Seit 1959 gibt es den Pflegehelfer-Lehrgang des Schweizerischen Roten Kreuzes – seither wurden über 100'000 Helferinnen und Helfer geschult. In den Kantonen Aargau und Solothurn schliessen jedes Jahr rund 450 Personen verschiedenen Alters und aus verschiedenen Kulturen den Lehrgang mit einem Zertifikat ab.

Rund 70 Prozent finden danach eine Anstellung im Langzeitpflegebereich, in der Spitex oder in einer Institution für Menschen mit Beeinträchtigung. Die Berufsgruppe übernimmt eine wichtige Rolle in der Langzeitpflege sowie in sozialen Institutionen nebst dem qualifizierten Fachpersonal Pflege- und Betreuungsarbeiten.

Nun hat ein Projektteam der Berner Fachhochschule in einem Forschungsprojekt erstmals aus der Sicht der Pflegehelferinnen sowie deren Vorgesetzten die Bedeutung und Weiterbildungsmöglichkeiten der grossen Berufsgruppe beschrieben.

Ein paar wichtige Erkenntnisse der Studie sind: Sowohl die Pflegehelferinnen als auch ihre Arbeitgeber schätzen das Tätigkeitsgebiet als attraktiv ein. Die Angestellten finden ihre Arbeit sinnvoll und werden von ihren Vorgesetzten geschätzt. Die Pflegehelfer/-innen seien langjährige, treue Mitarbeitende, zu denen man Sorge tragen müsse und deren Potenzial man ausschöpfen könne.

Eher kritisch beurteilt wurde vonseiten der Arbeitgeber die zum Teil mangelhafte Sprachkompetenz. Die Pflegehelfer sagten aus, dass sie teilweise Tätigkeiten ausführen (müssten), welche über ihre Kompetenzen und Fähigkeiten hinausgehe. Zudem würden Fortbildungen monetär zu wenig gefördert.

Grossteil möchte Weiterbildung

Kürzlich nun sind rund 70 Personen an die Impulsveranstaltung «Ohne euch geht nichts» ins Alters- und Pflegeheim Stadtpark in Olten gekommen. Dort haben ausgewiesene Fachpersonen unter der Leitung von Urs Huber, Kantonsratspräsident, die Resultate der Studie diskutiert.

Diana Michel, Pflegehelferin SRK, erzählte, dass es für sie ein Zweitberuf sei und ideal als Einstieg in die Pflege und Betreuung. Da sie in dieser Tätigkeit grosse Befriedigung finde, habe sie im Anschluss die Ausbildung zur Dipl. Pflegefachfrau begonnen. Laut Studie absolvieren rund 50 Prozent der Pflegehelfer(innen) vorher eine Berufslehre und ein grosser Teil möchte sich weiterbilden oder in eine Pflegeausbildung einsteigen.

Dieses Studienresultat konnte Heidi Ris, Berufsschullehrerin im BBZ Olten, bestätigen. In der Nachholbildung zur Fachperson Gesundheit (FaGe) seien rund 95 Prozent langjährige Pflegehelferinnen SRK zu finden. Diese hätten den Lehrgang als niederschwelligen Einstieg in den Bereich Pflege und Betreuung als hilfreich empfunden.

«Frage der Planung»

Esther Cavegn, welche lange in der Spitex und im Alters- und Pflegeheim in leitender Position arbeitete, meinte zur Problematik der Kompetenzüberschreitung, dass es eine Frage der Planung sei. Es sei durchaus möglich, die verschiedenen Berufsgruppen gemäss ihren Kompetenzen einzusetzen. Es seien jedoch spezifische Fortbildungen nötig, damit die Pflegehelfer ihre Kompetenzen vertiefen könnten.

Katharina Ryser vom Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn verwies auf die geltenden gesetzlichen Vorgaben. Im Qualitätsmanual für die Langzeitinstitutionen sind die Kompetenzen klar geregelt.

Luzia Stocker, Verantwortliche des Pflegehelfer-Lehrgangs beim Roten Kreuz Kanton Solothurn, verwies auf das neue Curriculum, das schweizweit 2019 eingeführt wird und kongruent zu den weiterführenden Ausbildungen im Pflege- und Betreuungsbereich aufgebaut ist. Zudem denke man darüber nach, die Anforderungen an die Sprachkompetenz zu erhöhen, denn auch die Studie zeigt auf, dass mangelhafte Sprachkenntnisse häufigste negative Rückmeldung aus der Praxis sei.

Blick in die Zukunft

«Wer pflegt uns in 30 Jahren?»: Dies war die Schlussfrage von Kantonsratspräsident Urs Huber. Man war sich einig, dass es sicher keine Roboter sein werden, welche diese wichtige und sinnvolle Arbeit übernehmen werden, da diese die menschliche Kompetenz nicht ersetzen können.

Der Anlass, welcher zusammen mit den Rotkreuz-Kantonalverbänden Baselstadt, Baselland, Bern und Aargau an drei verschiedenen Standorten stattfand, klang bei regen Diskussionen aus. (mgt)