Amtsgericht
Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Knast für Tankstellenräuber

Sein Überfall auf die Coop-Tankstelle in Grenchen scheiterte kläglich. Er sei von Drahtziehern gezwungen worden, sagt der Beschuldigte. Die Staatsanwaltschaft hält die Aussagen für wenig glaubhauft und fordert eine Freiheitsstrafe.

Christoph Neuenschwander
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Sinan K. stürmte 2012 bewaffnet den Tankstellenshop von Coop in Grenchen (Symbolbild)

Sinan K. stürmte 2012 bewaffnet den Tankstellenshop von Coop in Grenchen (Symbolbild)

Keystone

Im ersten Moment klingt das alles ein wenig nach einer britischen Gangsterkomödie: Sinan K.* schuldet einem ominösen Massimo* Geld, hat aber keines. Also knöpft sich Massimo den Schuldner vor, drückt ihm einen Revolver in die Hand, stellt ihm einen unbekannten Komplizen zur Seite und zwingt Sinan K., einen Tankstellenshop zu überfallen. Der Überfall geht schief, K. kriegt von der Betreiberin des Ladens eine Flasche über den Schädel gezogen, flieht und wird kurz darauf von der Polizei geschnappt. Der Komplize entkommt.

Wirklich komisch war die Begebenheit, die sich am frühen Morgen des 10. März 2012 in Grenchen ereignet hat, gewiss für keinen der Beteiligten. Wie viel Wahres an der Vorgeschichte des Überfalls dran ist, bleibt offen. Das Video der Überwachungskamera zeigt lediglich, wie Sinan K. in die Coop-Tankstelle stürmt, bewaffnet, während der Unbekannte draussen Schmiere steht.

Und es zeigt, wie der Shop-Betreiber den Angreifer abwehrt und nach einem kurzen Handgemenge zu Boden geht. Wie die Ehefrau des Betreibers mit einer Flasche herbei eilt und auf Sinan K. einschlägt. Und wie der 32-Jährige aus dem Libanon schliesslich Hals über Kopf flüchtet.

Vom Überfall nichts gewusst?

«Ich wollte niemanden ausrauben», beteuerte der Beschuldigte gestern vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Massimo, der unbekannte Mittäter und ein weiterer Komplize Massimos hätten ihn unter Druck gesetzt, ihn gar mit einer Waffe bedroht. «Massimo hatte mir 2000 Franken ausgeliehen und wollte 3000 zurück», erzählte Sinan K. «Ich hatte Panik und konnte mich nicht wehren. Ein Tiger hat keine Chance gegen drei Hyänen.»

So habe er denn die Waffe genommen und ging in den Laden, im Glauben, der aussergewöhnlich aussehende Revolver sei nicht echt - und mit der Absicht, mit dem Betreiber des Tankstellenladens zu sprechen. Doch die Situation eskalierte.

Staatsanwalt Claudio Ravicini hielt diese Ausführungen für wenig glaubhaft. Er zweifelte an der Existenz der Drahtzieher und an der Behauptung von K., er habe von dem Überfall bis kurz davor nichts gewusst. Auf dem Computer des Beschuldigten habe man nämlich festgestellt, dass er einige Tage zuvor per Google nach Überfallmöglichkeiten in der Umgebung gesucht habe.

Unglaubhaft sei auch die Behauptung, K. habe mit dem unbekannten Mittäter kein einziges Wort gewechselt. Zudem hätte Massimo dem Beschuldigten bestimmt keine geladene Waffe in die Finger gedrückt, hätte er diesen tatsächlich unter Druck gesetzt. Vielmehr sei das K.'s eigene Waffe gewesen.

Fünfeinhalb Jahre gefordert

Sinan K. habe den Betreiber des Tankstellenshops in unmittelbare Lebensgefahr gebracht, weil er mit einem geladenen Revolver, der sich noch dazu nicht sichern liesse, auf diesen gezielt und eingeschlagen habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Verurteilung unter anderem wegen versuchten qualifizierten Raubs und Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Dafür sei eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren anzuordnen.

Verteidiger Dominik Schnyder relativierte das Überwachungsvideo. Es sei nicht zu erkennen, ob K. wirklich auf den Betreiber oder lediglich in die Luft gezielt habe. Ausserdem sei in der sichergestellten Waffe nur gerade eine Patrone gewesen - was wiederum für das Kalkül eines Drahtziehers spreche. «Die Patrone war direkt vor dem Lauf. Hätte Sinan K. den Hahn gespannt, um zu schiessen, hätte sich die Trommel um eine Position gedreht und die Kammer vor dem Lauf wäre leer gewesen.»

Massimo hätte sich also nicht selbst gefährdet. Zudem sei die Waffe kompliziert und K. habe keine Ahnung, wie man sie abfeuere. Das Urteil des Gerichts wird heute mitgeteilt.

Name von der Redaktion geändert

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