirus wird nicht überall gleich gut befolgt. Im Kanton Solothurn wagen sich im Vergleich zur restlichen Schweiz immer noch viele Menschen nach draussen. Dies zeigen anonymisierte Standortdaten von Handys, die Google ausgewertet und öffentlich gemacht hat. Sie verglich dabei die Bewegungsdaten vom 16. Februar bis 29. März mit den ersten fünf Wochen des Jahres.

Insbesondere den Aufenthalt in Parks und auf öffentlichen Plätzen lassen sich die Solothurnerinnen und Solothurner gemäss den Google-Daten nicht nehmen: So sank die Zahl um lediglich 13 Prozent, während in der restlichen Schweiz eine Veränderung von minus 41 Prozentpunkten verzeichnet wurde.  

Die Google-Daten zeigen in sämtlichen Kategorien dasselbe Bild: Die Solothurnerinnen und Solothurner sind zwar seltener im öffentlichen Raum anzutreffen, als dies vor dem Ausbruch der Coronakrise der Fall war. Trotzdem beläuft sich der Rückgang der Bewegungen ausserhalb des Hauses in allen Sektoren auf weniger als der schweizweite Durchschnitt.   

Auffällig ist auch: Die Google-Daten belegen die Hamsterkäufe. Die Zahl der Besuche in Lebensmittelläden und Apotheken stieg Ende Februar ein erstes Mal an, nachdem die ersten Menschen im Land positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die zweite Einkaufswelle folgte Mitte März, als der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausrief.

Enorm ist derweil der Rückgang bei der Kategorie «Einzelhandel und Freizeit», womit Google unter anderem Aufenthalte in Restaurants, Cafés, Museen und Shoppingcenter untersuchte. Schweizweit beträgt das Minus 81 Prozent, im Kanton Solothurn sind es 77 Prozent. Auch an den Busstationen und Bahnhöfen war ein Rückgang von 63 Prozentpunkten zu verzeichnen. Das sind nur fünf Prozentpunkte weniger, als dies schweizweit der Fall ist (68 Prozent).

Mehr Disziplin im Tessin und der Westschweiz

Stellt sich die Frage, warum die Menschen in Solothurn die Empfehlungen des Bundesrates weniger strikt befolgen als der Durchschnittsschweizer. Die Daten zeigen klar: In jenen Kantonen, in denen es pro hunderttausend Einwohner besonders viele Coronafälle gibt, wie etwa im Tessin, in Genf, Waadt und im Wallis, halten sich die Menschen besonders stark an die Empfehlungen des Bundesrates.

In all diesen Kantonen sank beispielsweise die Zahl der Besuche in Lebensmittelläden um mindestens 50 Prozent, im Tessin und im Wallis gar um fast 70 Prozent.

Daten wurden zur Auswertung anonymisiert

Im Anhang des Google-Berichts, der im Internet öffentlich zugänglich ist, heisst es: Die Auswertungen sollen es den Behörden ermöglichen, die Wirkung ihrer Massnahmen einzuschätzen. Die Zahlen wurden für 131 Länder veröffentlicht. Ausgewertet hat der Technologiekonzern die Standortdaten von Millionen Smartphones, die mit dem Betriebssystem Android laufen. Allerdings wurde nur auf Daten jener Handynutzer zurückgegriffen, welche die standardmässig deaktivierte Einstellung für den Standortverlauf aktiviert hatten. Die gesammelten Daten seien für die Auswertung anonymisiert worden. Veröffentlicht wurden zudem nur prozentuale Veränderungen und nicht absolute Zahlen, sodass alles in allem keine Rückschlüsse auf das Bewegungsprofil Einzelner gemacht werden könnten. Wann der nächste Bericht folgt, teilt Google nicht mit.

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