Verlagerung ins Ausland
Spirig schliesst – und Egerkingen fühlt sich als «Bauernopfer der Globalisierung»

Die Firma Nestlé Skin Health gab am Donnerstagmorgen bekannt, dass sie den Firmenstandort Egerkingen aufgeben würde. Dass die gleichen Produkte nun weiterhin im Ausland produziert werden, stösst bei Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi auf Unverständnis.

Merken
Drucken
Teilen
Der Gemeinderat Egerkingen bedauert den Entscheid von Nestlé Skin Health.

Der Gemeinderat Egerkingen bedauert den Entscheid von Nestlé Skin Health.

AZ

Am Donnerstagmorgen wurde bekannt, dass die Nestlé-Tochter Nestlé Skin Health die Produktion in ihrer Fabrik in Egerkingen einstellen und an andere Standorte im Ausland verlegen wird. Der Gemeinderat Egerkingen bedauert diesen Entscheid zutiefst, wie einer Stellungnahme zu entnehmen ist. Es sei ein «weiterer Beitrag an die Zerschlagung ehemaliger Perlen und Leuchttürme der Schweizerischen Wirtschaft».

Die grossen Hoffnungen bei der Übernahme der Spirig durch Nestlé Skin Health wurden so alle zerschlagen. «Wir haben uns in Egerkingen damals sehr gefreut, als bekannt wurde, dass eine grosse und international bekannte Firma wie Nestlé bei uns produzieren würde», erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Anfangs hiess es noch, dass sie weiter expandieren wollen. Sie haben den Parkplatz vergrössert und ein Baugesuch eingereicht.»

Im Nachhinein betrachtet habe es sich aber abgezeichnet, dass die Firma ihre hochgesteckten Ziele nicht erreicht. «Bei den regelmässigen Gesprächen meinten die Betriebsleiter, dass es nicht ganz reiche», erinnert sie sich.

Bauernopfer der Globalisierung

Am meisten Mühe bereite der Gemeindepräsidentin aber, dass alles auf einen «Chlapf» geschlossen wird. Diesen Entscheid könne sie von der Firma nicht ganz nachvollziehen, «schliesslich dauerte es bei Nespresso auch über 20 Jahre, bis die Marke erfolgreich wurde. In Egerkingen aber geben sie nach nur vier Jahren schon auf.» Besonders für die Mitarbeiter, die vor der Übernahme schon bei der Firma gearbeitet haben, sei die Situation hart. «Sie erleben den Niedergang einer florierenden Firma. Die weltbekannten Produkte wie Excipial oder Daylong wird Nestlé ja weiterhin produzieren, nur halt im Ausland», weiss Bartholdi. «Wir fühlen uns als Bauernopfer der Globalisierung.»

Die Firma habe zwar in den letzten Jahren versucht, weitere Märkte für die bekannten Produkte zu eröffnen. Dies sei nun aber scheinbar gescheitert. Dem Gemeinderat dränge sich daher die Frage auf, ob «die Ziele der Konzernleitung nicht von Anfang an utopisch hoch waren». Denn die Vorgängerfirma habe gut gearbeitet und war bis zu dem Moment, als sie in andere Märkte expandieren wollte, erfolgreich.

Weniger besorgt zeigt sich der Gemeinderat hingegen bezüglich der betroffenen rund 190 Stellen, respektive zirka 160 Mitarbeitenden. «Als hochqualifizierte Mitarbeitende werden sie wahrscheinlich in der Übergangszeit von 12 – 18 Monaten wiederum eine entsprechende Anstellung finden. Es wurde uns von der Firmenleitung versprochen, dass die Mitarbeitenden in ihrer Stellensuche professionell unterstützt werden.» (chg)

Die Galderma-Fabrik an der Froschackerstrasse 6 in Egerkingen.
13 Bilder
Hier wird unter anderem die bekannte Daylong-Sonnencreme hergestellt
Ebenfalls ein bekanntes Spirig-Prudukt: Die Excipial Hautcreme.
Der Ursprung hatte die Spirig Pharma AG, aus der die Galderma Spirig AG wurde, 1948 in einer Oltner Apotheke.
1969 wurde der Firmensitz nach Egerkingen verlegt.
1999 bekam die Firma den Solothurner Unternehmerpreis
Ende 2012 wurde bekannt, dass die Firma von der Galderma Schweiz AG übernommen wird. Fortan lief sie unter dem Namen Galderma Spirig.
Dadurch entstand das drittgrösste schweizerische Pharmaunternehmen.
Gaben im Oktober 2013 den Startschuss für Galderma Spirig (v.l.): Marc Wannhoff, Chef Schweiz, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler und Galderma-CEO Humberto Antunes.
Der Standort Egerkingen sollte als Schweizer Hauptsitz, Vertriebsgesellschaft und Produktionswerk von Galderma in allen drei Geschäftsbereichen – verschreibungspflichtige Medikamente, Selbstmedikation und Produkte für ästhetische und korrigierende Medizin – «kräftig wachsen».
Von Egerkingen aus führte das neue Unternehmen den gesamten Vertrieb aller Galderma-Spirig-Produkte.
2014 gingen die Galderma-Anteile des französischen Kosmetikkonzerns l'Oréal an den Nahrungsmittelkonzern Nestlé.
Am 31.August 2017 wird bekannt: Nestlés Dermatologie-Tochter setzt in der Schweiz den Sparhammer an, sie will ihre Fabrik in Egerkingen schliessen.

Die Galderma-Fabrik an der Froschackerstrasse 6 in Egerkingen.

Bruno Kissling