Angestelltentag
Spital-Kinderkrippen kämpfen mit langen Wartelisten

Staatspersonal-Verbände debattieren am Angestelltentag über familienfreundliche Strukturen. Beklagt wurden die langen Wartelisten. Besonders drückt der Schuh derzeit bei den soH-Mitarbeitenden.

Elisabeth Seifert
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Wenig zu lachen haben derzeit all jene Spitalmitarbeitenden, die vergeblich auf einen Platz in der spitaleigenen Kinderkrippe warten. Symbolbild

Wenig zu lachen haben derzeit all jene Spitalmitarbeitenden, die vergeblich auf einen Platz in der spitaleigenen Kinderkrippe warten. Symbolbild

Chris Iseli

Die beiden Kinderkrippen der Spitäler AG (soH) in Solothurn und Olten sind bis auf den letzten Platz belegt – und weit darüber hinaus. Insgesamt bietet die soH an diesen zwei Standorten 48 Ganztagesplätze an, an denen effektiv mehr als doppelt so viele Kinder betreut werden. Die Nachfrage sei aber um einiges grösser, meinte der soH-Personalchef Andreas Woodtli gegenüber dieser Zeitung. «Ideal wäre es, wenn wir unser Angebot um 50 Prozent auf total 72 Plätze erweitern könnten.»

Kein Wunder also, dass am Angestelltentag des Solothurner Staatspersonals die langen Wartelisten beklagt worden sind. «Ist der Kanton Solothurn ein familienfreundlicher Arbeitgeber?» Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, haben sich am Dienstagabend gegen 200 Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung, der Spitäler AG und der Lehrerschaft im Solothurner Landhaus getroffen. «Wir stellen fest, dass für immer mehr Staatsangestellte das Angebot an familienfreundlichen Strukturen an Bedeutung gewinnt», begründete Corinne Saner, Vizepräsidentin des Solothurner Staatspersonalverbands, das diesjährige Tagesmotto.

Flexibler als andere Kitas

Besonders drückt der Schuh derzeit bei den soH-Mitarbeitenden, wie die Diskussion der Vertreter der Personalverbände deutlich machte. Und: Die Wartelisten der beiden Spital-Kitas dürften nicht so bald verschwinden. «Wir können das Angebot derzeit nicht ausbauen», sagte soH-Personalchef Woodtli. Grund dafür ist der Spardruck. Im Rahmen des Massnahmenplans hat das Parlament der soH ab 1. Januar 2015 diverse Beiträge gestrichen, darunter die Subventionen für die Kinderkrippen in der Höhe von 2 Mio. Franken pro Jahr. «Wir werden das Angebot sicher nicht reduzieren», versicherte Woodtli. Die soH prüfe verschiedene Möglichkeiten, wie die fehlenden 2 Mio. Franken kompensiert werden könnten. Genauer wollte sich der Personalchef dazu nicht äussern.

Wie alle kantonalen Angestellten auch, haben soH-Mitarbeitende Anspruch auf einen Kinderbetreuungsbeitrag – egal, ob sie ihre Kinder in einer soH-Krippe oder anderswo betreuen lassen. Maximal werden monatlich pro Kind bis zum vollendeten 10. Lebensjahr 300 Franken ausbezahlt. Im Unterschied zu gängigen Krippen-Angeboten zeichnen sich die Kitas der Spitäler AG aber durch sehr flexible Öffnungszeiten und ebensolche Aufnahmebedingungen aus, betont der soH-Personalchef. «Damit tragen wir den unregelmässigen Arbeitszeiten der Spitalmitarbeitenden Rechnung.» Aus diesem Grund bezeichnet es Woodtli auch als «suboptimal», dass die soH am Standort Dornach kein eigenes Krippen-Angebot zur Verfügung stellen kann.

Erweiterung des Kredits

Seit 2010 bereits zahlt der Kanton seinen Angestellten einen Zustupf an die familienergänzende Kinderbetreuung. Den Betrag von maximal 300 Franken pro Kind und Monat können die Eltern dabei für ganz unterschiedliche Betreuungsformen verwenden, betonte Urs Hammel, Personalchef des Kantons Solothurn, am Angestelltentag. Kindertagesstätten oder Tageseltern gehören genauso dazu wie die Grossmutter, die regelmässig – und gegen Bezahlung – ihre Enkel hütet. «Ganz bewusst verzichten wir auf ein eigenes Krippen-Angebot, von dem nur die Kantonsangestellten in wenigen Zentren profitieren würden.» Die Betreuungsbeiträge erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, stellte Urs Hammel am Rande des Angestelltentages fest. Man prüfe deshalb eine Erweiterung des jährlichen Gesamtkredits, der sich derzeit auf 250 000 Franken beläuft.

Sowohl die Höhe des Beitrags als auch das gewählte Modell könne sich im interkantonalen Vergleich durchaus sehen lassen. Zu diesem Schluss gelangte am Dienstagabend Daniel Huber. Er ist Geschäftsführer der schweizweit aktiven Fachstelle «UND», einer Non-Profit-Organisation zur Förderung der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen. Die Fachstelle hat im Verlauf der letzten Jahre auf der Grundlage eines detaillierten Kriterienkatalogs über 30 Firmen und öffentliche Verwaltungen in der ganzen Schweiz mit dem Prädikat «Familie UND Beruf» ausgezeichnet.

Auf positives Echo stiess bei Daniel Huber neben den Kinderbetreuungs-Beiträgen etwa auch die bestehende Kommission für Chancengleichheit. Dabei handelt es sich um eine Gesprächsplattform, wo über eine Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen diskutiert wird. Aktuell steht dort die Betreuung betagter Angehöriger ganz oben auf der Agenda.