Autodiebe
Stadtpolizisten wollen Dieben zuvorkommen

Prävention Autoaufbrüche und Diebstähle nehmen zu – Stadtpolizei Grenchen geht mit Präventivaktion dagegen vor.

Patrick Furrer (Text und Fotos)
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Da tut Beratung not und gut.

Da tut Beratung not und gut.

An deftig heissen Sommertagen lässt so manch einer beim Parkieren die Autofenster offen, damit das liebe Wägelchen bis zur Rückkehr nicht zur mobilen Sauna mutiert. Doch das macht das Fahrzeug für Diebe, die derzeit fleissig unterwegs sind, nur attraktiver. Dass Verbrecher Autos aufbrechen und Wertgegenstände mitgehen lassen, passiert öfter, als man denkt. Erst recht in letzter Zeit. Die Stadtpolizei nimmt sich dem mit einer speziellen Präventivaktion an.

Die Badi gehört zu den besonders stark betroffenen Orten in Grenchen, aber auch bei der Veloherstellerin BMC und an der Gibelstrasse stellte die Stadtpolizei in letzter Zeit vermehrt Diebstähle fest. Nicht nur dort, wo die Fenster offen gelassen wurden – oft gingen die Täter mit Brachialgewalt vor und schlugen die Autofenster ein. Nur zur Verdeutlichung: Allein bis Ende Juni des laufenden Jahres wurden der Kantonspolizei rund 440 Fälle von Fahrzeugaufbrüchen gemeldet. Seit einigen Monaten nimmt die Zahl markant zu, was unter anderem auf steigende Migrationszahlen zurückgeführt wird. 2011 gab es im Kanton Solothurn 630 derartige Verbrechen.

Wertvolles nicht liegen lassen

Um die Leute zu sensibilisieren, sind Stadtpolizisten in den kommenden Wochen auf den öffentlichen Parkplätzen in Grenchen unterwegs. Es geht um Diebstahlschutz, und das Prinzip der Aktion ist simpel: «Wenn der Blick ins Auto keine lohnende Beute verspricht, reduziert sich auch die Gefahr eines Aufbruchs», sagt Polizeikommandant Robert Gerber. Wertvolles sollte nie liegen gelassen werden, was vor allem für Handtaschen, Portemonnaies, Handy, Fotoapparate oder auch Navigationsgeräte gilt. Verteilt werden Flugblätter mit zwei Seiten – auf der einen findet der Autofahrer wertvolle Sicherheitstipps (siehe Box rechts), auf der anderen steht gross geschrieben: «Stopp – in diesem Auto liegen keine wertvollen Gegenstände.» Wer das Schild in seinem Auto anbringt, signalisiert so dem Dieb, dass es nichts zu holen gibt und ermahnt sich selbst, nichts liegen zu lassen.

Information aus erster Hand

Eindrückliches kommt bei der Begleitung der Polizei auf ihrer Präventionstour zutage: Schon nach einer Minute findet Stadtpolizist Kilian Messerli auf dem Postparkplatz Nord einen verlassenen roten Opel, dessen Fenster so weit offen sind, dass locker ein Kind reinklettern könnte. Er greift durchs Fenster und hängt den Flyer an den Innenspiegel – ein regelrechter Denkzettel für den Lenker. Der Frau im schwarzen Kia Sorento, welche eben parkiert hat, reicht er ein Infoblatt und erklärt ihr, worum es geht. Auch wenn die zweifache Mutter im silbernen Citroën meint, sie habe «eh nur Grümpel» im Auto, nimmt auch sie die Hinweise des Polizisten ernst.

Wenig später bei der Badi: Ein grauer Peugeot 308 steht abgestellt auf dem Parkplatz, auch hier mit einladend geöffneten Fenstern (siehe Bild). Es ist ein Leichtes, die Türe zu öffnen. Letztlich lassen die Polizisten den über 80-jährigen Mann in der Badi ausrufen, damit er sein Auto wieder schliessen kann. Dieser reagiert überrascht, als er sieht, wie einfach die Polizei in sein Fahrzeug kam, und wie leicht dies damit einem Dieb gelungen wäre. «Da sehen Sie, wie schnell das gehen kann», sagt Polizist Messerli. Der Mann bedankt sich mit einer Prise Humor: «Dir sit scho schlaui Cheibe.» Tatsächlich schlauer als mancher Verbrecher. Die Polizisten wüssten nämlich, wie man die Scheibe eines Autos sogar lautlos einschlagen kann. Um aber keine Einbruchtipps zu geben, sei der Trick an dieser Stelle wohlwissentlich verschwiegen.