Diese Meldung überraschte gestern auch den Kanton Solothurn, dem das Allerheiligenberg-Gelände um die frühere Höhenklinik gehört. Am Wochenende soll auf dem Berg ein Mann auftreten, der auf einer seiner diversen Homepages mit Nazisymbolen kokettiert: Das Hakenkreuz und das Symbol der SS sind auf der Homepage «Urahnenerbe Germania» nur leicht verfremdet. Frank Willy Ludwig heisst der Mann, der diese Symbole nutzt. Der sogenannte «Braunesoteriker» hat auch schon mal vor Holocaust-Leugnern gesprochen. Er propagiert ein Leben von Selbstversorgern in Grossfamilien und völkischen Siedlern.

Anruf bei Thomas-Heinz Wegmüller, der mit seiner Gruppierung «Wedia Helvetia» den Anlass organisiert. Es scheint ganz so, als ob dieser Auftritt von Frank Willy Ludwig auf dem Solothurner Allerheiligenberg nicht hätte publik werden sollen und nur durch ein Missgeschick auf einem Flyer angekündigt wurde. Denn wo immer der rechte Ludwig – er scheint gerade auf einer Schweiz-Tournee – auftritt, gibt es Widerstand und Anlässe müssen abgesagt werden; so in Thun, so bereits vergangene Woche in Solothurn – und nun auf dem Allerheiligenberg. Die anonyme Solothurner «Gruppe gegen braunes Gedankengut» wehrt sich in einer Mail an den Kanton gegen den Anlass. «Solothurn bleibt bunt statt braun!», so ihre Forderung.

«Mir kann man nichts Rassistisches unterstellen»

Nun stehen auch die Organisatoren im Schweinwerferlicht: Warum laden sie eigentlich einen solchen Redner ein? Und sympathisieren sie nicht selbst mit braunesoterischem Gedankengut? Dagegen wehrt sich Organisator und «Heilpraktiker» Wegmüller. «Mir kann man nichts Rassistisches unterstellen», sagt der Berner.

Allerdings vertritt auch er ein krudes Weltbild: Um der Ressourcenverschwendung entgegenzuwirken und um die «Heimat Helvetia» zu retten, sieht Wegmüller das Heil in einer Gesellschaft, in der sich die Familien selbst versorgen. Jede solle eine Hektare Land besitzen und diese bewirtschaften. Wegmüller versucht und praktiziert dies seit mehreren Jahren in Spanien. Es ist ein Leben, das an die Reichsbürger erinnert, die den Staat nicht akzeptieren und ihm die Legitimität absprechen. «Mein Ziel ist die Wiederherstellung des Paradiesgartens Eden», sagt Wegmüller.

Er verweist mehrfach auf die Anastasia-Bewegung; eine systemkritische, Verschwörungstheorien nicht abgeneigte esoterische Gruppierung, die besonders in Russland das Selbstversorgungsmodell auf Familienlandsitzen propagiert. Die Fachstelle Infosekta stuft die Anastasia-Bewegung als stark nationalistisch, als sektenhaft und als problematisch ein: «Personelle Überschneidungen mit und Beziehungen zu rechten Gruppen sind nicht zufällig, sondern hängen mit dem System zusammen.»

Kanton hat weder Anfrage erhalten noch Bewilligung erteilt

Nicht gerade erfreut ist man beim Kanton, dem das Allerheiligen-Areal gehört. «Wir wussten bisher nichts von dieser Veranstaltung», sagt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli, der erst gestern von dem Anlass erfahren hat. Mäusli betont, dass es bisher keine Gespräche mit den Veranstaltern über die Nutzung des Geländes gegeben habe, auch wenn auf deren Homepage etwas anderes suggeriert wird. Beim Kanton nimmt man nun weitere Abklärungen vor: Einerseits zur Veranstaltung, andererseits zur Frage, ob sie auf dem Land stattfinden darf und welche Massnahmen allenfalls ergriffen werden müssen.

Wegmüller selbst betont, dass der Anlass bei der öffentlichen Feuerstelle und nicht in der Klinik stattfinden soll. Teilnehmern wird das Biwak für die Übernachtung empfohlen. Auf Nachfrage hält Wegmüller fest, dass er mit dem Kanton noch keinen Kontakt hatte.

Geplant gewesen war zuerst offenbar, dass die Veranstaltung im Bergrestaurant Allerheiligenberg stattfindet. Als die Wirte dort aber realisierten, dass sie es mit einer suspekten Gruppierung zu tun haben könnten, zogen sie die Konsequenzen. «Wir haben mit diesem Anlass gar nichts zu tun», distanziert sich Allerheiligenberg-Gastgeber Ruedi Spring.

Inzwischen aber steht für Organisator Thomas Wegmüller offenbar auch der Anlass auf Messers Schneide. Aufmerksamkeit ist in diesen Kreisen nicht gut. Er müsse den Anlass wohl absagen, wenn sich die Medien melden würden, sagt Wegmüller.