Breitenbach
Spitalgeschichte in Buchform: Die «ZePa-Chronik»

«Weg von Solothurn!», «Dann wechseln wir halt zu Baselland!»: Um die letzte Jahrhundertwende gingen die Wogen rund um die Schliessung des Spitals Breitenbach hoch.

Urs Mathys
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«Mir gö uff Soledurn»: 1000 Schwarzbuben demonstrierten am 7. Mai 1994.

«Mir gö uff Soledurn»: 1000 Schwarzbuben demonstrierten am 7. Mai 1994.

Unterschriftensammlung, diverse Vorstösse im Kantonsrat, die Drohung mit dem Kantonswechsel und am 7. Mai 1994 eine Demonstration von rund 1000 Schwarzbuben in Solothurn: All das konnte nicht verhindern, dass das Bezirksspital Breitenbach – im wiederholten Anlauf – schliesslich doch geschlossen und in ein regionales Geriatriezentrum umgewandelt wurde. Das gleiche Schicksal erlitten – im Zuge der rigorosen Sparprogramme nach der Kantonalbank-Pleite – auch das Spital Grenchen und die Höhenklinik Allerheiligenberg (ob Hägendorf). Weniger der Einsicht, sondern der Not gehorchend, nahm der Kanton Solothurn damals voraus, was anderen Kantonen erst später noch blühen sollte: eine (erste) Bereinigung der verzettelten Spitallandschaft.

90 Jahre nach der Eröffnung des Bezirksspitals im Thiersteiner Hauptort Breitenbach 1929 und 15 Jahre nach der Eröffnung der Nachfolgeinstitution «Zentrum Passwang» wurde jetzt in Breitenbach Rückschau gehalten auf die bewegte Geschichte des Akutspitals. Aber auch stolz konstatiert, dass das heutige Geriatriezentrum – auch als Arbeitgeber von rund 200 Personen – aus der Region Schwarzbubenland-Laufental nicht mehr wegzudenken ist. Anlass bot die Präsentation der Spitalgeschichte in Buchform, der «ZePa-Chronik».

Visionäre Suche nach Alternative

Bildungs- und Kulturdirektor Remo Ankli – seinerzeit als Gemeindepräsident von Beinwil selber Mitglied des Steuerungsteams für den Neustart – blickte mit einigem Stolz zurück.

Remo Ankli, Bildungs- und Kulturdirektor Kanton Solothurn

Remo Ankli, Bildungs- und Kulturdirektor Kanton Solothurn

Bruno Kissling

«Menschen haben in unserer Region Verantwortung übernommen. Sie machten sich mit visionärem Blick, Tatkraft und Hartnäckigkeit daran, Neues zu schaffen», unterstrich Ankli in seiner Ansprache. Das Zentrum Passwang reihe sich «hervorragend ein in die Reihe gelungener Beispiele, wie man in der Region Laufental, Dorneck und Thierstein zusammenarbeitet.» In der Region habe man es seinerzeit «nicht einfach bei der Spitalschliessung bewenden lassen, sondern ein Projekt angestossen, das Perspektiven auf die Zukunft eröffnete», so Ankli.

Die «ZePa-Chronik» ruft in Erinnerung, dass der Bau des Spitals 1929 auf Initiative des Thiersteiner Industriellen Alfred Borer erfolgte und primär von Spendern finanziert worden war, während der Kanton mit 20 Prozent beteiligt war. Mehr als 40 Jahre lang führten Baldegger Ordensschwestern das Spital und ebenso lange deckten die Isola-Werke Breitenbach die jährlichen Betriebsdefizite des Spitals. 1970 wurde ein rund 10 Millionen Franken teurer Neubau erstellt. Der Betrieb im Neubau, der Wechsel von den Baldegger Schwestern zu «weltlichem» Personal und die rasante Entwicklung im Gesundheitswesen sorgten schnell einmal für höhere Betriebs- und Personalosten. Für diese musste nun aber der Staat aufkommen. 1993 zum Beispiel wurde bei einem Aufwand von 15,2 Millionen Franken ein Defizit von 3,5 Millionen Franken ausgewiesen.

Noch im Herbst 1994 hatte der Kantonsrat per Stichentscheid des Präsidenten die Schliessung des Bezirksspitals verworfen und auch 1998 blieb es beim Anlauf. Doch die Zeit lief gegen die Thiersteiner. So kam es ab den 1990er-Jahren, wie es kommen musste: Mitte 2003 erklärte der Stiftungsrat des Spitals selber Forfait. Er beantragte in Solothurn die Schliessung des Akutbetriebs und legte Pläne für ein Kompetenzzentrum für das Alter vor. Pläne, die dank breiter regionaler Abstützung schliesslich zum Erfolg führten, wie der seinerzeitige Stiftungsratspräsident Willy Menth im Buch rückblickend zitiert wird: «Geblieben sind etwa gleich viel sichere Arbeitsplätze wie früher – aber in einer regional unentbehrlich gewordenen Sozialinstitution.»

«Die ZePa-Chronik», Niklaus Starck, porzio.ch