Industrie
Stahl Gerlafingen hat «ambitiöse Ziele»

Das Gerlafinger Stahlwerk hat ein grosses Ziel: Es will 2013 zweistellig wachsen, um rentabel zu bleiben. Die Strompreise belasten das Unternehmen jedoch.

Franz Schaible
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Die Anlagen des Stahlwerkes waren 2012 voll ausgelastet, trotzdem sanken die Erlöse.

Die Anlagen des Stahlwerkes waren 2012 voll ausgelastet, trotzdem sanken die Erlöse.

Felix Gerber

«Die Stahl Gerlafingen AG konnte im Geschäftsjahr 2012 ihre Stellung im hart umkämpften Markt behaupten», sag Lukas Stuber, Chef des zur italienischen Beltrame-Gruppe gehörenden Stahlwerkes in Gerlafingen. Sowohl Produktion wie Auslieferungen hätten insgesamt auf hohem Niveau gehalten werden können. «Die Anlagen im Werk waren voll ausgelastet.»

Diese doch recht erfreulichen Nachrichten untermauert Stuber mit einigen Zahlen. Der Absatz stieg um 3,7 Prozent auf rund 676 000 Tonnen. Davon entfielen 551 000 Tonnen auf Betonstahl und Matten (– 1,6 Prozent) und 125 000 Tonnen auf Stabstahl und Träger (+ 36 Prozent). Die starke Zunahme beim Profilstahl ist auf die Inbetriebnahme der neuen, 180 Millionen Franken teuren, Profilwalzstrasse zurückzuführen.

Weniger Umsatz und Gewinn

Allerdings konnten die Erlöse mit dem Mengenwachstum nicht Schritt halten. Denn der Umsatz sank um 4,6 Prozent auf 433 Millionen Franken, und der Betriebsgewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda) liegt unter dem Vorjahresergebnis von 2011, wie Lukas Stuber darlegt. Damals schrieb Gerlafingen einen Betriebsgewinn von rund 20 Millionen Franken. Der Umsatz- und Gewinnrückgang widerspiegle die schwierige Wirtschaftssituation in den ausländischen Märkten. «Um die Vollauslastung des Werkes sicherzustellen, mussten teilweise Preiskonzessionen gemacht werden.»

Unverändert geblieben sind die zwei grossen Herausforderungen für das ehemalige Von-Roll-Stahlwerk. Bei einem Exportanteil von über 40 Prozent drückt der trotz leichter Abwertung weiterhin starke Franken auf die Marge. «Auf einen tiefen Eurokurs gegenüber dem Franken müssen wir uns einstellen», sagt Stuber.

Reaktion auf hohe Strompreise

Das zweite Hauptproblem für das stromintensive Unternehmen bleiben die Energiepreise. Mit einem Anteil von 13 Prozent am gesamten Kostenblock ist der Aufwand für die Energieversorgung höher als die Personalkosten. Deshalb sind diese Preise für Stahl Gerlafingen ein entscheidender Faktor im Wettbewerb, wie Lukas Stuber ausführt. Denn die Beltrame-Schwesterwerke in Frankreich und Italien müssten für dieselbe Menge produzierten Stahls rund 15 Millionen Franken weniger Stromkosten bezahlen. Da könne der Standort Gerlafingen weiterhin nicht mithalten.

Allerdings erwartet das Management ab 2014 eine leichte Entspannung an der Strompreisfront. Wie bereits im vergangenen Dezember angekündigt, wird das Stahlwerk ab 2014 seinen Strom auf dem freien Markt beschaffen. Das vor Bundesgericht erstrittene Anrecht, den Strom in der Grundversorgung zu Gestehungskosten zu beziehen, habe nicht zur erwarteten Preissenkung geführt. Deshalb werde man den Stromliefervertrag mit dem Versorger AEK Energie AG Solothurn Ende 2013 auslaufen lassen (wir berichteten). Neu wird die Beltrame-Tochter den Grossteil der Energie auf dem freien Strommarkt einkaufen. Zudem wird der Berner Stromkonzern BKW als neuer Dienstleistungspartner den Stahlbetrieb in Energiefragen beraten. Angesichts der günstigen Preise auf dem freien Strommarkt erhofft sich Stahl Gerlafingen künftig tiefere Energiekosten. Überdies ebnete der Nationalrat in der Frühjahrssession den Weg zur Befreiung von der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) für stromintensive Betriebe. Wenn der Ständerat in der Sommersession auch ja sagt, dann wird die neue Regelung 2014 in Kraft treten. «Wir erwarten eine jährliche Entlastung von über einer Million Franken», heisst es in Gerlafingen.

16 Prozent mehr Umsatz budgetiert

Für 2013 hat sich der Industriebetrieb hohe Ziele gesetzt. Der Absatz soll laut Angaben von Lukas Stuber um fast zwölf Prozent auf 753 600 Tonnen Stahl gesteigert werden. Beim Umsatz ist ein Plus von 16 Prozent auf 503 Millionen Franken budgetiert. «Das sind sehr ambitiöse Ziele», räumt Kommunikationschef Daniel Aebli auf Nachfrage ein. Die Vorgabe zeige, dass es angesichts der immer tieferen Marge ein genügend hohes Absatzvolumen brauche, um rentabel zu bleiben. «Das Werk muss voll ausgelastet sein.» So sei die Einführung von Kurzarbeit derzeit kein Thema, versichert Aebli, der auch Personalchef im Stahlwerk ist. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Personalbestand nicht verändert. Ende 2012 beschäftigte das Werk 545 Angestellte und 35 Lernende.

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