Logiernächte
Stadthotellerie leidet weniger unter der Frankenstärke

Direkt unter der Frankenstärke werden die Hotels der Region Solothurn kaum stark leiden. Indirekt aber schon. Falls die Konjunktur abflaut, werden die Firmen sparen – nicht zuletzt bei Kongressen und Seminaren.

Franz Schaible
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Die Stadthotellerie hat ein Rekordjahr hinter sich.

Die Stadthotellerie hat ein Rekordjahr hinter sich.

Felix Gerber

Die Hotellerie in den Städten der Region kann grossteils auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Ob in Solothurn, Bern, Grenchen oder Olten – bei der Anzahl Übernachtungen resultierten einmal mehr Rekordzahlen. Das ist keine Eintagesfliege, sondern «ein Trend, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist», sagt Christoph Siegrist, Präsident von Grenchen Tourismus. Die längerfristige Betrachtung gibt ihm recht. Seit 2002 hat sich die Zahl der Logiernächte – wenn auch vergleichsweise auf tiefem Niveau – teilweise um 50 oder 100 Prozent erhöht. Also deutlich mehr als in klassischen Tourismusregionen. «Es zeigt sich, dass von der steigenden Lust auf Städtereisen innerhalb der Schweiz nicht nur die Grossen, sondern eben auch mittelgrosse und kleinere Städte profitieren», ergänzt Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus.

Auf «ein sehr gutes Geschäftsjahr 2014» kann beispielsweise das Hotel Ramada, mit 100 Zimmern und 200 Betten das mit Abstand grösste in Solothurn, zurückblicken, wie Direktor Daniel Siegenthaler berichtet. Die Zahl der Logiernächte sei um rund 2,5 Prozent gestiegen, die Zimmerauslastung sei von 71 auf über 73 Prozent geklettert. Umso positiver sei das Ergebnis, weil man seit der Eröffnung des Standortes Solothurn im Dezember 2006 stetig neue Rekorde erzielt habe. Den Hauptgrund ortet Siegenthaler in der gut laufenden Wirtschaft im Raum Solothurn. Entfallen doch rund zwei Drittel der Übernachtungen auf den Geschäfts- und Kongresstourismus. Positive Spuren hätten generell die Exportindustrie und im speziellen die Uhrenindustrie hinterlassen. «Wir haben sehr viele ‹Firmengäste› aus der Uhrenregion Grenchen, aber auch aus der Westschweiz.» Ebenfalls der Medtechkonzern DePuy Synthes mit dem neuen Europahauptsitz in Zuchwil generiere viele Gäste. In den anderen Städten wird die Begründung bestätigt.

Nach dem Frankenschock hat sich die Ausgangslage im laufenden Jahr aber verändert. Die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung werden in düsteren Farben gemalt. Davon betroffen ist überdurchschnittlich die Region Solothurn bis Oberaargau, wo sehr viele Exportfirmen angesiedelt sind. Doch im Gegensatz zu expliziten Tourismushochburgen ist bei der Stadthotellerie im Mittelland kaum Panik zu spüren. Direkte Auswirkungen der Frankenstärke werden vorerst kaum befürchtet. «Der in den Städten der Region dominierende Geschäftstourismus reagiert auf Preisschwankungen weniger sensibel als der Freizeittourismus», begründet Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus. Sein Berufskollege Christoph Siegrist aus Grenchen glaubt auch nicht, dass der Wechselkurs für dieses Gästesegment ausschlaggebend ist, weil «die Übernachtungen in der Regel geschäftlich nötig sind». Geschäftstouristen hätten eine andere Reisemotivation als Privattouristen, sagt Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus: «Während Letztere das Reiseziel gerade auch wegen der Preisstruktur wählen, müssen Geschäftstouristen das Reiseziel besuchen und können nicht auf andere Destinationen ausweichen.»

Trotzdem. die frankenstärke wird sich auswirken, allerdings indirekt, erläutert Ramada-Chef Siegenthaler. Die Firmen würden ihre Anlässe aus Kostengründen anders durchführen. So habe beispielsweise ein Stammkunde, der regelmässig Seminare in Solothurn durchführe, kurzfristig entschieden, dass die Teilnehmenden nicht im Hotel übernachten. Über das ganze Jahr rechnet Siegenthaler allenfalls mit einer leichten Einbusse. «Aber wir werden unter dem starken Franken nie so stark leiden wie Destinationen in den Bergen.» In Olten, wo über 80 Prozent der Hotelübernachtungen auf den Geschäfts- und Kongresstourismus entfallen, will man die Entwicklung im Auge behalten. «Falls sich die Konjunktur wegen des Wechselkurses tatsächlich abschwächen wird, wird dies letztlich auch die Stadthotellerie zu spüren bekommen», sagt Stefan Ulrich von Olten Tourismus. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter den Oltner Hotels habe ergeben, dass ein solcher Effekt bislang nicht registriert worden sei.

Eine interessante Überlegung macht der Solothurner Verkehrsdirektor Hofer: «Die Dachorganisation Schweiz Tourismus will nach dem Euroschock gesamtschweizerisch den Kongresstourismus – auch mit finanziellen Mitteln – fördern. Die Städte im Mittelland werden so zusätzlich schweizinterne Konkurrenz erhalten.» An die Möglichkeit, dass die Stadthotels als Reaktion ihre Preise dem Wechselkurs anpassen, glaubt Hofer hingegen nicht. «Das ist nicht geplant. Allenfalls werden wir das Leistungspaket erweitern, zum Beispiel mit Gratisparkplätzen in der Garage oder einem zusätzlich offerierten Aperitif», heisst es beim Ramada Solothurn. Ruhig Blut bewahren empfiehlt der Berner Verkehrsdirektor Markus Lergier: «Kurzfristige Aktionen und überhastete Preissenkungen bringen längerfristig nichts.»

Ob explizit wegen der Frankenstärke weniger Privattouristen in den Städten übernachten werden, sei noch offen. Allfällige Auswirkungen dürften sich wohl erst im Sommer abzeichnen, sagt Lergier. Im Durchschnitt entfallen in den Städten unserer Region je rund die Hälfte auf aus- und inländische Gäste. «Es ist denkbar, dass der Wechselkurs im Privatsegment Bremsspuren hinterlassen wird», sagt Jürgen Hofer.