Auf einen Kaffee mit...
Sportkommentator: «Ich will nicht vor die Kamera wechseln»

Auf einen Kaffee mit ... Marco Felder. Der Sportkommentator aus Solothurn war an den Olympischen Spielen nur ausnahmsweise auch zu sehen.

Hans Peter Schläfli
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Er hat seinen Traumberuf gefunden: SRF-Sportkommentator Marco Felder beim Kaffee in Solothurn.

Er hat seinen Traumberuf gefunden: SRF-Sportkommentator Marco Felder beim Kaffee in Solothurn.

HP. Schläfli

«Irgendwo habe ich diesen Mann schon einmal gesehen, aber wo war das nur? War es auf einem Fussballplatz im Wasseramt? Oder war es doch beim Einkaufen in der Solothurner Altstadt?» Solche Fragen wird sich in der Region der eine oder andere Zuschauer während der vergangenen Olympischen Spiele gestellt haben, als da plötzlich ein neues Gesicht auf dem Bildschirm auftauchte.

Der Solothurner Marco Felder berichtete nicht nur wie gewohnt live, aber unsichtbar als Kommentator für Schweizer Radio und Fernsehen. Plötzlich erschien er bei Berichten aus Südkorea auch im Bild. «Nur ausnahmsweise», wie Felder betont, «einmal bin ich eingesprungen und ein zweites Mal kam ich im Studio zu Wort. Ich habe aber nicht die Absicht, nun vor die Kamera zu wechseln.»

Schon seit zehn Jahren produziert Marco Felder Berichte für SRF. Seit viereinhalb Jahren reist er um die halbe Welt und kommentiert live beim Ski-Weltcup, der Tour de Romandie, Motorradrennen und von den Wettkämpfen der Freestyler. Manchmal trifft man ihn aber auch ganz entspannt in einem der Solothurner Cafés an – zum Beispiel in der «Stadtrösterei». «Ich bin und bleibe ein echter Solothurner; nach Zürich zu ziehen kommt für uns nicht in Frage», sagt der 37-jährige Familienvater. «Meine Frau ist hier genauso verwurzelt wie ich.»

Zu pendeln, das mache ihm nichts aus. «Die Stunde im Zug bis zu den Fernsehstudios reicht oft nicht, um alle spannenden Zeitungsartikel zu lesen und sämtliche Mails zu beantworten. Und so, wie ich derzeit unterwegs bin, fahre ich ohnehin nur noch sehr selten nach Zürich.» Nach PyeongChang ging es nach Crans-Montana, weiter nach Ofterschwang und dann zum Weltcupfinale nach Are. «Da bin ich froh, wenn ich zwischen den Einsätzen ein paar ruhige Tage in Solothurn verbringen kann.»

Start bei der Solothurner Zeitung

«Ich fühle mich privilegiert, weil ich meinen Traumberuf ausüben darf.» So beschreibt er seinen Job beim SRF. «Ich komme aus einer Turnerfamilie und spielte als Junior Fussball. Irgendwie war für mich immer klar, dass ich gerne als Sportjournalist arbeiten möchte.» Von Etziken aus, wo Felder aufwuchs, sei es naheliegend gewesen, einmal bei der Solothurner Zeitung anzuklopfen. «Ich hatte grosses Glück. Als Kantischüler meldete ich mich damals einfach beim Empfang und wurde sofort in die Sportredaktion geführt. Das war für mich der perfekte Einstieg in den Beruf.»

Sein erster Auftrag war ein Qualifikationswettkampf für die Trampolin-Schweizer-Meisterschaften in Grenchen. «Offenbar war man mit meinem Text zufrieden, denn weitere Aufträge folgten.» Als freier Journalist finanzierte er sich das Studium. «Dann meldete ich mich bei Radio 32 und sollte live von Fussballspielen berichten. Als man mir gleich die Stelle des Sportchefs anbot, war ich selber überrascht.» Das Studium der Medienwissenschaften habe zwar ein halbes Jahr länger gedauert, aber Radio 32 sei der ideale zweite Schritt der Journalisten-Karriere gewesen.

Es waren goldene Zeiten im Lokaljournalismus, bevor Google, Facebook und die anderen Giganten des Internets die Medienbranche umkrempelten. «Mittlerweile ist die ganze Medienbranche in einer Findungsphase und niemand scheint genau zu wissen, wie es weitergehen soll. Auch bei uns im SRF ist der Umbruch spürbar. Ich rechne damit, dass es in der Medienbranche weiterhin unruhig bleiben wird.»

Dabei müsste mit dem Siegeszug des Internets der qualitativ hochstehende Journalismus an Bedeutung gewinnen, findet Felder. Die Gratismentalität habe in der Medienbranche zu einer Krise geführt. «Die Idee, dass es den Journalismus wegen der Flut an Informationen im Internet nicht mehr braucht, ist ein totaler Irrglaube. Das Gegenteil stimmt: Journalistische Analysen werden immer wichtiger. Jemand muss schliesslich die Glaubwürdigkeit der Quellen filtern, damit wir nicht auf fake News hereinfallen.»

Dominique Gisin und Marco Felder in der Kommentatorenkabine in St. Moritz am 10. Dezember 2017.

Dominique Gisin und Marco Felder in der Kommentatorenkabine in St. Moritz am 10. Dezember 2017.

SRF/Andy Mettler

Promi werden ist kein Ziel

Mittlerweile gehört Felder bei SRF zum harten Kern der Kommentatoren. Der Schritt vor die Kamera sei nicht geplant gewesen und solle die Ausnahme bleiben. So bekannt zu werden wie beispielsweise Sascha Ruefer – der seine Karriere ebenfalls als Sportreporter bei der Solothurner Zeitung begann –, das strebe er nicht an, sagt Marco Felder. «Mir ist es lieber, wenn man mich nicht überall erkennt. Das Kommentieren ist für mich ideal. Unmittelbar mittendrin zu sein, die Emotionen der Athleten zu erleben und live von grossen Sportereignissen zu berichten, das gefällt mir am besten.»

Der «exotischste» Einsatz sei bisher die letzte Stunde des 24-Stunden-Rennens von Le Mans gewesen. «Ich musste mich vorher intensiv über dieses Rennen informieren.» Auch während der Olympischen Spiele in Südkorea musste sich Marco Felder auf ungewohntem Terrain behaupten. Er wurde den neuen Sportarten zugeteilt: Snowboard Halfpipe, Slopestyle und Big Air, Ski Halfpipe und Slopestyle. «Ich bin selber nie auf einem Snowboard gestanden und durfte mich zum Glück ganz auf Gian Simmens Fachwissen verlassen.»

Korea blieb ein fremdes Land

Das Leben in Südkorea habe sich während der Olympischen Spiele in einer «Bubble», also einer Art Blase abgespielt, erzählt Felder. «Wir haben mehr Ausländer als Koreaner angetroffen.»

Stimmt der Eindruck, den man in der Schweiz von perfekt organisierten Spielen bekam, denen etwas die Emotionen fehlten? «Die Koreaner waren herzliche Gastgeber und die Stimmung war sehr angenehm. Aber das grosse Olympiafieber ist nicht ausgebrochen», sagt er. Die Freestyle-Wettbewerbe waren sehr gut besucht und beim Eisschnelllauf auf dem Short Track war das Publikum total begeistert. Bei den Sportarten, die die Koreaner nicht so kennen, war das nicht der Fall. Beim Riesenslalom sind zum Beispiel die Leute nach dem ersten Lauf gegangen, weil sie gar nicht wussten, dass es noch einen zweiten Lauf geben wird.»