Der Mammut-Prozess vor Amtsgericht Solothurn-Lebern startete am Montag; heute Donnerstag geht er in den vierten und voraussichtlich letzten (öffentlichen) Verhandlungstag. Staatsanwalt Domenic Fässler formulierte gestern seine Anträge gegen einen prominenten Treuhänder und dessen deutsche Geschäftspartnerin. Für den Treuhänder fordert Fässler eine unbedingte Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Er habe sich des gewerbemässigen Betrugs, mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, mehrfacher Geldwäscherei und mehrfacher Unterlassung der Buchführung schuldig gemacht. Gar achteinhalb Jahre verlangt der Ankläger für die deutsche Geschäftspartnerin. Diese ist allerdings zum Prozess gar nie erschienen.

Einzigartig

Staatsanwalt Fässler bezeichnete den Betrug der beiden als einzigartig für den Kanton. Das Duo habe zwischen Dezember 2002 und August 2006 114 Anleger um rund 20 Millionen Franken betrogen. Die ganze Deliktsumme belaufe sich gar auf 31 Mio. Franken, welche die beiden im Rahmen eines klassischen Umlageverfahrens veruntreut hätten. «Die Geschäftstätigkeit der beiden hat nur auf Lügen basiert.»

In sogenannten Geschäftsbeteiligungsverträgen seien den Geprellten «bombensichere» Anlagen vorgegaukelt worden. Anlagen seien aber keine getätigt worden. Die höhere Strafe für die Geschäftspartnerin rechtfertige Fässler mit dem Umstand, dass sie es gewesen sei, welche die Idee mit der Anwerbung von Kundengeldern gehabt habe. Zudem habe sie die leichte Beeinflussbarkeit des Treuhänders ausgenützt.

Die «Gier» der Opfer

Der Pflichtverteidiger der Deutschen forderte in seinem Plädoyer, seine Mandantin sei vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung und der mehrfachen Geldwäscherei freizusprechen. Stattdessen sei sie wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren zu verurteilen. Die angeblichen Opfer seien nicht arglistig getäuscht worden. Dies sei gar nicht nötig gewesen. Die Anleger hätten aufgrund einer gewissen Gier so oder so Geld gegeben. Zudem hätte die Angeklagte versucht, die Gelder anzulegen.

Der Verteidiger des Treuhänders hält sein Plädoyer heute Donnerstag. Das Gericht wird sein Urteil im Januar bekannt geben.