Oensingen

Spezielle Siebmaschinen sollen den Plastik im Kompost aufspüren

Auf dem Platz der BV Kompostieranlage Oensingen begutachten Experten von verschiedenen Kompostieranlagen aus der ganzen Schweiz neue Siebmaschinen.

Auf dem Platz der BV Kompostieranlage Oensingen begutachten Experten von verschiedenen Kompostieranlagen aus der ganzen Schweiz neue Siebmaschinen.

Im Kompost, der gesammelt wird, befinden sich zu viele Fremdstoffe. Das ist ein Problem. In Oensingen testeten Fachleute eine neue Siebmaschinen für Kompost. Diese zieht Fachleute aus der ganzen Schweiz an, die am Ergebnis interessiert sind.

Vier riesige Siebmaschinen für Kompost stehen auf dem Gelände der Kompostieranlage Oensingen. Mit ihnen soll getestet werden, ob es eine darunter gibt, welche die Fremdstoffe und darunter vor allem die Kunststoffe effizient aus dem feuchten Gärgut abtrennen kann. Rund 40 Fachleute aus der ganzen Schweiz haben sich zum Erfahrungsaustausch zu dieser Frage in Oensingen getroffen.

Die vier Maschinen auf dem Platz sind drei Sternsiebe der Firmen Komptech, Stark und Willibald sowie ein Spannwellensieb der Firma Neuenhauser. Welche arbeitet besser? Eine Frage für Experten.

Nicht nur, denn die Ursache für diese Frage geht uns alle an. «Das gesammelte Grüngut weist zu viele Fremdstoffe auf und die Landwirte dürfen mit Plastik verschmutzte Produkte nicht mehr aufs Feld bringen», sagt Urs Bobst, VR-Präsident der BV Kompostieranlage Oensingen. «Das Ziel jeder Anlage ist, die Produkte aus Grüngut, Gärgut oder Kompost möglichst fremdstofffrei zu produzieren und damit unbedenklich wieder verwertbar zu machen. Unsere Produkte werden gerne von Bauern und Gärtnern verwertet, wenn sie sauber sind.» Man verarbeite Grüngut aus Haushaltungen und Gärten, Biomasse aus der gesamten Region, wandelt diese in Biogas und in festes und flüssiges Gärgut um und bietet auch Kompost an.

Eine gute Sache, denn mit einer Tonne Grüngut werden 125 Kilogramm CO2 eingespart. «Als wir mit der Kompostieranlage starteten, produzierten wir 100 Tonnen pro Woche. Jetzt sind es 80 Tonnen pro Tag», sagt Bobst mit Stolz. Kompost sei ein hochwertiger Dünger, der zur Humusanreicherung wichtig sei. Festes Gärgut und Kompost sind Bodenverbesserer und einheimischer Dünger. Doch in seinen Stolz mischt sich auch Unbehagen. «Leider stellen wir fest, dass das heute eingesammelte Grüngut verstärkt von Plastikabfall verunreinigt ist. Diese Plastikteile aus dem wertvollen, neu gewonnenen festen Gärgut zu holen, ist keine leichte Aufgabe.»

Urs Bobst zeigt die verschiedenen Siebe einer Siebanlage.

Urs Bobst zeigt die verschiedenen Siebe einer Siebanlage.

Mit Fachleuten Lösung suchen

Um dieses Problem zu verringern, wurden vergangene Woche auf dem Gelände der Kompostieranlage Oensingen vier Siebmaschinen für festes Gärgut getestet. «Es sind drei Maschinen aus Deutschland und eine aus der Schweiz», erklärt Bobst weiter. «Drei Sternsiebe und ein Spannwellensieb werden miteinander verglichen», ergänzt Konrad Schleiss aus Grenchen. Er organisiert diesen Anlass zusammen mit dem Branchenverband Biomasse Suisse, zu dem betroffene Schweizer Anlagebetreiber eingeladen wurden.

Schleiss, der mit seiner Umweko GmbH Beratungen für Biomasse anbietet, erläutert, wie der Tag für die Fachleute abläuft. «In einem ersten Schritt werden die verschiedenen Siebmaschinen erklärt. Nachher werden die Maschinen eine Stunde arbeiten, während die Hersteller ihre Maschinen im Detail vorstellen. Danach werden die Ergebnisse der Siebungen begutachtet und beurteilt, welche Maschine die vorgegebenen Kriterien am besten erfüllt hat.»

Strengere Anforderungen

Dieser Anlass wurde zum ersten Mal durchgeführt, denn es sei nötig, für die Einhaltung von strengeren Anforderungen auf den Anlagen verfeinerte Siebanlagen als bis anhin einzurichten, erklärt Schleiss weiter. «Zum einen ist – wie erwähnt – der Plastikanteil im Grüngut gestiegen, zum anderen haben wir gesetzlich vorgeschrieben strengere Toleranzwerte für Plastik, die eingehalten werden müssen.» Habe man bis anhin 0,1 Prozent Kunststofffolien in der Trockensubstanz toleriert, dürfen heute noch 0,1 Prozent Gesamtkunststoff (Hart- und Folienkunststoff) enthalten sein.

Die meisten Maschinen haben eine Feinfraktion (kleiner als 10 mm) und eine Mittelfraktion (10 bis 30 mm) hergestellt. Diese Fraktionen wurden nach dem Versuch untersucht. Im Labor wird der Fremdstoffanteil bestimmt. «Natürlich werden von allen Fraktionen auch die Mengen geschätzt, so auch vom Siebüberlauf, der dann in der Regel thermisch verwertet wird», so Schleiss.

Viele neuen Techniken wurden in Deutschland entwickelt, weil das dort eingesammelte Grüngut noch stärker mit Fremdanteilen verschmutzt sei als in der Schweiz, weiss Schleiss. In der Schweiz herrschten jetzt die strengsten Anforderungen, womit wieder Impulse für Verbesserungen gegeben seien. Schleiss meint aber: «Das Beste und Einfachste wäre, die Bevölkerung würde ihr Grüngut viel sorgsamer trennen und das Plastik gar nicht erst der Grünabfuhr mitgeben. Denn auch mit der teuersten und modernsten Maschine ist es nicht möglich, mit Plastik verschmutztes Grüngut zu völlig reinem Kompost zu machen.» Oder wie es Urs Bobst kurz und knapp formuliert: «Was vorne dreckig reinkommt, geht hinten nicht sauber raus.»

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