Amtsgericht Olten-Gösgen
Staatsanwalt fordert 7 Jahre Haft wegen Messerstich

Zwei Beschuldigte mussten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten. Ihnen wird versuchte vorsätzliche Tötung vorgeworfen.

Rahel Bühler
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Amtsgericht Olten-Gösgen

Amtsgericht Olten-Gösgen

Bruno Kissling/Archiv

Vorgehalten wird den Beschuldigten, dass sie im September 2012 einen Mann aus dem Aargau während einer Rauferei in Olten mit einem Messerstich verletzt haben sollen. Murat Q.*, ein türkischer Staatsangehöriger, ist geständig: «Ich hatte nicht die Absicht, ihn zu verletzen. Es ist im Affekt geschehen.» Auch gesteht er, das Opfer während der Rauferei, der verbale Streitigkeiten vorangingen, geschlagen und getreten zu haben. «Er hat mich beleidigt und provoziert.» Auch das Opfer, Qendrim U.*, der sich laut den Angaben der Angeklagten aggressiv verhielt, soll mehrere Faustschläge ausgeteilt haben.

Dem zweiten Angeklagten, Laith Z.*, wird Gehilfenschaft zu versuchter vorsätzlicher Tötung vorgeworfen: Er soll Murat Q. das Messer gereicht haben. Der heute 40-Jährige will weder das Messer geliefert, noch Schläge ausgeteilt haben. Das Opfer, ein heute 27-jähriger Albaner widerspricht: Er habe sich nicht aggressiv verhalten und keine Faustschläge ausgeteilt. Auch gab er an, die Beschuldigten vorher nicht gekannt zu haben, obwohl diese das Gegenteil behaupteten. Dass er an jenem Dienstagabend angetrunken war, räumt er hingegen ein.

«Potenziell lebensgefährliche Verletzung»

Die Stichwunde, die Qendrim U. im Zuge des Vorfalls erlitt, war 15 bis 20 Zentimeter tief und verletzte sowohl die Milz als auch das Zwerchfell. In der Anklageschrift ist von einer «potenziell lebensgefährlichen Verletzung» die Rede. Das Opfer weilte eine Woche im Krankenhaus. Die Tatwaffe konnte trotz Suche von der Polizei nicht gefunden werden.

Der in Schönenwerd wohnhafte Murat Q. erschien in dunklen Hosen und einem hellblauen Hemd. «Ich habe sonst noch nie etwas verbrochen und bedaure den Vorfall», wiederholte der heute 25-Jährige. Er wurde an der Hauptverhandlung am Mittwoch von seinem Bruder, seinem Cousin und zwei Freunden begleitet.

Zwei umstrittene Tatkomponenten

Der zweite Beschuldigte, der ebenfalls in Schönenwerd wohnhaft ist, erschien in dunkler Kleidung und zusammen mit seiner Ehefrau. Während seiner Befragung durch die Amtsgerichtspräsidentin Eva Berset beteuerte er seine Unschuld und gab an, weder das Opfer noch den Angeklagten oder seine Freunde gut gekannt zu haben. Dies sorgte bei den mitgereisten Freunden von Murat Q. für Gelächter. Das Gericht sprach eine Ermahnung aus. Qendrim U. erschien in Arbeitskleidern im Gerichtssaal und konnte sich an das meiste nicht mehr erinnern.

Es gibt zwei zentrale Punkte, in denen auch die Verhandlung kein Licht ins Dunkel bringen konnte: Einerseits ist nach wie vor offen, wieso es zum Streit und zum Messerstich kam. Qendrim U. soll provoziert haben, dieser kann sich nicht erinnern. Andererseits widersprachen sich die Parteien darin, wer das Messer mit sich geführt hat. Sowohl Murat Q. als auch Qendrim U. gaben an, dass Laith Z. dem ersten Beschuldigten das Messer übergeben habe. Dieser widerspricht.

Gibt es eine Haftstrafe?

Für den Staatsanwalt ist klar, dass der beschuldigte Murat Q. das Ableben von Qendrim U. mit seiner Aktion in Kauf genommen hatte. Er habe rücksichtslos und heimtückisch gehandelt. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und damit eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Laith Z. sei wegen Gehilfenschaft zu einer versuchten vorsätzlichen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren zu verurteilen.

Der Verteidiger von Qendrim U. folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Auch der Anwalt von Murat Q. forderte eine Verurteilung für seinen Mandanten, allerdings lediglich wegen einfacher Körperverletzung, da das Opfer nie in Lebensgefahr geschwebt habe. Eine zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung hält er für angemessen. Der Verteidiger von Laith Z. verlangte einen Freispruch für seinen Mandanten. Er erachtete sowohl den Vorwurf des Raufhandels als auch den der Gehilfenschaft zu versuchter vorsätzlicher Tötung als nicht nachgewiesen. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

* Namen der Redaktion bekannt.