Classionata Mümliswil
Standing Ovations für das Singstück über Liebe und Revolution

Die traditionell inszenierte Operette «Der Bettelstudent» begeisterte das Publikum bei der Premiere in der voll besetzten Aula im Schulhaus Brühl in Mümliswil.

Peter Kaufmann
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Die Solisten und der «Classionata» Chor entführten das Publikum in der Aula des Schulhauses Brühl in Mümliswil ins besetzte polinsche Krakau im Jahr 1704.

Die Solisten und der «Classionata» Chor entführten das Publikum in der Aula des Schulhauses Brühl in Mümliswil ins besetzte polinsche Krakau im Jahr 1704.

Hansruedi Aeschbacher

Liebe ist Krieg!», behauptet Oberst Ollendorf, der als sächsischer Gouverneur im Jahre 1704 das besetzte polnische Krakau beherrscht. Vor allen Leuten hat ihn die polnische Komtesse Laura (Luisa Albrechtová) auf einem Ball mit dem Fächer geohrfeigt, dabei hat er sie «ja nur auf die Schulter geküsst». Seine Rache ist furchtbar. Er holt zwei Studenten aus dem Gefängnis und gibt den einen als reichen Fürsten aus. Prompt verliebt sich Laura in den verkleideten Bettelstudenten Simon (Michael Kurz) und erfährt erst nach der Hochzeit auf grausame Weise und zum Schrecken ihrer Mutter (Sandra Rohrer-Sacher), dass ihr Ehemann mausarm ist.

Kann diese Liebe bestehen? Die Liebesgeschichte von Laura und Simon wird in der Operette «Der Bettelstudent», dem meistgespielten und populärsten Werk des Wiener Komponisten Carl Millöcker (1842–1899), raffiniert gespiegelt und durch eine Nebenhandlung gebrochen: Lauras Schwester (Verena te Best) verliebt sich in Jan (Richard Klein), den Sekretär des angeblichen Fürsten, obwohl sie glaubt, auch er sei ein armer Student. Doch Jan ist in Wahrheit ein Graf und ein Agent des polnischen Königs, der einen Umsturz plant ...

Weitere Aufführungen:

18.; 19.; 21.; 22.; 23.; 24.; 25.; 26. 4. jeweils 19.30 Uhr, sonntags 17 Uhr in der Aula Schulhaus Brühl Mümliswil. «Mozart-Gala» Montag, 20.4., 19.30 Uhr in der kath. Kirche Mümliswil.

Solisten werden gefordert

Liebe und Revolution in den Zeiten des Umbruchs: Ein guter Vorwand, um Unterschiede der verschiedenen Bevölkerungsgruppen humorvoll gegeneinander auszuspielen, mit Ironie auf Standesdünkel hinzuweisen und nicht zuletzt mit eingängigen Melodien vergnügliche Unterhaltung zu bieten. Doch so leicht und harmonisch die Musik auch klingt, stellt sie für das mit vielen jungen Schweizer Musikern besetzte, eigens für die Classionata zusammengestellte Orchester vielfältige und anspruchsvolle Aufgaben. Chefdirigent Andreas Spörri, Initiator und Intendant der Mümliswiler Musikfesttage, meinte denn auch in einem kurzen Gespräch vor der Premiere: «Manche sagen, das Millöcker-Werk wechsle alle 20 Sekunden das Tempo. Jede Operette stellt aber nicht nur an das Orchester, sondern auch an die Solisten hohe Anforderungen: Sie müssen gut singen, aber auch sprechen und tanzen können.»

Zurück zu den Wurzeln

Andreas Spörri hat den «Bettelstudenten» im Laufe seiner internationalen Karriere schon mehrmals dirigiert. Diesmal hat es ihn gereizt, die Rolle des Obersten Ollendorf mit einem Tenor statt wie in der gängigen Aufführungspraxis mit einem Bassbariton zu besetzen: «Bei der Uraufführung hat ein Tenor diese Rolle gesungen. Weil wir dies auch so machen, können wir das Werk in der Originaltonart spielen. In den Ensembleszenen gibt es zudem eine zusätzliche helle Stimmfarbe.» Ein geglücktes Unterfangen: Die Operette klingt frischer als gewohnt. Die Obersten-Rolle konnte mit dem humorvollen, köstlich komisch agierenden deutschen Tenor Rouwen Huther besetzt werden, der gesanglich und darstellerisch überzeugt. Mit seiner Spielfreude steckte er alle andern Darsteller an: Klamauk mit Herz, gekonnt eingesetzt. Regisseur Thomas Mittmann hat sympathisch traditionell inszeniert, aber die Handlung gut durchstrukturiert und einfallsreich mit witzigen Gags bestückt.

Ein Solothurner Kulturereignis»

Die «Classionata» sei eines der grossen Solothurner Kulturereignisse, stellte Regierungsrat Remo Ankli in seinen Begrüssungsworten fest. In der Operette gehe es um ewiggleiche menschliche Themen, um Gefühle, um Freude und Leid. Und manch einen Satz könnten Solothurner Politiker mit Überzeugung ebenfalls singen, meinte der Kulturminister – so etwa die Arie des Bettelstudenten «Ich hab’ kein Geld».