Es ist zwar schon einige Jahre her, der Raubüberfall von Bettlach dürfte aber den Meisten noch gut in Erinnerung sein. Am 16. Dezember 2011 überfielen drei bewaffnete Männer die Baloise Bank SoBa, bedrohten zwei Bankangestellte und zwei Kundinnen und erbeuteten 337 810 Franken. Gerade Mal zwei Monate später wurden die Bankräuber gefasst.

Zwei der Täter wurden bereits am 17. November 2013 vom Amtsgericht Solothurn-Lebern im abgekürzten Verfahren des qualifizierten Raubes, der Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen. Sie wurden zu Freiheitsstrafen von 40 Monaten unbedingt, beziehungsweise 36 Monaten teilbedingt verurteilt.

Ein paar Fragen blieben aber während der Verhandlung offen und verliehen dem «süssen Deal» einen etwas bitteren Nachgeschmack. Einer der Bankräuber konnte nämlich nicht vernünftig erklären, wo sein Anteil von rund 116 000 Franken hingekommen war. Er habe die Beute mit Alkohol, Partys und Frauen verjubelt, sagte er damals – das wären dann 200 Franken pro Tag gewesen.

26 Deliktsvergehen

Heute Dienstag nun, stand der verbliebene Bankräuber vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Ihm wurde kein «süsser Deal» angeboten, weil er bereits vor dem Raubüberfall mehrfach in Liegenschaften eingestiegen war und noch weitere Delikte verübt hatte. Die Anklageschrift zählt insgesamt 26 Deliktsvergehen. Der Beschuldigte sitzt im vorzeitigen Vollzug und ist geständig. Er bestreitet keinen seiner Einbrüche und auch nicht die Beteiligung an dem Raubüberfall in Bettlach.

Vor Gericht wies der Angeklagte oftmals auf seine früher gemachten Aussagen hin. Der heute 26-jährige Mann sprach davon, dass er früher das schnelle Geld machen wollte.

Den Raubüberfall in Bettlach beschrieb er als «wenig geplant», zudem hätten sie nicht mit einer so grossen Beute gerechnet. «Dann bekam ich Angst und wollte das Geld so schnell es geht weg haben.» Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten versuchte, von ihm mehr über die Beute zu erfahren. Denn auch er behauptet, die Beute mit Alkohol, Partys und Frauen verjubelt zu haben. Von Felten machte klar, dass dies schwer zu glauben sei. Mehrmals wies er den Angeklagten darauf hin, dass es für ihn wichtig sei, das Gericht von seiner Reue zu überzeugen und dazu gehöre es auch, die Wahrheit zu sagen. Der Mann blieb aber bei seinen Aussagen. 

Professioneller Banküberfall oder «Hobbyüberfall»?

Staatsanwältin Claudia Scartazzini zeichnete in ihrem Plädoyer das Bild eines professionellen Banküberfalls. Sie zitierte den Schlussbericht der Ermittlungsbehörde mit den Worten: «Der Banküberfall in Bettlach ist in der Solothurner Geschichte einzigartig, nicht nur wegen des Deliktguts, sondern auch der Vorgehensweise der Täterschaft.»

Bei der Strafzumessung fand sie kaum Punkte, die für den Angeklagten sprechen würde. «Das habe ich selten erlebt.» Entsprechend fiel ihre Forderung aus: Eine Verurteilung im Sinne der Anklage. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren.

Der private Verteidiger Rechtsanwalt Reto Gasser ging Punkt für Punkt durch die Anklageschrift und erwähnte jeweils, dass sein Klient die Zivilforderungen anerkenne. Er bezeichnete den Überfall in Bettlach als «Hobbyüberfall». Gasser wies immer wieder darauf hin, dass alle Delikte in den Jugendjahren seines Klienten passiert seien. «Im vorzeitigen Vollzug wurden ihm die Konsequenzen seiner Aktionen bewusst.» Schliesslich stellte er einen Antrag auf eine Gesamtstrafe von drei Jahren unbedingt.

 Das Urteil wird am Freitag erwartet. (sbi)