Am Donnerstagmorgen wurde bekannt, dass die Nestlé-Tochter Nestlé Skin Health die Produktion in ihrer Fabrik in Egerkingen einstellen und an andere Standorte im Ausland verlegen wird. Der Gemeinderat Egerkingen bedauert diesen Entscheid zutiefst, wie einer Stellungnahme zu entnehmen ist. Es sei ein «weiterer Beitrag an die Zerschlagung ehemaliger Perlen und Leuchttürme der Schweizerischen Wirtschaft».

Die grossen Hoffnungen bei der Übernahme der Spirig durch Nestlé Skin Health wurden so alle zerschlagen. «Wir haben uns in Egerkingen damals sehr gefreut, als bekannt wurde, dass eine grosse und international bekannte Firma wie Nestlé bei uns produzieren würde», erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. «Anfangs hiess es noch, dass sie weiter expandieren wollen. Sie haben den Parkplatz vergrössert und ein Baugesuch eingereicht.»

Im Nachhinein betrachtet habe es sich aber abgezeichnet, dass die Firma ihre hochgesteckten Ziele nicht erreicht. «Bei den regelmässigen Gesprächen meinten die Betriebsleiter, dass es nicht ganz reiche», erinnert sie sich. 

Bauernopfer der Globalisierung

Am meisten Mühe bereite der Gemeindepräsidentin aber, dass alles auf einen «Chlapf» geschlossen wird. Diesen Entscheid könne sie von der Firma nicht ganz nachvollziehen, «schliesslich dauerte es bei Nespresso auch über 20 Jahre, bis die Marke erfolgreich wurde. In Egerkingen aber geben sie nach nur vier Jahren schon auf.» Besonders für die Mitarbeiter, die vor der Übernahme schon bei der Firma gearbeitet haben, sei die Situation hart. «Sie erleben den Niedergang einer florierenden Firma. Die weltbekannten Produkte wie Excipial oder Daylong wird Nestlé ja weiterhin produzieren, nur halt im Ausland», weiss Bartholdi. «Wir fühlen uns als Bauernopfer der Globalisierung.»

Die Firma habe zwar in den letzten Jahren versucht, weitere Märkte für die bekannten Produkte zu eröffnen. Dies sei nun aber scheinbar gescheitert. Dem Gemeinderat dränge sich daher die Frage auf, ob «die Ziele der Konzernleitung nicht von Anfang an utopisch hoch waren». Denn die Vorgängerfirma habe gut gearbeitet und war bis zu dem Moment, als sie in andere Märkte expandieren wollte, erfolgreich. 

Weniger besorgt zeigt sich der Gemeinderat hingegen bezüglich der betroffenen rund 190 Stellen, respektive zirka 160 Mitarbeitenden. «Als hochqualifizierte Mitarbeitende werden sie wahrscheinlich in der Übergangszeit von 12 – 18 Monaten wiederum eine entsprechende Anstellung finden. Es wurde uns von der Firmenleitung versprochen, dass die Mitarbeitenden in ihrer Stellensuche professionell unterstützt werden.» (chg)