Spitzenwerte in Dornach
Warum gehen aktuell die Coronazahlen im Schwarzbubenland durch die Decke?

Im Schwarzbubenland steigen die Fallzahlen stärker als im Rest des Kantons Solothurn. Woran liegt das? Der Fachstab Pandemie nimmt Stellung.

Christoph Krummenacher
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Die Temperaturen sinken, die Fallzahlen steigen. Doch regional zeigen sich grosse Unterschiede. Im Kanton Solothurn melden die Schwarzbuben-Bezirke besonders hohe Zahlen. Thierstein sorgte letzte Woche für den höchsten Wert im Kanton (391 Fälle auf 100'000 Einwohner), Dorneck in der Woche davor (182 auf 100'000).

Die Bezirke Dorneck (10) und Thierstein (9) wiesen in den letzten beiden Wochen besonders hohe Fallzahlen auf.

Die Bezirke Dorneck (10) und Thierstein (9) wiesen in den letzten beiden Wochen besonders hohe Fallzahlen auf.

Kanton Solothurn

Woran liegt das? Sind die Schwarzbuben überdurchschnittlich jung und daher weniger geimpft? Oder wird mehr getestet als im Rest des Kantons? Gibt es dort Impfskeptiker? Ist der Zugang zur Impfung schwieriger?

Corona-Impfzentrum in Breitenbach.

Corona-Impfzentrum in Breitenbach.

Kenneth Nars

Regional grosse Unterschiede möglich

Beim Fachstab Pandemie des Kantons Solothurn ist man sich bewusst: Das Infektionsgeschehen kann lokal sehr unterschiedlich sein. «Cluster können sich lokal schnell ausbreiten und die Zahlen in einem Gebiet überproportional ansteigen lassen», sagt Mirjam Andres, Leiterin Kommunikation Pandemiebewältigung beim kantonalen Gesundheitsamt.

Die hohen Fallzahlen im Schwarzbubenland erklärt sie so: «Die Bezirke Dorneck und Thierstein haben nicht nur örtlich, sondern auch wirtschaftlich eine grosse Nähe zu den angrenzenden Kantonen Baselstadt und Baselland, welche beide höhere Inzidenzen aufweisen als der Kanton Solothurn.» Im Kanton Baselstadt beträgt die 14-Tage-Inzidenz 415,8 Fälle auf 100'000 Einwohner, im Kanton Baselland liegt der Wert bei 411.

Damit liegen die Zahlen in den nördlichen Nachbargebieten deutlich höher als in Dorneck und Thierstein. Jene Gebiete, in welche viele Schwarzbuben zur Arbeit oder zur Schule gehen. Andres:

«Die Fallzahlen in den Bezirken Dorneck und Thierstein sind damit im regionalen Vergleich auf dem zu erwartenden Niveau.»

Unklar bleibt, ob der Anteil der Geimpften in den Bezirken Dorneck und Thierstein im Vergleich zu anderen Kantonsteilen unterdurchschnittlich ist. Im Gegensatz zu anderen Kantonen kann der Kanton Solothurn die Impfquote nicht nach Bezirken oder Gemeinden ausweisen.

Der Kanton arbeitet weiter daran, die Impfquote nach oben zu bringen. Dafür dauert die Impfoffensive nicht nur eine Woche, wie die nationale Impfwoche, sondern den ganzen Monat, erklärt Mirjam Andres. «Wir versuchen bis Ende November nochmals mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften, Menschen zu einer Impfung zu bewegen.»

Botschafterinnen und Fachpersonen sollen für Impfung werben

Während der nationalen Impfwoche versucht der Kanton, auf den sozialen Medien für die Impfung zu werben. Etwa mit Videostatements, wie Andres erklärt: «Menschen wie du und ich erzählen, warum sie sich haben impfen lassen. Auch da hoffen wir auf eine ansteckende Wirkung der sympathischen Botschafterinnen und Botschafter.»

Wichtig sei, dass man diejenigen Menschen zu einer Impfung ermuntern könne, die noch offene Fragen haben, unsicher sind oder einfach Zeit brauchen für den Entscheid, sich impfen zu lassen. In der Information und Beratung gehe es vor allem darum, sachlich zu informieren und das Vertrauen stärken, sagt Andres. «Während unserer Impfoffensive beantworten deshalb Ärztinnen und Ärzte, die mit dem Impfbus im ganzen Kanton unterwegs sind, die Fragen der Menschen.»

Zudem hat der Kanton in Videointerviews mit Experten gängige Impf-Mythen zu entkräften versucht. Diese, wie auch andere Massnahmen, stehen in unterschiedlichen Sprachen zur Verfügung. Trotzdem: «Uns ist bewusst, dass es Menschen gibt, die sich grundsätzlich nicht impfen lassen wollen. Diese Bevölkerungsgruppe können wir vermutlich durch Kommunikationsmassnahmen und Beratungsangebote kaum beeinflussen.»

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