Der Verlauf der Diskussion am Panelgespräch der Baloise Bank SoBa im vollbesetzten Landhaus Solothurn war ein Abbild der Realität. Am Anlass zum Thema «Sport: Zwischen Faszination und Geld» standen die Vertreter der werbe- und geldträchtigsten Sportarten wie Fussball, Skifahren und Rad im Fokus, die Vertreterin der Randsportart Kanu kam deutlich weniger zu Wort. Dabei ist Melanie Mathys, die Solothurner Kanutin und amtierende Vize-Weltmeisterin, ein gutes Beispiel, dass Spitzensport nicht in jedem Fall mit Spitzenlohn gleichzusetzen ist. Mathys zeigte eindrücklich ihre Entwicklung von der Breiten- zur Spitzensportlerin auf. Mit den Erfolgen seien die Erwartungen an sie als Favoritin bei jedem Rennen gestiegen. Da brauche es viel Ehrgeiz, Durchhaltewillen und Disziplin. Geld hingegen könne nicht die Motivation sein, weil im Kanusport im Vergleich zu anderen Sportarten alles andere als das grosse Geld fliesse. «Ich betreibe den Sport auch heute aus reiner Freude», erklärte sie glaubwürdig. Kein Wunder, wurde ihr ob der während der Diskussion genannten Zahlen «fast schwindlig».

Fussball: «Unterhaltungsindustrie»

Schwindelerregende Zahlen lieferte Domenico Scala, Vorsitzender der Buchprüfungs-Kommission beim Weltfussballverband Fifa. Den Umsatz im weltweiten Sportmarkt bezifferte er auf rund 150 Milliarden Franken, davon entfalle ein grosser Teil auf den Fussballsport. «Fussball ist heute ein Teil der Unterhaltungsindustrie; eine Verschmelzung von Medien, Kommerz und Sport.» Werbegelder ermöglichen horrende Spielergehälter. Allein in der englischen Premier League bewegten sich die Einkommen in Milliardenhöhe. «Das Fussballgeschäft hat sich globalisiert», sagte Scala. Weltweit gebe es 350 Millionen aktive Fussballer, am meisten nicht mehr in Europa, sondern in Asien. «Die grösste Zahl an Spielern weist heute China mit 24 Millionen auf.»

«Geld als Motivation»

«Im Velorennsport spielt das Geld rasch eine gewichtige Rolle», hielt Andy Rihs, Unternehmer und Investor in Profiteams sowie Fahrradhersteller, fest. Spätestens dann, wenn die Vermittlungsmanager auftreten, werde sich der Radrennfahrer bewusst, einen Wert zu haben. «Dann wird Geld auch zur Motivation.» Geld, welches auch dank globaler Medienpräsenz fliesst. So werde etwa die Tour de France in 190 Länder übertragen. Und Ex-Skirennfahrer Bruno Kernen verriet, dass ein Spitzenskirennfahrer mehr als eine Million Franken pro Jahr verdienen könne. Aber Geld alleine könne nicht die einzige Antriebsfeder sein, um Spitzensport zu betreiben. Es brauche Ausdauer, Wille, Talent und vor allem Freude, sich sportlich mit anderen zu messen. Andy Rihs ergänzte, dass generell niemand ohne Freude mit dem Spitzensporttraining beginne. Dies gelte auch für den körperlich unglaublich harten Radrennsport.

Übersteigerte Bedeutung

Gerade im Velorennsport kam es zu den bekannten Auswüchsen. Rihs, mit seinem «Rennstall» selber von Dopingskandalen betroffen, erzählte ungeschminkt über die bitteren Erfahrungen mit einigen seiner Spitzenfahrer. Positiv sei, dass der Radsport heute zu den «saubersten Sportarten» gehöre. Das Risiko, erwischt zu werden, sei viel zu hoch. Ex-Skirennfahrer Kernen glaubt, dass Doping in «seiner» Sportart kaum ein Thema sei. «Beim Skifahren spielt das Material eine viel wichtigere Rolle.» Fifa-Mann Domenico Scala sieht in der übersteigerten Bedeutung des Spitzensports eine Gefahr. «Spitzensportler sind Gladiatoren und haben Heldenstatus. Da ist der Weg zum Doping kurz.»