Openair-Check

Sportlicher Rock’n’Roll in der Pampa

Die unermüdlichen «Baseballs» boten den Zuschauern viel Action und natürlich feinsten Rock’n’Roll.

Die unermüdlichen «Baseballs» boten den Zuschauern viel Action und natürlich feinsten Rock’n’Roll.

Wir machen den Open-Air-Check: Nach Büsserach und Etziken steht abschliessend das Openair Huttwil auf der Liste. Dort kann man mitten auf dem Sportplatz das Zelt aufschlagen.

Der dritte und letzte Open-Air-Check führt uns nach Huttwil ans «Open Sky Festival». Dort, auf dem Gelände des «nationalen Sportcenters» der Firma Bösiger, wurden schon früher Open Airs durchgeführt. Die Veranstalter allerdings gaben den Anlass vor zwei Jahren auf. Also hat das Sportcenter kurzerhand die Organisation übernommen und letztes Jahr unter neuem Namen ein Festival auf die Beine gestellt, das «kleiner und persönlicher werden sollte», wie Festivalleiter Michael Schütz erzählt.

Das Line-up kann sich dennoch sehen lassen. Und: Obwohl etwas abgelegen, ziehe das Open Air Zuschauer aus Bern, Luzern, Zürich und sogar dem Graubünden an, sagt Schütz. In der Region selbst habe man hingegen eher wenige Tickets verkauft. «Es ist schwer, hier draussen in der Pampa etwas aufzubauen», erklärt der Festivalleiter. Deshalb versuche man, exklusive und internationale Bands zu engagieren, für die das Publikum auch von weit her anzureisen gewillt ist.

Kriterium Bewertung
Festivalgelände Das Gelände ist mit Zelt- und Hauptbühne, diversen Ständen, Festzelten und einem grossen VIP-Bereich etwas zersiedelt. In der Turnhalle des Sportcenters gibts Disco, und der Zeltplatz ist umgeben von einer 400-Meter-Bahn. Das ist irgendwie cool und aussergewöhnlich, aber man wähnt sich zuweilen eher an einem Dorffest als an einem Open Air.
Line-Up  Das «Open Sky Festival» trumpft mit einem grossen Namen pro Tag auf: «The Baseballs», «Beatsteaks» und «Stiller Has». Dem einen oder anderen Open-Air-Besucher dürften wohl auch die Westschweizer «Aloan» oder die deutschen «Donots» ein Begriff sein. Um das Festivalgelände zu füllen, reicht das Programm indes noch nicht.
Essen  Futter für die hungrige Zuschauermasse wird nur gerade in einem einzigen Zelt geboten (wenn man vom Haribo-Stand absieht). Besagtes Zelt ist dafür ziemlich gross und bietet zu einem durchaus bezahlbaren Preis ein breites Sortiment von der Cervelat mit Senf bis hin zum Bami Goreng. Solid, aber kein kulinarischer Höhenflug.
Anreise  Huttwil ist von Solothurn, aber auch etwa von Bern oder Luzern aus, relativ bequem mit öV und Auto erreichbar. Tagsüber hält ein Bus vor dem Festivalgelände, abends verkehrt ein Shuttle-Service zwischen Bahnhof und Sportcenter und nachts kommt der «Moonliner». Wer spät noch mit dem Auto anreist, muss weit weg parken.
Eintrittspreise  Der Tagespass kostet 119 Franken, Eintages- und Zweitages-Eintritte zwischen 35 und 86 Franken. Das ist okay. Allerdings kostet ein Zeltplatz zusätzlich 25, ein Parkplatz 10 bis 20 Stutz (je nach Dauer). Wer nicht für viel Geld drei Tage lang im Regen stehen will, kann eine Wetter-Versicherung abschliessen, die kostet aber nochmals 10 Franken.
Toiletten  WCs und Duschen sind im Sportcenter reichlich vorhanden und sogar rollstuhlgängig. Das ist für Open-Air-Verhältnisse natürlich ausgesprochen komfortabel. Toi-Tois auf dem Gelände selbst sind zwar eher Mangelware, aber auf die will sowieso fast niemand; der Spaziergang zur Turnhalle dauert nur wenige Minuten.
Publikum  Platz bietet das Gelände für rund 4000 Personen, gekommen sind etwas mehr als die Hälfte. Mit einem abwechslungsreichen und exklusiven Programm wollten die Veranstalter eine breite Zielgruppe von weit ausserhalb des Oberaargaus nach Huttwil holen, was ihnen gelungen ist. Nur noch nicht im gewünschten Ausmass.
Stimmung

 Mit Entertainern wie den «Baseballs», die am Freitag für einen fulminanten Auftakt gesorgt haben, kann die Stimmung ja nur gut sein. Auf dem Gelände befindet sich eine grosse und gemütliche Feuerstelle. Grosses Aber: Die Stadionbeleuchtung auf dem Zeltplatz passt leider überhaupt nicht zur Open-Air-Atmosphäre.

Ergebnis des Open-Air-Checks: Etziken gewinnt

Wir haben in unserem Open-Air-Check drei Festivals in der Region unter die Lupe genommen: Büsserach, Etziken und Huttwil. Die erfreuliche Erkenntnis: Mittelmässig oder gar schlecht hat keines davon abgeschnitten, die Open Airs in der Umgebung müssen den Vergleich mit grösseren Veranstaltungen nicht scheuen.

Die Festivals wurden nach acht Kriterien bewertet und konnten dabei eine Punktzahl von maximal 32 Sternen erreichen. Am meisten überzeugt hat uns das «Open Air Etziken», wenngleich es mit 26 Sternen nur knapp vor dem «Rock am Bärg» in Büsserach (25 Sterne) und dem Huttwiler «Open Sky Festival» (23 Sterne) liegt. Ausschlaggebend für den Sieg Etzikens waren das ansprechende Programm und die anständigen Eintrittspreise des Wasserämter Open Airs. Sogar der Huttwiler Festivalleiter Michael Schütz sagt anerkennend: «Für ein Festival auf dem Land hat Etziken genau das richtige Line-up.»

Und noch ein Nachtrag zu Büsserach: Obwohl die angestrebte Zuschauerzahl knapp erreicht wurde, zwang der Dauerregen die Veranstalter in die Knie. Das Open Air stand vor dem Aus. Inzwischen haben aber dermassen viele Musiker und beteiligte Unternehmen auf ihre Gage verzichtet oder die «Rechnung verloren», dass doch noch ein Funken Hoffnung für ein «Rock am Bärg 2013» besteht.

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